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Lange Zahlen merken – Praxisbeispiele

Das Majorsystem ist eine der genialsten Merktechniken überhaupt und eine hervorragende Methode, um Zahlen zuverlässig und in großer Menge zu merken. In diesem Artikel möchte ich Ihnen unterschiedliche Ansätze zeigen, wie das Majorsystem am besten praktisch genutzt werden kann.

Hinweis: Die in diesem Artikel erklärten Merktechniken basieren auf dem so genannten Majorsystem. Eine Anleitung dazu finden Sie hier.

Gerade bei längeren Ziffernfolgen, wie zum Beispiel Telefonnummern, kommt oft die Frage auf, wie das Majorsystem am besten eingesetzt wird, auch weil es sich dabei um eine sehr flexible Mnemotechnik handelt. Ich möchte Ihnen in diesem Artikel drei unterschiedliche Ansätze zeigen…

Der Klassiker: Merk von links

So viele Ziffern wie möglich in einem Begriff unterbringen, ist eine sehr praktische Art, das Majorssystem zu benutzen. Man arbeitet sich dabei konsequent von links nach rechts durch die Ziffernfolge und bildet möglichst lange Wörter. Kommt man bei einer Ziffer nicht weiter, beginnt man einfach mit einem neuen Bild.

Schauen Sie sich folgende Ziffernfolge an:

7 7 2 1 4 3 6 9 2

Zweistellig wird die 77 zur Geige. Die folgende 2 bietet sich an, daraus einen ganzen Haufen der Instrumente zu machen (also Geigen). Die 1 passt nicht mehr ins gleiche Bild, also wird ein neues Merkbild eröffnet. Danach lassen sich schnell zwei Dreierpacks bilden. Es ergibt sich diese Bildfolge:

Geigen + Turm + Scheiben

Beachten Sie, diese Begriffe unbedingt in einer einzigen, lebendigen Vorstellung zusammen zu fügen. Für mich ist das ein Haufen Geigen, der am Fuße eines Turms so laut spielt, dass die Scheiben in den Schießscharten zersplittern (diese Vorstellung wird natürlich noch mit der Person verbunden, der diese Telefonnummer gehört).

Kein Bild sollte weniger als zwei Stellen enthalten. Eine Ausnahme bildet die letzte Ziffer, wenn diese nicht mehr in das vorhergehende Bild eingebaut werden kann. Dann wird einfach ein einstelliges Bild am Ende angehängt.

Zweierpack – wenn es schnell gehen muss

Wenn ich mir aus dem Stehgreif eine Nummern merken muss – zum Beispiel am Telefon – greife ich auf meine festen zweistelligen Bilder zurück und baue aus den Bildern auf die Schnelle eine kleine Geschichte zusammen. Bei der Zahl von oben (772143692) ergeben sich bei dieser Vorgehensweise folgende Begriffe:

Geige + Niete + Rum + Schupo + Huhn

In meiner Vorstellung ergibt das: Ich spiele so schlecht Geige, dass ich mich wie eine Niete fühle und auf den Schreck einen großen Schluck Rum trinke. Weil ich deswegen in Schlangenlinien laufe, werde ich von einem Schupo angesprochen, der eine Stimme wie ein Huhn hat.

Merk-Erweiterer: Dreier-Kombinationen

Während das zweistellige Majorsystem recht leicht erlernbar ist, meiden viele Gedächtnis-Techniker das dreistellige System, da allein das Suchen nach passenden Wörtern (insgesamt 1.000 Stück) ein ziemlicher Aufwand ist. Wer sich trotzdem damit beschäftigt, kann eine Zahl auch in Dreierpacks zerlegen.

Die Ziffernfolge 415149095 ergibt im dreistelligen System zum Beispiel die Begriffe: Rudel + Treppe + Spüle. Im Gesamtbild wäre das: Ein Rudel (Wölfe) will aus der Wohnung ausbrechen, rast die Treppe hinunter und landet in einer Spüle, bevor es das Haus verlassen kann.

Bunte Reihe

Statt sich konsequent von einer Seite zur anderen durchzuarbeiten, kann man auch irgendwo in der Mitte beginnen und nach guten (langen) Begriffen Ausschau zu halten. Diese Vorgehensweise ist vor allem geeignet für geübte Major-Techniker, die bereits ein gutes Auge entwickelt haben.

In der Folge 27149208191 steht in der Mitte die Kombination 1492081, die sich in den Begriff Traubensaft verwandeln lässt. Davor und dahinter lassen sich die Ziffern-Pärchen in Honig und Bett verwandeln.

Um die Reihenfolge der Bilder zu merken, stellen wir uns vor, dass der Honig zu zäh ist und wir ihn deswegen mit Traubensaft verdünnen, um ihn dann ins Bett zu kippen.

Gut, besser, am besten?

Die einzig richtige Methode zum Vorbildern von Zahlen gibt es nicht. Ich benutze alle oben erklärten Ansätze abhängig von den Zahlen, die gemerkt werden wollen – und manchmal setzte ich das Majorssystem gar nicht ein (lesen Sie dazu zum Beispiel den Artikel über das Erfindungsjahr des Fernrohrs).

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