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Da lang! Gute Loci-Routen aufbauen

Jeder hat schon einmal davon gehört, wie Gedächtniskünstler massenhaft Fakten auf gedachten Spaziergängen ablegen. Das klingt seltsam, wenn Sie sich bisher nicht mit Mnemotechniken beschäftigt haben, ist aber definitiv die beste Methode, um Informationen der Reihe nach zu merken. In diesem Artikel lesen Sie, wie Loci-Routen am besten konstruiert werden.

Zwar gibt es neben den geistigen Spaziergängen zahlreiche andere Arten von Routen, aber bedingt durch die Evolution ist unser Gehirn besonders gut darin, Wege zu merken (auch wenn Sie glauben, dass Sie keinen guten Orientierungssinn haben). Jeder findet seinen Weg nach Hause – und das lässt sich auch zum Merken von Fakten benutzen.

Wie lang?

Bevor Sie eine Fahrt oder einen Spaziergang in eine Loci-Route verwandeln, sollten Sie sich überlegen, wie lang die Route sein soll. Haben Sie bereits Fakten, die Sie sich merken wollen? Dann können Sie abschätzen, wie viele Punkte bzw. Orte Sie brauchen werden.

Viele meiner Routen sind zwischen 50 und 100 Merkpunkte lang. Wenn Sie mehr Fakten im Kopf behalten wollen, bedenken Sie, dass auch mehrere Informationen an einem Ort abgespeichert werden können. Sie müssen also nicht unbedingt eine geistige Weltreise machen.

Wie kurvig?

Außerdem sollten Routen abwechslungsreich sein. Wenn Sie ins Büro zehn Kilometer auf der Landstraße geradeaus fahren, lässt sich diese Strecke nicht unbedingt in 40 Merk-Loci aufteilen. Die Ausbeute bei einem Gang durch die eigene Wohnung kann besser sein.

Ich bevorzuge Spaziergänge als Loci-Routen. Da geht es meistens weniger geradeaus und man nimmt seine Umgebung beim Gehen besser wahr als beim Fahren. Zusätzlich können Sie bei kürzeren Distanzen von Punkt zu Punkt schauen, was Merken und Erinnern der Route erheblich erleichtert.

Vermeiden Sie Sprünge in der Route und halten Sie sowohl den Abstand der Punkte als auch deren Größe möglichst gleich – also nicht von der Stufe an der Haustür zum Stadtwald wechseln (denken Sie dann besser an die Wanderkarte am Rand des Waldes, die kleine Brücke über den Bach und die Bank auf der Lichtung).

Ein Routen-Klassiker bei mir ist der regelmäßige Spaziergang mit dem Hund. In Gedanken beginne ich mit der Garderobe in der Wohnung, denke dann an die Eingangstür, die Treppe, die Briefkästen im Eingangsbereich und dann an die Haustür. Das ergibt fünf Punkte, ohne die Wohnung verlassen zu haben.

Nah dran statt weit weg

Auch wenn Sie kein Weltreisender sind, können Sie zahlreiche Routen im Kopf haben. Ein kleiner Gang um das Haus, der Weg zum Büro oder in den Supermarkt sowie die Shopping-Tour durch die Stadt lassen sich wunderbar zur Merk-Route verdenken.

Aber auch entferntere Länder sind als Route geeignet. Ein Urlaubsort lässt sich genauso umfunktionieren – sogar wenn Sie nur einmal dort gewesen sind. Ich habe Urlaubs-Routen im Kopf, die Fehler haben, also nicht genauso so aussehen wie die Wirklichkeit. Aber das ist kein Problem, so lange Sie sich immer wieder an die richtige Reihenfolge erinnern. Genauso können Sie sich fiktive Orte und dazu passende Routen vorstellen und aufbauen.

Bauen vor Ort

Dennoch ist es am besten, wenn Sie eine Route tatsächlich abgehen, um optimale Loci zu finden. Vielleicht haben Sie ein paar tolle Punkte nicht bemerkt, die Ihnen aber auffallen, wenn Sie den Weg aufmerksam abgehen.

Wenn Sie einmal die Route abgeschritten haben, sollten Sie ausprobieren, ob Sie den gleichen Weg auch in Gedanken absolvieren können. Wenn Ihnen Punkte entfallen sind, dann gehen Sie einfach nochmal los und schauen sich die Umgebung genauer an, bis die Route sitzt. Auch Profis tun das! Es kann sogar gut sein, eine Route mit einem Partner gemeinsam zu planen. Zusammen hat man bessere Ideen und der andere sieht vielleicht Dinge, die Ihnen nicht aufgefallen wären.

Gut gerüstet für die Loci-Tour

Hier noch einmal alle Punkte an die Sie denken sollten, wenn Sie eine Route aufbauen wollen:

  • Wie lang soll die Route sein?
  • Ist der Weg abwechslungsreich genug?
  • Sind die Abstände und die Merk-Orte gleich groß?
  • Können Sie von Punkt zu Punkt schauen?
  • Haben Sie die Route bereits nach dem ersten Abschreiten (fast) vollständig im Kopf?

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Merkzeugkasten - Mnemotechniken für Anfänger und Fortgeschrittene". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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