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Wandern und Staunen – Mnemotechniken im Überblick, Teil 3

Neben dem erfolgreichen Behalten von Einzelinformationen bildet das (schnelle) Einprägen von besonders vielen Fakten die zweite Hälfte der Mnemotechniken. Grundlage ist wieder das Verwandeln von einzelnen Fakten in Gehirn-gerechte Informationen – und dann werden diese Bilder in räumliche Vorstellungen eingebaut. Wie das geht, erfahren Sie in diesem Artikel…

Mnemotechniken im Überblick:
Grundlegende Techniken, Teil 1
Spezialtechniken für Vokabeln & Zahlen, Teil 2
Mnemotechniken zum massenhaften Merken, Teil 3

Warum sollen Fakten auf Plätzen abgelegt werden? Die Erklärung dafür ist mit einem Experiment leicht zu erklären: Lesen Sie eine Liste mit Begriffen – sagen wir zwanzig bis dreißig. Wenn Sie danach gefragt werden, was Sie gelesen haben, werden Sie sich schwer tun, mehr als fünf bis neun Begriffe aufzuzählen. Das nennt man eine ungestützte Erinnerung. Wenn Sie gefragt werden, ob dieser oder jener Begriff in der Liste enthalten war, dürfte Ihre Trefferquote deutlich höher liegen.

Beim Ablegen von Fakten an Orten funktioniert das ähnlich: Wir können uns zu den Informationen hindenken, die wir uns an bestimmten Orten denken, wir können sie vor dem inneren Auge ansehen und durch sie hindurch spazieren – also eine völlig andere Art des Merkens im Vergleich zum Griff in die Black-Box.

Auf diesem Prinzip beruhen alle Techniken zum Merken von Masse. Die wichtigsten drei werden im folgenden erklärt.

Römische Räume

Der Name stammt von antiken Parties ab, bei denen alle Gäste im Raum verteilt auf Sofas gelegen haben. Aus genau so einer Szene stammt auch die erste Beschreibung der Anwendung einer Mnemotechnik (nämlich von Simonides von Keos).

Bei dieser Technik werden Fakten gut übersichtlich in einem Raum verteilt. Diese Methode eignet sich gut für „kleinere“ Themen, wie die wichtigsten Fakten zu historischen Ereignissen oder kürzere Listen, bei denen es nicht auf die Reihenfolge der Fakten ankommt (zum Beispiel Einkaufszettel).

Loci-Routen

Statt beim Denken drinnen zu bleiben geht es nun auf große Tour: Die Loci-Methode ist wohl die bekannteste Merktechnik, bei der Fakten an markanten Stellen entlang einer Route abgelegt werden. Sie ist gut, um große Mengen von Informationen in Reihenfolge zu merken.

Der Klassiker sind lange Zahlen oder die Reihenfolge von Spielkarten – von praktischem Nutzen ist sie zum Beispiel zum Behalten von Präsentation und Vorträgen (auch als Zuhörer).

Häufig wird vermutet, dass Routen aus echten Orten bestehen müssen, aber es gibt auch eine Menge Loci-Routen, die gar keine Spaziergänge oder Fahrten sind (die bessere Bezeichnung für eine Loci-Route ist „definierte Reihenfolge“).

Gedächtnispaläste

Hannibal Lecter und Sherlock Holmes (in der aktuellen Ausgabe des BBC) sind aktive Betreiber von Gedächtnispalästen. Diese Technik wird umgeben von einer Menge falscher Vorstellungen. Die Erwartung ist häufig, dass man sich damit problemlos und kurzfristig eine ganze Bibliothek in den Kopf kippen kann.

Aber es ist anders: Ein wirklich guter Gedächtnispalast bedarf einer sorgfältigen Konstruktion und Pflege. Wenn aber die Basis eines solchen Gedankengebildes stimmt, dann lassen sich darin tatsächlich auf sehr effektive Art und Weise jede Menge Informationen speichern.

Es muss aber nicht immer gewaltig, groß und riesig sein. Auch einzelnen Szenen und kleinere Gebäude können schon als Gedächtnispalast bezeichnet werden. Die Denkweise ist dabei immer die gleiche. Das einzige, was sich verändert, ist der Maßstab und damit die Menge an Informationen.

Mehr über den Gedächtnispalast erfahren Sie auch in meinem Blog-Book auf dieser Webseite.

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Merkzeugkasten - Mnemotechniken für Anfänger und Fortgeschrittene". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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