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The Big Five for Life – Motivation mal ganz anders (Buch-Rezension)

Eigentlich soll es ein Buch sein für Führungskräfte und darüber, wie Mitarbeiter richtig geführt werden. Aber schon nach den ersten Seiten ist klar, das John Streleckys The Big Five for Life – Was im Leben wirklich zählt von etwas ganz anderem handelt: Hier geht es nämlich um Motivation – und zwar um eine sehr weitreichende und folgenschwere Art der Motivation.

Wer hinter dem Titel die fünf genialen und absolut richtigen Regeln für ein glückliches und erfülltes Leben vermutet, wird auf den ersten Blick enttäuscht – mehr oder weniger, denn Strelecky beschreibt den Führungsstil des amerikanischen Unternehmers Thomas Derales, der die Erwartungen seiner Mitarbeiter an das Leben mit den Zielen seiner Unternehmen verbunden hat. Auf den ersten Gedanken ein radikaler wie unvorstellbarer Ansatz.
Der Zweck der Existenz (ZDE) sowohl für ein Unternehmen als auch für seine Mitarbeiter sollte in die gleiche Richtung führen (Derales bezeichnete seine Mitarbeiter angeblich als Reisende). Alle Tätigkeiten sollen beide Zwecke erfüllen sowie den Mitarbeiten ermöglichen, ihre Lebensziele zu erreichen. Die Big Five haben ihren Ursprung in einem Begriff der auf Safaris entstanden ist: Als Big Five bezeichnen Afrikareisende die fünf bekanntesten Tiere und messen den Erfolg einer Reise daran, ob sie diese gesehen haben (oder eben auch nicht).
Nur einmal im Buch taucht ein konkretes Beispiel für einen ZDE sowie die Big Five auf, aber das hält den Leser nicht davon ab, sich selbst Gedanken darüber zu machen, was der Sinn des eigenen Lebens ist. Strelecky empfiehlt, alles konsequent vom eigenen Kalender zu streichen, was das Erreichen dieser Ziele nicht unterstützt – fraglos ein radikaler Ansatz (der im Buch nur an wenigen Beispielen überzeugend erklärt wird). Aber nachdenklich macht er allemal!
Dabei arbeitet der Autor immer wieder mit einem Bild: Stellen Sie sich vor, nach Ihrem Tod wir ein Museum für Sie errichtet. Welche Dinge würde ein Besucher dort über Sie erfahren? Genau! Nicht die Dinge, von denen Sie Ihr Leben lang geträumt, sondern die Dinge, die Sie in die Tat umgesetzt haben. Dieser Gedanke stiftet fraglos zum Handeln an.
Ob dieser Ansatz in der heutigen Arbeitswelt umsetzbar ist, dürfte jedoch fragwürdig sein. Zu viele Unternehmen schaffen es kaum, wirtschaftliche Ziele und persönliche Interessen ihrer Mitarbeiter zu verbinden. Zumal das gleichzeitig eine extreme Offenheit der Mitarbeiter gegenüber ihren Vorgesetzten voraussetzen würde. Oder erzählen Sie Ihrem Chef von Ihren Träumen?
Für die eigene Motivation ist dieser Ansatz aber bestens geeignet. Sicherlich auch besser als die zahllosen Stärken- und Schwächen-Analysen, die in vielen anderen Büchern zu finden sind, denn persönliche Ziele und Interessen wirken stärker… Nach der Lektüre werden Sie sich fragen, was Sie im Leben erreichen wollen und vor allem: Warum wollen Sie etwas tun? Schließlich sollten Sie jeden Tag so leben, dass er einen Platz in Ihrem Museum einnehmen wird.
The Big Five for Life ist absolut lesenswert. Ein Sachbuch, das nicht wie ein Sachbuch geschrieben ist: Hier wird das tragische Ende von Thomas Derales mit Anekdoten und Schicksalen anderen Menschen verbunden. Obendrein reichert Strelecky seine Erzählung an mit zahlreichen sehr persönlichen Erlebnissen. Eine glänzende und denkwürdige Schau auf eine Geschäfts- und Lebenswelt, die vielen von uns sehr, sehr fremd sein dürfte.

Big Five for Life: Buch  –  E-Book (Kindle)

ERGÄNZUNG: Nach ein paar Suchen im Internet wird leider schnell klar, dass der Unternehmer Thomas Derales eine fiktive Figur des Autor ist (die Buchstaben des Nachnamens lassen sich in das Englische LEADER umstellen).

Strelecky versucht das, in einem langen, langen Online-Artikel zu rechtfertigen. Das erklärt auch, warum so viele Ausführungen über die beschriebenen Unternehmen von Derales letztendlich vage bleiben.

Damit sind auch alle erwähnten TV-Interviews und Erlebnisse mit dem Charakter rein erfunden, was die Überzeugungskraft des Buchs auf die praktische Anwendung in Unternehmen schwinden lässt. Was bleibt ist die individuelle Perspektive auf die eigenen Lebensplanung, die unstrittig reizvoll bleibt.

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