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Sehenswert! Merkenswert! – Fakten zum Empire State Building als Gedächtnispalast merken

Der Gedächtnispalast gilt als die Königsdisziplin der Mnemotechniken. In der Literatur sind aber nur wenige konkrete Beispiele und Anleitungen dazu zu finden. In diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie Daten und Fakten rund um das Empire State Building in New York mit Hilfe eines Gedächtnispalastes zuverlässig lernen und behalten können…

Achtung: Die Zahlen in diesem Artikel werden mit dem Majorsystem in Bilder verwandelt. Sollten Sie diese Merktechnik nicht kennen, lesen Sie hier mehr darüber…

In den beiden anderen Artikeln habe ich bereits unterschiedliche Gedächtnispaläste vorgestellt: Einen zum Merken des Periodensystems der chemischen Elemente, den anderen rund um den Ersten Weltkrieg. In diesem Artikel zeigen ich Ihnen, wie Sie Daten und Fakten quasi im Thema selbst unterbringen können – in diesem Fall wichtige Infos rund um das berühmte Empire State Building in New York im Gebäude selbst. Das bietet sich natürlich an, weil damit Fakten und Thema so eng wie möglich miteinander verknüpft werden.

Palast-Planung – oder: Räume definieren

Zunächst werden am und in dem weltberühmten Hochhaus Plätze definiert, in denen später die Fakten als Bilder und Szenen eingebaut werden sollen. Es geht beim einem Gedächtnispalast nicht darum, den tatsächlichen Grundriss auswendig zu lernen, sondern Sie erstellen im Kopf eine Liste markanter Stellen, die Ihnen sofort einfallen, wenn Sie über das Gebäude nachdenken.

Grobkonzept für einen kleinen Gedächtnispalast

In diesem Beispiel halte ich die Zahl der Räume zunächst einmal klein (bei Bedarf kann man später weitere Räume ergänzen):

  • Eingangsbereich vor dem Gebäude
  • Fahrstühle
  • Besucher-Aussichtsplattform
  • Die Spitze des Antennenmastes

Das sind nicht besonders viele Plätze, aber in diesem Beispiel werden Sie sehen, dass an einer Stelle bereits zahlreiche Fakten eingebaut werden können. Der Eingangsbereich vor dem Gebäude wird später zum Merken in vier unterschiedliche Plätze zerlegt:

  • Die Eingangstüren
  • Die Plätze links und rechts von der Tür
  • Die Sicht nach oben auf die Fassade des Gebäudes

Gehen Sie im Kopf diese Orte durch und versuchen Sie, sich diese so gut wie möglich vorzustellen. Wenn Sie niemals in New York gewesen sind, dann funktioniert ein fiktives Gebäude genauso gut.

Fakten einbauen: Kreative Bilder schmieden

Ich werde Ihnen in diesem Artikel meine Merkbilder erläutern. Es kann sein, dass diese Vorstellungen in Ihrem Kopf nicht funktionieren. Probieren Sie aus, ob Ihrem Gehirn die Bilder gefallen. Wenn nicht, dann müssen Sie sich selbst andere, kreative Merkhilfen ausdenken.

Beginnen wir rechts neben dem Eingang. Dort steht der Architekt des Gebäudes und füttert (Anfangsbuchstabe „F“) ein Lamm (Englisch „Lamb“) mit einer (Williams-)Birne. Der Architekt heißt also William F. Lamb. Neben ihm steht ein Koffer voller Geld. Die Scheine und Rosen quellen aus dem Koffer heraus (Rose = 40), weil der Bau 40 Millionen Dollar gekostet hat.

Während des Baus wurde das „Moos“ von einer „Made“ gefressen – auch das passiert beim Blick auf den Koffer. Also wurde das ESB von (19)30 bis (19)31 errichtet.

