Musikstücke und Noten auswendig lernen – Leserbrief

Hier ein Leserbrief zum oft gefragten Thema “Musik und Noten auswendig im Kopf behalten”: 

Hallo Herr Bien,

habe gerade Ihr ausgezeichnetes Buch “Einfach. Alles. Merken.” gelesen.

Da ich Musikerin bin, muss ich ganze Musikstücke auswendig spielen.

Gibt es hier eine Technik sich die Stücke leichter zu merken? Können Sie mir evtl. ein Beispiel geben?

Vielen Dank,

K.

Und hier die Antwort:

Hallo Frau K,

die Frage bekomme ich häufig gestellt. Ja, Sie können Musikstücke vielleicht einfacher und schneller merken als bisher, aber gerade dabei kommt es darauf an, wie Sie die Stück üben und selbst wahrnehmen. Manche Musiker zerlegen ein Stück in einzelne Melodieteile (Komponisten variieren gerne ähnliche Motive oder Sequenzen).

Andere Musiker schauen sich die Anordnung der Harmonien in einem Stück an: Ein Großteil der Populärmusik basiert auf einfachen Harmonie- oder Akkordfolgen, die sich einfach merken lassen (und die Melodietöne sind ein Teil davon). Die meisten Hits dürften auf der Folge C, F, G oder C, Am, F, G beruhen – auch Mozart hat sich dieser Konstruktionen bedient.

Mit diesen beiden Ansätzen haben Sie ein gutes Gerüst, in das sich die Feinheiten der Stück hineindenken lassen.

Einen weiteren Tipp, den ich aus eigener Erfahrung geben kann: Warten Sie nicht zu lange mit dem Spielen eines Stücks aus dem Kopf. Wir haben beobachtet, dass es Musiker gibt, die zwar die Noten nahezu auswendig kennen, aber ohne das Blatt vor der Nase ein Stück nicht spielen können. Der psychologische Aspekt (Sicherheit durch Sichtbarkeit) kann schnell zum Hindernis werden – dass sich der Kopf komplett weigert, ohne die Anwesenheit der gedruckten Fassung das Stück spielen zu können.

Hoffentlich konnte ich Ihnen mit dieser schnellen Antwort ein wenig helfen!

Ulrich Bien

post scriptum:

Vielen Dank, Herr Bien, für die rasche Antwort! Noch eine Frage, wenn ich mir Teile von Stücken merke, sollte ich das mit der Raummethode lernen? Oder haben Sie da einen anderen Tipp?

post post scriptum:

Hallo Frau K,

wie bereits geschrieben: Das hängt ganz davon ab, wie Sie sich Noten vorstellen. Wenn Sie die Folgen als Buchstaben im Kopf haben, können Sie Routen daraus bilden – das würde ich eher empfehlen als den Römischen Raum!

Ganz viele Grüße,

Ulrich Bien