Wd8qJnurAfBxD3RQ.jpg

Das Patientenakten-Problem – Leserbrief

Hier ein Leserbrief zu einem komplexen Merkthema, das häufig nachgefragt wird und gar nicht so leicht zu bewältigen ist. Aber lesen Sie selbst…

Sehr geehrter Herr Bien,

für den Support muss ich mir zu etwa 100 Kunden, die durch ihren Organisationsnamen eindeutig identifiziert sind, einerseits Personennamen und (ich nenne es mal) Informationseinheiten merken, so dass ich am Telefon oder in Meetings diese Daten präsent habe.

Diese Informationseinheiten bestehen jeweils aus einem Datum (die Jahreszahl ist nicht so wichtig) und zum Datum gehörende technische oder organisatorische Daten. Diese Informationseinheiten können je Kunde x-mal vorkommen; die aktuellsten Informationen sind die zuletzt notierten / zu behaltenden.

Bisher habe ich leider noch keine zündende Idee, Merktechnik bzw. Kombination von Merktechniken gefunden, die mir zu passen scheinen. Ich habe an geschachtelte Routen, auch Gedächtnispalast gedacht, aber wieder verworfen.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir weiterhelfen würden.

Mit freundlichen Grüßen,

H.

Und hier die Antwort:

Hallo Herr H.,

vielen Dank für Ihre E-Mail – das ist eine interessante und nicht selten gestellte Frage, die ich mittlerweile als „Patientenmodell“ bezeichne (unter anderem führen Ärzte chronologische Akten zu ihren Patienten, daher der Name).

Zunächst einmal sollten Sie so eine „Datenbank“ langfristig betrachten: Wie viele Einträge pro Kunde sammeln sich dort im Monat / im Jahr an? Gibt es unterschiedlich viele Einträge pro Kunde? Bleibt es bei 100 Kunden oder wechseln diese? Wie oft ändern sich Ansprechpartner? Und vor allem: Auf welche Daten wollen Sie wirklich frei aus dem Kopf zugreifen? Reicht der letzte oder die letzten drei Einträge oder müssen es wirklich alle sein?

All diese Faktoren wirken sich auf das „Design“ des passenden Merkmodells aus… Meine Empfehlung: Halten Sie die Anzahl der Fakten so klein wie möglich. 100 Kunden mal ein oder zwei Ansprechpartner plus ein bis drei Datumsnotizen lassen sich noch ganz gut im Kopf behalten. Bei 30 bis 40 chronologischen Einträgen pro Kunde wird es dann schon wirklich komplex.

Aus meiner Erfahrung sind einheitliche Informationsbündel (gleiche Menge an Daten pro Kunde) wesentlich besser zu behalten als wenn große Unterschiede zwischen den Bildern entstehen. Haben Sie immer die gleiche Menge an Fakten, dann lernt der Kopf sehr schnell, in einheitlichen / ähnlichen Strukturen zu denken, was Merken und Erinnern deutlich erleichtern dürfte.

Ohne jetzt Details zu kennen eine kurzer Beschreibung einer geeigneten Methode: Jede Organisation ist ein kleiner Gedächtnispalast (bzw. ein Merkbild), in dem zunächst die Ansprechpartner (und ggf. andere Stammdaten) eingebaut werden. Dieses komplexe Bild wird benutzt, die chronologischen Einträge nach und nach zu ergänzen. Das kann zum Beispiel durch eine „dynamische“ Route geschehen, bei der immer der letzte Eintrag hinten dran gehängt wird. Oder auch einfach durch Einfügen weiterer Bilder, die das Datum nur als Marker tragen (schwieriger in zeitlicher Reihenfolge zu erinnern). Auch das PVO-System wäre eine Möglichkeit, wenn es sich nur um wenige Einträge handelt.

Ich hoffe, meine kurze Antwort hilft Ihnen etwas weiter und inspiriert, dass Sie weiter an einer geeigneten Technik feilen können.

Ganz viele Grüße,

Ulrich Bien

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone