Schach-Positionen und ganze Partien einprägen – Leserbrief

Hier ein Leserbrief zum beliebten Thema Schach:

Sehr geehrter Herr Bien,

ich habe Ihre zwei Bücher mit Spannung gelesen und finde, diese sind außerordentlich gut gelungen (ich habe auch andere Bücher über Merktechniken/Gedächtnis/Lernen gelesen). Sie hatten darin angeboten, falls Fragen offen bleiben, könnte man Ihnen schreiben. Da Sie häufiger das Schachspiel erwähnten, denke ich, meine Frage könnte evtl. passen:

Ich suche seit längerem nach einer Möglichkeit, mir längere Zugfolgen, bis hin zu ganzen Partien etc. beim Schach besser merken zu können.

Naheliegenderweise ist da ja auch an Merktechniken zu denken, aber ich bin noch nicht fündig geworden bzw. hatte noch keine zündende Idee. Das, was ich von (Merktechnik-)Profis dazu gesehen hatte, wäre allerhöchstens im reinsten Anfängerbereich hilfreich, aber nicht, wenn es um lange Zugfolgen mit bis zu 20 Zügen, incl. Abzweigungen, geht. Wenn Sie eine Idee haben, wäre ich Ihnen dankbar für einen Tip. Wenn Sie denken, Sie könnten mir mit einem Beratungsangebot helfen, wäre das auch super.

Herzliche Grüße und vielen Dank im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit,

W.

Und hier die Antwort:

Hallo Herr W.,

was Ihre Frage betrifft: Schach ist ein beliebtes Thema für Merktechniken. Die abstrakte Notation von Folgen ist eine gute Übung (Beispiel: „Lc4“, „Lxc4“, „b4“, „axb4“, „fxg6 e.p.“, „Sec4“, „Sexc4“, „T1c7“, „cxd8D“ – aus Wikipedia.

Sie können jeden einzelnen Zug mit dem Majorsystem, dem Zahlen-Symbol-System und einem Übersetzungsplan für die Figuren (oder ein Kombination dieser Techniken) in Bilder verwandeln und damit besser merken: Läufer auf c4 wäre dann ein Sprinter (Läufer), der in einer engen Kurve (c nach Buchstaben-Symbol-System) auf ein Messer (4 nach Zahlen-Symbol-System) tritt. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Sie sich abwechslungsreiche Bilder ausdenken (damit auch bei sehr vielen Zügen keine Langeweile im Kopf entsteht) und dass die Bilder wieder eindeutig zurück zu den Zügen führen (wie beim Majorsystem – höchste Flexibilität bei präziser Übersetzung).

Im nächsten Schritt können Sie die Bilder auf Routen ablegen. Notieren Sie ganze Partien auf Spaziergängen und Wanderausflügen. Wenn Sie dabei Routenpunkte doppelt oder sogar mehrfach belegen, sollten Sie natürlich darauf achten, dass Sie die Reihenfolge der Bilder nicht durcheinander bringen.

Ich hoffe, Ihnen damit ein wenig weiter geholfen zu haben.

Ulrich Bien

Und hier die Rückantwort:

Hallo Herr Bien,

herzlichen Dank für Ihre Antwort und Anregung. Ihr Vorschlag ist sehr anschaulich für mich, und diese Methode lässt sich in jedem Fall sinnvoll beim Aneignen von konkreten Zugfolgen anwenden, was nicht heißt, dass es einfach ist. Ich glaube, wie bei vielem, ist es auch hier so, dass es nur am Anfang etwas mühseliger ist, in der Folge wird es dann immer leichter, bis man dann schließlich einen wirklichen Nutzen aus der Sache ziehen kann.

Sie können meine Frage sowie Ihre Antwort gerne in Ihrem Block veröffentlichen, allerdings bitte nur, so wie Sie es ja auch schon geschrieben haben, wenn mein Name dabei nirgends auftaucht.

Herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg mit Ihren Projekten,

W.

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