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Routen, die (eigentlich) keine Routen sind

Vom Merken mit so genannte Loci-Routen hat jeder schon einmal gehört. Meistens werden dabei Informationen an Plätzen entlang eines Spazierganges (Gassi mit dem Hund) oder einer Reiseroute (Fahrt zur Arbeit) abgelegt. Es gibt aber auch viel einfachere Routen, für die man sich nicht einmal bewegen braucht, um ganz viel im Hirn zu speichern…

Routen für Reihenfolgen! Dieses Merk-Motto stimmt nicht ganz, denn mit Loci-Routen lassen sich auch alle Fakten merken, an die man sich komplett wieder erinnern muss (ohne etwas wegzulassen). Auch müssen Routen keine Spaziergänge sein. Weiter gefasst werden Routen als definierte Reihenfolgen bezeichnet. Klingt kompliziert? Ganz im Gegenteil, denn davon haben wir jede Menge im Kopf.

In diesem werden Sie einige einfache Loci-Routen kennenlernen, die sich praktisch sofort benutzen lassen…

Zahlen-Symbol-Route

Wenn Sie bis zehn zählen können, haben Sie bereits eine einfache Route im Kopf. Allerdings sind die Zahlen erst nutzbar, wenn Sie vorher in Symbole verwandelt werden. Überlegen Sie einfach, welcher Gegenstand einer 1 ähnlich sieht. Kerze, Schwan, Gabel, Segelboot und fertig ist die Route. Ein praktisches Beispiel lesen Sie hier: Die zehn Gebote mit Hilfe von Zahlen-Symbolen merken.

Wenn Ihnen zehn Punkte nicht genügen, dann können Sie mit etwas Kreativität verlängern, indem Sie eine Route mit kleinen Dingen aufbauen (Nadel, Büroklammer, Gabel), eine mit mittleren Dingen (Spazierstock, Schwan, Kerzenleuchter) und eine mit wirklich großen Dingen (Fernsehturm, Sphinx, Baggerschaufel). Damit haben Sie dann volle 30 Punkte!

Wochentags-Route

Nach dem gleichen Prinzip können Sie Montag bis Sonntag durchdenken. Montag ist das Mohnfeld und Sonntag denken wir uns in die Wüste. Schauen Sie sich die Merkhilfe für die neun olympischen Musen an. Dort kommt genau diese Loci-Route zum Einsatz.

Wenn Ihnen auch hier die sieben Plätze nicht genügen, können Sie auch wieder mit klein und groß arbeiten. So schauen wir vom Mohnfeld einfach hoch zum Mond. Und von der Wüste hoch zur Sonne…

Das Majorsystem als Route

Das Majorsystem ist eigentlich eine Mnemotechnik zum Merken von Zahlen, aber gleichzeitig ergibt sich damit eine nahezu unendlich lange Route.

Das Majorsystem verwandelt Zahlen in Wörter und damit in Bilder. Fertig ist die Route! Tee, Huhn, Oma, Reh… Das funktioniert einstellig (sehr leicht), zweistellig (ebenfalls einfach) und sogar drei- und vierstellig (benötigt allerdings etwas Denkarbeit). Aber wer braucht schon tausend Merkplätze?

Die ABC-Route

Auch das Alphabet lernen wir seit wir laufen können. Sie müssen sich nur noch zu jedem Buchstaben ein oder mehrere Bilder ausdenken. Ich benutze das ABC doppelt mit großen (Alpen, Bergwerk, Checkpoint Charlie) und kleinen Loci (Ameise, Ballons, Charlie Chaplin).

Bei doppelten Routen müssen Sie nur vor dem Merken festlegen, ob Sie pro Buchstabe von klein nach groß springen wollen, oder zuerst das ganze Alphabet in klein und dann in groß durchgehen (oder umgekehrt).

Spielkarten

Das Merken von Spielkarten ist eine Disziplin von Merk-Meisterschaften. Wer das trainiert, der hat für jede Karte ein Merkbild. Auch diese 52 Bilder lassen sich zu einer Route machen: Karo, Herz, Pik, kreuz und dann von der Zwei über die Zehn bis zum As.

So können Sie zwei Themen gemeinsam angehen: Sie sind gut vorbeireitet für das Einprägen eines Kartenspiels (tolles Gehirnjogging) und Sie haben noch eine lange Route merkfertig im Kopf.

Finger-Route

Zuletzt noch eine kreative und einfache Route, die im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand liegt: die Finger! Legen Sie dafür die Hände flach auf den Tisch und schauen Sie genau hin (von links nach rechts in Lesrichtung): Zwerg, verlobtes Pärchen, Stinkefinger, drohender Lehrer, Baby mit dem Daumen im Mund… Und hier gleich ein praktische Beispiel dazu, bei dem Sie sich mit Hilfe der Finger-Route die Länder einprägen, die von der Donau durchflossen werden.

Wie Sie sehen, ist es mit ein wenig Kreativität ganz einfach, auch lange Loci-Routen zu konstruieren. Sie brauchen jetzt nur noch mit dem Merken zu beginnen!

Viel Spaß dabei!

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Merkzeugkasten - Mnemotechniken für Anfänger und Fortgeschrittene". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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