In ganzer Fakten-Pracht: Das hand-gedachte Empire State Building

Mehr Fakten im Bild

Blicken wir in die Mitte der Szene, sehen wir die Eingangstüren. Dort teilt sich das Bild ebenfalls in zwei Teile: Zum einen macht dort der amerikanische Präsident den Teppich mit einem Staubsauger sauber (Englisch „Hoover“), während sich eine Demonstration von Arbeitern dem Eingang nähert. Herbert Hoover eröffnete das Gebäude am 1. Mai 1931 (die Arbeiter sind der Hinweis auf den Tag der Arbeiterbewegung).

Über dem Eingang hängt ein schön dekorierte Mumie. Eine Hand zieht an der Bandage, so dass der Körper entwickelt wird und ein Mohr zum Vorschein kommt. Die „schöne Deko“ ist der Hinweis auf den Baustil: Art Deco. Die Hand (5 als Symbol), die Mumie (33) und der Mohr (34) weisen auf den Standort an der Fifth Avenue zwischen 33. und 34. Straße hin.

Gleiche Szene, neuer Abschnitt: Links vom Eingang steht ein Mufti (381), der sich fragt, wie hoch das ESB sein könnte: 381 Meter ist die Antwort darauf. Gleichzeitig betrachtet er einen Turm aus Dosen (102), wobei jede Dose ein Stockwerk darstellt – also 102 Stockwerke insgesamt.

Beim Blick auf die Fassade nach oben fällt eine Rille (45) auf, der die Form des Nil (25) hat. 1945 ist ein B-25 Bomber in die Fassade des Hochhauses geflogen. Das lässt sich mit diesem Bild hervorragend merken.

Aufwärts denken

Das nächste Bild ist der Lift. Hier ist deutlich weniger los. Leute sind gar nicht zu sehen. Als die Türen aufgehen, fällt mein Blick auf eine Tüte (11), in der ein riesiger Kamm (73) steckt. Die Tüte ist so hoch wie ein Schacht, weil das Gebäude 11 Kilometer Fahrstuhlschächte enthält, in der 73 Lifte betrieben werden.

Fast an der Spitze angekommen

Die Aussichtsplattform ähnelt im Aussehen einem riesigen Fisch (86), auf dem ein Reh (4) steht und den Blick genießt. So besuchen vier Millionen Menschen jedes Jahr die Plattform im 86. Stockwerk.

Wesentlich ruhiger geht es auf der Spitze des Gebäudes zu. Dort – genau am oberen Ende der Antenne – befindet sich ein „Ruheraum“ (443) – in meiner Vorstellung eine winzige Kammer mit riesigen Fenstern in der ein einzelnes Bett steht (mehr Platz ist dort nicht). Also sind es insgesamt 443 Meter bis zur letzten Spitze des Gebäudes.

Alles im Kopf?!

Wenn Sie sich diese Bilder gut vorstellen können, dann haben Sie bereits eine Menge wichtige Fakten über das Empire State Building erfolgreich im Kopf abgespeichert. Aber es geht noch mehr, denn jedes Bild kann um weitere Fakten erweitert werden – und wenn Ihnen das nicht genügt, dann fügen Sie weitere Räume und Plätze in Ihre Merkvorstellung ein (die Empfangshalle mit den Weltwundern an den Wänden bietet sich hervorragend zum Merken weiterer Fakten).

Mehr, mehr, mehr…

Dieses Beispiel zeigt das Potenzial, wenn Sie mit dieser Merktechnik arbeiten. Prinzipiell können Sie jeden Platz zu einem Gedächtnispalast machen, den Sie sich vorstellen können. Durch die lustigen und damit gut vorstellbaren Bilder werden diese Orte in Ihrer Phantasie lebendig und überfüllt mit wichtigen Fakten.

Statt auf normalem Wege zu lernen, können Sie in Gedanken durch die Bauwerke spazieren und sich so an beliebig viele Informationen mühelos erinnern.

Trotzdem braucht diese Mnemotechnik ein wenig Training. Vor allem müssen Anfänger lernen, gute Merkbilder sinnvoll mit den jeweiligen Orten zu verbinden. Gehen Sie das oben beschriebene Empire State Building noch einmal in Gedanken durch und probieren Sie, was bei Ihnen im Kopf geblieben ist. Sie werden staunen, wie viele Fakten Sie bereits erfolgreich behalten haben!

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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