Leserbrief über ganz viele Vitamine und deren Wirkungen – Lernen für das Studium

Hier ein Leserbrief über das Merken von komplexen Informationen für das Studium:

Sehr geehrter Herr Bien,

zunächst möchte ich Ihnen sagen, wie gut ich ihre Videos auf YouTube oder auch ihren Blog finde. Endlich wird Lernen leicht gemacht…

Nachdem ich mir bereits einige Ihrer Informationen angeschaut habe, bleibt für mich dennoch eine Frage offen: Ich verstehe leider immer noch nicht, wie ich ein bestimmtes Fach für die Uni gut lerne. In sechs Wochen steht eine Prüfung an, von der die Zusammenfassung ca. 250 Seiten lang ist. Ich weiß jedoch nicht, wie mir Ihre Techniken helfen können, auch diese Informationen zu lernen.

Anbei schicke ich Ihnen ein Beispiel für das, was gelernt werden muss. Es wäre super, wenn sie mir erklären könnten, wie ich diese Informationen einfach behalten kann, da es doch sehr sehr viele sind:

Allgemeine Kriterien für eine adäquate Aufnahme von Vitaminen und Mikronährstoffen:

  • vermeiden eines klinischen Mangels mit anatomischer und funktioneller Störung
  • unter normalen Bedingungen keine Mangelerscheinung
  • Veränderung normaler Situationen führt zu Hinweisen auf schlechte Versorgung
  • metabolische Besonderheit ist ein gestörter KHD Stoffwechsel bei Thiaminmangel und Ausscheidung von Methylmalonsäure bei B12 Mangel
  • ungewöhnliche metabolische Reaktionen sind bei Folatmangel gestörte Metabolisierung von Histidin und bei B6 Mangel gestörte Metabolisierung von TRY

Fünf grundlegene Funktionen von Vitaminen:

  • Anti Oxidanzien
  • H+/ e+ Donatoren und Akzeptoren
  • Hormone
  • Coenzyme
  • Gentranskriptionsfaktoren

Vitamin A – Biologische Funktionen und Mangelzustände im Überblick

  • aktive Formen
    • Retinol
    • Retinal
    • Retinsäure
  • biologische Funktionen
    • Photosensitive Pigmentierung der Retina
    • Regulation der Epithelzelldifferenzierung
    • Regulation der Gentranskription
  • Mangelerscheinungen
    • Nachtblindheit
    • Xerophthalmie
    • Keratomalazie
    • gestörtes Wachstum

Und hier die Antwort:

Hallo,

vielen Dank für Deine E-Mail! Freut mich, dass Dir mein Blog gefällt.
Deine Frage kann ich ganz klar mit „ja“ beantworten. Mit Hilfe von Merktechniken lassen sich auch komplexe Themen deutlich leichter und schneller merken. Allerdings gibt es nicht die eine Methode, mit der sich alles ganz leicht einprägen lässt. Vielmehr solltest Du für jedes Thema die optimale Technik benutzen.
Deine Beispiele lassen sich aus meiner Sicht am Besten in Merkbilder verwandeln. Hier ein paar kurze, schnelle Ideen zum Merken der oben erwähnten Fakten: Die Aufnahme von Vitaminen und Mikronährstoffen würde ich in das Bild einer Person verwandeln, an einer Obsttheke mit bloßen Händen (Hinweis auf fünf folgende Kriterien) alles in sich hineinstopft, was die Auslage bietet, während der Verkäufer zufrieden dabei zusieht (außerdem wandern die Mikronährstoffe wie kleine Ameisen von unten sein Hosenbein hoch – um auch diesen Teil im geistigen Blick zu haben).
Alle weiteren Punkte werden jetzt in dieses Bild eingebaut: Zuerst schaut der Verkäufer, ob es dem Kunden auch gut geht (Punkt zwei von der Liste), denn wenn er nicht mehr so schnell futtert, dann muss der Verkäufer für Nachschub sorgen (Punkt drei auf der Liste). Schließlich hält der Verkäufer Sanitäter von seinem Kunden fern, die mit Zwangsjacke und Kopfmaske anrücken (wie in „Schweigen der Lämmer“), um die Person mitzunehmen (für den ersten Punkt auf der Liste) und so weiter (die folgenden zwei Punkte kann ich mangels Fachwissen leider nicht in Bilder verwandeln…)
Der zweite Punkt lässt sich hervorragend in dieses Bild ergänzen, in dem der Obstverkäufer mir eine Orange zeigt, die er in der Hand hält (die Finger sind wieder der Hinweis auf fünf folgende Punkte) und mir erklärt, was man alles damit machen kann: Zuerst reibt er die Orange auf einer rostigen Fläche, die dann wieder metallisch schimmert (Anti-Oxidation). Dann hält es sich zwei halbe Orangen wie Busen vor die Brust (Hormone)… Bis er schließlich die spiralförmige Schale der Orange am Ende abzeichnet, die aussieht wie eine DNA-Doppelhelix (Gentranskription).
Beim dritten Beispiel würde ich jedes Vitamin wieder in eine Szene verwandeln: Vitamin A (A wie Auge) lässt sich in die Person eines Fotografen verwandeln, der allerdings nicht mehr arbeiten kann und auf allen Vieren kriecht (vier Mangelerscheinungen), weil seine Augen winzig und verschrumpelt sind (Wachstumsstörungen), damit wie vertrocknete Rosinen in die Augenhöhlen liegen (Xerophthalmie), die Hornhaut trübe ist (Keratomalazie) und damit ist er blind wie die Nacht. So hättest Du die Mängel schon mit Hilfe einer guten Vorstellung im Kopf.
Ich hoffe, diese Beispiele helfen Dir als Inspiration zum Denken Bildern. Je besser Du die Vorstellungen ausschmückst und verfeinerst, desto zuverlässiger kannst Du Dir den Stoff merken. Auch wenn das aufwändig klingt, aber diese phantasievolle Vorgehensweise kann Dir eine Menge ödes Lernen und vor allem das Wiederholen ersparen. Probiere einfach aus, welche Bilder in Deinem Kopf am besten funktionieren.
Ganz viele Grüße,
Ulrich
Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone