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Wir leben auf einer Kugel – Perspektivenwechsel

Wer die Romane von Jules Verne liest, lernt ein völlig anderes Weltbild kennen: In der afrikanischen Ballonreise oder bei Hatteras auf dem Weg zum Nordpol – Verne denkt und schreibt ausführlich in Längen- und Breitengraden. Wer nicht zur See fährt, dem erscheinen diese Beschreibungen fremd. Trotzdem lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken. Schließlich leben wir auf einer Kugel…

…und auf einer Kugel orientiert man sich am besten über die Angabe von Winkeln. Eine echte Vorstellung davon, wie eine Position auf der Erde in Grad angegeben wird, haben jedoch die wenigsten. Allein der Null-Meridian durch Greenwich und der Äquator sind bekannte Orientierungs-Linien. Aber schauen wir einmal genauer hin.

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Im normalen Koordinatensystem bewegt man sich auf Achsen im geraden Raum. Auf einer Kugel funktioniert das nicht – alles ist krumm und gebogen. Deswegen werden alle Orte auf der Erde mit Grad-Angaben markiert. Die erste Frage dabei ist, von wo gemessen wird (eine Kugel hat schließlich keine Ecken und Kanten, die als Startpunkt dienen könnten).

Im Geiste hat man also die Erde senkrecht gestellt und die Mittellinie – den Äquator – als null definiert. Von dort aus kann man 90 Grad nach oben und genauso weit nach unten zu den Polen laufen. Koordinaten nach oben und unten haben also immer eine Zahl zwischen 0 und 90 nördlicher bzw. südlicher Breite.

Das kann etwas verwirrend sein. Obwohl wir uns auf der Kugel nach oben und unten bewegen, nennt sich dieser Teil der Koordinate die Breite oder der Breitengrad. Sie müssen sich vorstellen, dass die Erde an der entsprechenden Stelle der Breite nach durchgeschnitten wird – daher die Bezeichnung.

Die zweite Grad-Angabe ist die Länge. Hier hatten die Europäer die Nase vorn und haben die Nulllinie gerade durch den Londoner Stadtteil Greenwich gezogen. Und von da aus geht es jeweils 180 Grad nach Osten und Westen.

Die Mitte der Welt

Genau genommen ist Greenwich aber nicht der Ursprung der vermessenen Welt, denn der Schnittpunkt von Null-Meridian und Äquator liegt im Atlantik südlich von Nigeria. Das ist der Startpunkt des Denkens in Koordinaten.

Von da aus sollten Sie bestimmte Schnitte im Kopf haben, um ein Gefühl für Orte auf unserem Planeten zu bekommen. So liegt der 180. Längengrad (einmal ganz rum) östlich von Neuseeland. 90 Grad von Greenwich nach Westen schneidet man den Golf von Mexiko und läuft knapp vorbei an den großen Seen in Nordamerika. 90 Grad nach Osten liegt der Längengrad knapp östlich von Indien und schneidet den Westen Chinas.

Der halbe Weg nach Norden schneidet Mitteleuropa (so liegt Berlin bei 52 Grad nördlicher Breite). Und gen Süden ist die Hälfte im südlichen Teil von Südamerika und im Süden Neuseelands erreicht. Damit haben Sie Kugel im Geiste in acht gleich große Teile zerlegt und Wissen in etwa, was sich an den Schnittkanten befindet.

Ganz neue Vorstellung

Mit diesem Wissen im Kopf können Sie sich anhand der geographischen Koordinaten ein Bild davon machen, wo auf dieser Kugel-Erde was zu finden ist. Auf einmal machen vorher scheinbar abstrakte Zahlen einen Sinn.

Also: Herzlich Willkommen im Anders-Denken!

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