Kopf-Kapazität: Wie viel kann sich das Gehirn merken?

Machen Sie mit beiden Händen eine Faust und drücken Sie die Handwurzeln und Finger gegeneinander: Die Form aus beiden Händen ist etwa so groß, wie das Ding in Ihrem Schädel.

Wer schon einmal einem echten Gehirn begegnet ist, wird bestätigen, dass die grau-gelbe Masse extrem langweilig und trist aussieht. Wenn nicht und wenn Sie mutig sind:  Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor hat bei der Rede auf der TED Konferenz ein Hirn in der Hand – zum Ansehen im Internet unter folgendem Link: http://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_s_powerful_stroke_of_insight.html (Vortrag in englischer Sprache).

Dieses handliche Ding hat es in sich: Während der Schwangerschaft entstehen im Kopf eines Babys rund eine Viertelmillion Nervenzellen (Neuronen) – und zwar pro Minute! Ein ausgewachsenes Gehirn besteht aus 100.000.000.000 (100 Milliarden) Nervenzellen. Das entspricht der Anzahl von Sternen in unserer Milchstraße. Zusammen geknotet würde eine Gehirnzellen-Kette problemlos bis zum Mond und wieder zurück reichen. Hirnforscher diskutieren, ob die Zahl der Hirnzellen nicht sogar um ein paar Nullen länger ist.

Beziehungsgeschichten

Das Gehirn wird aber erst zum Denk-Spitzensportler durch die guten Beziehungen der Zellen untereinander: Durchschnittlich ist jede Nervenzelle mit eintausend anderen Nervenzellen über so genannte Synapsen verbunden, auf denen – einfach ausgedrückt – unsere Gedanken durch das Hirn transportiert werden. Damit ist jedes Neuron über vier Verbindungen mit jeder anderen Zelle im Kontakt. Insgesamt sind das unvorstellbare 100.000.000.000.000 (100 Billionen) Verbindungen. Zum Vergleich: Studien zufolge sind alle Menschen über sechs andere Menschen miteinander bekannt. Das Hirn kennt sich besser, als wir uns untereinander!

Die Anzahl von Ideen und Gedanken, die dieses Netz konstruieren kann, ist so groß, dass es für die Zahl keinen Namen mehr gibt. Der britische Erfinder des Gedächtnissports Tony Buzan hat errechnet, dass die Anzahl von Wegen durch das Gehirn eine Zahl ist, an deren Anfang eine eins steht und danach 10.500.000 Kilometer (10,5 Millionen Kilometer) Nullen folgen – und zwar in der Schriftgröße des Texts in diesem Buch.

Dieses Denkwerk braucht Kraftstoff: Obwohl das Hirn nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es ein Fünftel des Sauerstoffs und mehr als ein Viertel der Energie, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Das ist viel im Vergleich zu anderen Organen. Technisch gesehen entspricht das dem Verbrauch einer 20-Watt-Glühbirne. Heizlüfter verbrauchen 100 Mal mehr, können sich aber nicht einmal selbst die Schnürsenkel zubinden.

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