Richtig zu lernen ist eine Kunst, die keiner kennt! Oder: Lernen ist Notprogramm

„Das Gehirn lernt immer, tut nichts lieber und kann sowieso nichts anderes.“ – Manfred Spitzer (Gehirnforscher).

Nur nehmen wir das nicht bewusst wahr: Wegen der neuen Baustelle einen anderen Weg zur Arbeit fahren. Die Zutaten für das Rezept aus der Kochsendung einkaufen. Im Büro ausprobieren, wie das neue Computerprogramm funktioniert bis es funktioniert. Die zahllosen Selbstverständlichkeiten, die jeden Tag von jedem Kopf abgespeichert werden – wir wissen sie alle nicht zu schätzen.

In der Schule lernt man lernen nicht

Vielleicht schenken wir deswegen dem Lernen, vor allem in der Schule, so wenig Beachtung. Es geht ja – irgendwie! Solange das meiste von selbst im Kopf hängen bleibt, kümmert uns die Fleißarbeit des Gehirns wenig. Genauso gehen wir – in den meisten Fällen – ja erst zum Arzt, wenn der Körper durch Schmerzen einen Defekt meldet.

Das Vergessen wird vergessen. Wir trainieren auch nicht den Reifenwechsel am Auto oder lesen die Sicherheitshinweise im Flugzeug. Ist der Reifen platt, warten wir auf die gelben Engel. Und bei Turbulenzen hoffen wir auf die Fähigkeiten des Piloten. In der Prüfung schielen wir auf kleingedruckte Spickzettel oder beharren im französischen Restaurant auf unserer Muttersprache, bis der Oberkellner aus Verzweiflung das Tagesmenü serviert. Es geht ja!

Hinsetzen und hoffen!

Aber wehe, wenn Vokabeln, Gesetzestexte und mathematische Formeln nicht drin bleiben. Die Reaktion ist immer die gleiche: Bewegungslos an den Schreibtisch geklebt, zwingen wir uns gnadenlos dazu, den Lernstoff über Stunden anzustarren und zu wiederholen, bis sich der Kopf mit Migräne wehrt und die Lust zum Frust geworden ist.

Bevor man lernt, sollte man das Lernen lernen!

Das ist das durchschnittliche Verständnis von Lernen! Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie richtig gemerkt, gelernt und gewusst wird. Es wird ins Schreibtisch-Anstarr-Notprogramm gewechselt, in der Hoffnung, dass durch reichlich Quälerei vielleicht doch irgendwas im Kopf hängen bleibt. Auch Eltern raten das ihren Kindern: Hinsetzen und hoffen! Das ist genau das Gegenteil von richtig gutem Lernen.

Alarmzeichen Vergessen

Noch schlimmer, wenn der Kopf nichts mehr drin behalten will – auch nicht die alltäglichen Dinge, die bisher fraglos und fehlerfrei da waren: Schlüssel verloren? Milch vergessen? Gespräch beim Chef? Ach ja, vor einer Stunde. Wann hat meine Frau Geburtstag? Wie hieß sie mit Vornamen? Bin ich überhaupt verheiratet? Wenn der Kopf nicht so funktioniert, wie wir es wollen, dann…? Dann kaufen wir ein Buch über Gedächtnistraining (oder lesen diesen Artikel).

Pauken und Büffeln sind die üblichen Namen, mit denen Lernen getauft ist. Ein Mini-Stimmungsbarometer ist die Bildsuche bei Google im Internet. Sie präsentiert beim Suchwort „Lernen“ eine düstere Ausstellung: rauchende Köpfe, böse Geister, die Schüler albtraumartig verfolgen, Bücherlawinen und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel, der mit hoch gestrecktem Zeigefinger zu öder Disziplin aufruft. Max und Moritz waren anderer Meinung: „Das ist freilich angenehmer und auch viel bequemer, als in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle.“

Lernen lernen lohnt

Wir lernen viele Dinge, indem wir (nicht) lernen. Nur das Lernen nicht. Was kryptisch und verwirrend klingt, das ist schnell erklärt und gilt bereits seit vielen Jahren als eines der Hauptthemen der Erwachsenenbildung: Emanzipation – wobei hier die Befähigung und Motivation des Menschen zum Lernen gemeint ist. Viele Fortbildungsmaßnahmen (und dazu gehört auch mein Gedächtnistraining) haben das wichtigste Ziel, Menschen zu zeigen, das sie durchaus in der Lage sind, neue Dinge – auch im hohen Alter – zu lernen und damit ihr Leben zu verändern. Und viele Menschen erkennen: Sie haben nie gelernt, Wissen systematisch in ihrem Kopf zu speichern.

Zweites Ziel ist, ihnen echte Werkzeuge zum Lernen mit auf den Weg zu geben, dass sie eben nicht mehr einfach drauf los und einfach so büffeln, pauken und auswendig lernen, bis die Fakten drin sind (aber kein weiß, wie lange sie es bleiben).

Merktechniken unterstützen beides: Sie zeigen auf leicht erlernbare Art und Weise, dass jeder Kopf in der Lage ist, mühelos gigantische Menschen von Informationen aufzunehmen und zuverlässig abzuspeichern. Das macht Spaß, weil es eine konkrete Hilfe ist und weil es auf die Stärken des Kopfes zugeschnitten ist.

 

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