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Denk-Zelle: Wie funktionieren Römische Räume?

Irgendwo zwischen einem Mini-Gedächtnispalast und dem Merk-Punkt auf einer Loci-Route ist die Mnemotechnik der Römischen Räume zu finden. Ideal zum Behalten einer guten Handvoll Fakten und benannt nach der ältesten Überlieferung der Anwendung von Merktechniken. Was dahinter steckt und wie es geht, das erklärt dieser Artikel…

Eselsbrücken eignen sich für einzelne Informationen. In manchen Merksprüchen sind vielleicht noch Hinweise auf ein paar Fakten enthalten (PARAT weist auf die Namen der Musketiere hin). Aber mehr ist kaum machbar.

Um größere Mengen von Fakten im Kopf zu behalten, werden diese mit anderen Informationen verknüpft. Bekannteste Technik dafür ist die Loci-Route, bei der Wissen der Reihe nach an Plätzen abgelegt wird. Der Römische Raum ist ein gut ausgenutzter Merk-Ort – diese Technik kann also auch hervorragend in Kombination mit der Routen-Methode benutzt werden.

Der Name stammt von Festen im alten Rom ab, bei denen die Gäste entlang der Wände eines Saals lagen und das Essen genossen haben. Eine ähnliche Feier beschreibt auch die erste Überlieferung der Anwendung von Mnemotechniken.

Bin ich drin?

Um Fakten in einem Raum abzulegen, sollten Sie zunächst einmal klären, welche Dinge sich zum Verbinden mit Wissen grundsätzlich eignen. Dazu gehört eigentlich alles, was in einem Raum auffällig ist.

Denken Sie sich einmal in Ihr Badezimmer. Welche Dinge kommen Ihnen bei dem Gedanken daran in den Sinn? Hier ein paar Beispiele:

  • Waschbecken
  • Handtuchhalter
  • Dusche
  • Spiegelschrank
  • Toilette
  • Fensterbank
  • Handtuch-Regal

Schick eingerichtet!

Vermutlich wird Ihr Bad diese oder ganz ähnliche Dinge enthalten. Wichtig ist, dass Sie von jedem potenziellen Merk-Ding eine lebhafte Vorstellung vor Ihrem inneren Auge sehen. Was Ihnen nicht beim ersten Gedanken spontan einfällt, sollten Sie auch nicht zum Merken benutzten.

Fest verbunden

Im nächsten Schritt werden diese auffälligen Elemente mit den Fakten verbunden, die Sie im Kopf behalten wollen – und zwar so kreativ wie möglich!

Einen Einkaufszettel können Sie zum Beispiel so im Bad ablegen:

  • Beschmieren Sie das komplette Waschbecken mit fettiger, gelber Butter.
  • Auf den Handtuchhalter spießen Sie Orangen und Äpfel.
  • Aus dem Duschkopf sprudelt Wein.
  • Auf dem Spiegel braten Eier.
  • Die Toilette schäumt über, weil jemand Waschmittel hinein gekippt hat.
  • Auf der Fensterbank stehen – ganz romantisch – brennende Kerzen.
  • Und im Handtuch- Regal sind die Handtücher voller Schokoladen-Flecken.

Wenn Sie sich das alles so lebendig wie möglich vorgestellt haben, sollten Sie anschließend im Kopf den Raum betrachten und prüfen, ob Ihnen alle Dinge auf der Liste wieder einfallen. Sie werden staunen, an wie viele Dinge Sie sich mühelos erinnern können.

Links oder rechts herum?

Manche Bücher empfehlen, Römische Räume auch zum Merken in Reihenfolge zu benutzen, indem Sie im Geiste im Uhrzeigersinn durch den Raum wandern. Davon würde ich abraten, weil nicht alle Gegenstände unbedingt sauber aufgereiht sein müssen. Springen Sie vom Sofa zum Wohnzimmertisch oder über den Tisch zum Sofa?

Dieses systematische Abschreiten kann jedoch helfen, sich an alle Dinge zu erinnern. Ihr Blick schweift quasi wie der Lichtkegel eines Leuchtturms durch den Raum. So wird Ihnen kein wichtiger Merk-Ort entgehen.

Auf zum Palast

Diese Technik funktioniert nicht nur mit Räumen, sondern auch mit Plätzen und ganzen Gebäuden. Wenn Sie diese Technik beherrschen, sind Sie schon so gut wie angekommen beim Gedächtnispalast als Königsdisziplin der Mnemotechniken, denn so ein Palast besteht eigentlich nur aus sehr vielen Römischen Räumen (schauen Sie sich dazu den Palast zu Daten des Ersten Weltkriegs an).

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Merkzeugkasten - Mnemotechniken für Anfänger und Fortgeschrittene". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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