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Steinzeit-Schule: Zweite Klasse, Füller!

Kinder lernen ab der zweiten Klasse mit so genannten Füllern (Füllfederhaltern) zu schreiben. Aber warum? Schließlich stammt die Feder mit angebautem Tintentank (so eine grobe Beschreibung dieses Geräts) aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Und richtig altmodisch wird es, wenn klar wird, dass der Füller ein direkter Nachfahre der Schreibfeder ist. Und die gab es schon im vierten Jahrhundert n. Chr. (und war damals neben den bloßen Fingern und dem Pinsel die einzige Möglichkeit, Farbe auf das Papier zu bringen).

In der heutigen Berufswelt kann jeder ohne Stift und Papier auskommen. Füller sind vielleicht ein trendiges aber exotisches Bürospielzeug. Alle (wirklich alle) Geschäftsunterlagen werden mit Computern erzeugt. Eigene Notizen werden vermehrt auf Tablets erstellt (getippt oder mit der Hand geschrieben). Die Diktier-Funktionen der Smartphones (z.B. Siri von Apple) werden zwar noch selten benutzt, haben eine staunenswerte Perfektion erreicht (nein, Sie brauchen eigentlich nicht einmal mehr zu tippen).

Warum genügt es also nicht, unseren Schülern zuerst die wichtigste Technik zum Schreiben bei zu bringen? Die Begründungen dafür – wenn überhaupt zu finden – klingen seltsam: Die Kinder müssen zum Schreiben mit dem Füller viel feinmotorischer Schreiben als mit anderen Stiften – konkret: Es ist besonders mühsam, damit Buchstaben auf das Papier zu bringen.

Ehrlich gesagt: Es ist schade, dass Schüler in Deutschland immer noch mit praxisfernen Dingen belästigt werden. Schreiben will gelernt sein, aber ob das Schreiben mit der Hand immer noch die wichtigste Methode ist, Buchstaben auf das Papier zu bringen, könnte als höchst-fraglich eingestuft werden. Kein Autor, kein Journalist, kein Geschäftsmann schreibt heute noch mit der Hand – zumindest keine Dokumente, die mit anderen geteilt werden sollen.

Müssen unsere Kinder also tatsächlich die Handschrift als die wichtigste Art des Schreibens kennenlernen? Kindern in anderen Ländern – zum Beispiel in den USA – wird natürlich auch das Schreiben mit der Hand beigebracht, aber zumindest der Schmierartist Füller bleibt ihnen erspart!

Anmerkung des Autors: Ich schreibe viel und gerne mit der Hand! Meine Notizbücher sind für mich ein wichtiges Werkzeug und ich möchte nicht und niemals darauf verzichten. Aber trotzdem ist die Tastatur für mich das wichtigste Eingabegerät. Das Schreiben mit zehn Fingern habe ich erst in meiner Zeit an der Universität gelernt – hätte ich es früher beherrscht, wäre so manches einfacher und schneller erledigt gewesen!

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