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8 Allergieausweise in 8 Minuten auswendig lernen (MedAT)

Die Universitäten in Österreich haben einen einheitlichen Aufnahmetest für Studierende entwickelt (MedAT). Eine Aufgabe besteht darin, sich die Fakten von 8 Allergieausweisen in 8 Minuten einzuprägen und diese 30 Minuten später anhand eines Multiple-Choice-Tests wiederzugeben. Dieser Artikel erklärt, wie eine solche Merkaufgabe fehlerfrei und schnell zu meistern ist.

Auf einem Allergieausweis stehen folgende Informationen: Name (nur Nachname), Geburtstag (Tag und Monat), Medikamenteneinnahme (ja/nein), Blutgruppe (A/B/AB/0), bekannte Allergien, Ausweisnummer (fünfstellig) sowie das Ausstellungsland.

Auswahl der Merktechniken

Für diese Merkaufgabe ist keine komplexe Merktechnik erforderlich. Zwar könnten Sie diese Aufgabe mit Hilfe der Routenmethode lösen, aber da die Daten nicht in der richtigen Reihenfolge wiedergegeben werden müssen, benötigen Sie nicht einmal eine Route dafür. Eine Technik ist jedoch nötig: Grundlage für das Einprägen der Zahlen ist dabei das Majorsystem (weitere Links in der Kategorie “Basistechniken” unten).

Meine Empfehlung: Bauen Sie für jeden Ausweis eine kleine Geschichte oder ein merkwürdiges Bild, das alle Daten enthält. Was sich hier anbietet, ist die so genannte Schneiderpuppe – eine eher selten benutzte Technik, bei der gleiche Informationen immer an der gleichen Stelle in ähnlichen Bildern abgespeichert werden (diese Technik ist eine Art Mini-Gedächtnispalast).

Sie merken die Daten zum Beispiel in Tiergehegen. Das Tier selbst wird mit dem Namen der Person verknüpft, die Allergien mit dem Futter, die Ausweisnummer mit den Zuschauern und so weiter. Das hilft Ihnen vor allem dann, wenn Fakten sich in der Art ähneln (Ausweisnummer und Geburtsdatum) und verhindert so die Gefahr der Verwechslung.

Alles auf die Schneiderpuppe

Für diese Aufgabe werden wir uns statt im Zoo zu merken, Restaurants ausdenken, in denen die Fakten geschickt mit unterschiedlichen Dingen verknüpft werden. Hier die Verknüpfung zwischen Fakten und dem jeweiligen Teil des Merkbilds:

  • Name (nur Nachname) – Form und Eigenschaften des Gebäudes
  • Geburtstag (Tag und Monat) – Eigenschaften der Gäste
  • Medikamenteneinnahme (ja/nein) – Gibt es lebende Tiere im Restaurant?
  • Blutgruppe (A/B/AB/0) – Musik und Unterhaltungsprogramm
  • Bekannte Allergien – Spezialitäten des Hauses
  • Ausweisnummer (fünfstellig) – Alles in der Küche
  • Ausstellungsland – Eigenschaften der Kellner

Mit diesem Schema können Sie beliebig viele Ausweise in Merkbilder verwandeln. Wenn Sie sich später daran erinnern wollen, dann müssen Sie sich nur in das jeweiligen Restaurant denken und die gesuchten Fakten im Bild vor dem inneren Auge sehen.

Klingt kompliziert, aber mit ein wenig Übung wird Ihnen das viel leichter fallen, als die Fakten einfach nur so auswendig zu lernen…

Test der Technik

Wichtigster Teil des Lernens ist es, gut und in Ruhe zu probieren, ob die geplante Technik auch tatsächlich funktioniert. Wenn nicht, dann gehen Sie zurück auf Start und feilen Sie solange, bis Sie ein wirklich geeignetes Verfahren zum Merken ausgetüftelt haben.

Für die Prüfung ist es wichtig, dass die das Schema beherrschen und ein paarmal geübt haben. Vergeuden Sie beim bauen der Bilder nicht zu viel Zeit. Gehen Sie pragmatisch vor – schließlich müssen Sie sich die Fakten nur einprägen und kein Kunstwerk erschaffen.

Lassen Sie uns also folgenden Ausweis in ein phantasievolles Restaurant verwandeln:

  • Name: Müller
  • Geburtstag: 6. Juni
  • Medikamenteneinnahme: ja
  • Blutgruppe: AB
  • Bekannte Allergien: Katzenhaare / Erdnüsse
  • Ausweisnummer: 170161
  • Ausstellungsland: Deutschland

Das Bild für diesen Ausweis könnte so aussehen: Das Restaurant ist eine riesige Windmühle. Hier kocht der Chef – der Müller – noch selbst (eine kleine Ergänzung, um den Namen auch wirklich zuverlässig zu merken). Beim Geburtstag (06.06.) verzichten wir auf die Anwendung des Majorsystems, denn es geht in diesem Fall einfacher: Es sind nur zwei Gäste anwesend, die Sex (lautverwandt mit der Ziffer 6) miteinander haben – und um diese mit der Mühle zu verbinden, stellen wir uns obendrein vor, dass sie mit Mehl bestäubt sind.

Durch die Mühle streunen Katzen (Tiere vorhanden, also nimmt die Person Medikamente ein), die am liebsten in den Korn- und Mehlsäcken spielen. Die Blutgruppe wird über das Majorsystem codiert (A = 1, B = 2, AB = 3, 0 = 0). Also spielt in der Ecke eine Oma an der Orgel das Lied “Das Wandern ist das Müllers Lust”. Und was das Essen betrifft (die Allergien), so gibt es als Tagesgericht “Katzenhaare Müller Art mit frischen Erdnüssen” – was auch sonst, bei den vielen Katzen im Restaurant. Die Erndüssen werden nicht geknackt, sondern gemahlen – auch das lässt sich hervorragend merken.

Die Ausweisnummer platzieren Sie auf der “Theke” zwischen Küche und Gästeraum. Dort liegt ein Hemd aus “Seide” und obendrauf ein Haufen “Schutt”. Theke, Seide, Schutt – das sind die Majorbegriffe für die Ausweisnummer. Und zu guter Letzt tragen alle Kellner in dem Betrieb Lederhosen, um einen guten Hinweis auf das Ausstellungsland des Ausweises zu haben.

Alles drin?!

Das soll ich jetzt alles im Kopf haben? Wenn Sie sich alles so gut und lustig wie möglich vorgestellt haben, dann sollten Sie tatsächlich alle Fakten behalten und später richtig decodieren und wiedergeben können. Sie können nach dem Konstruieren auch ein paar Stunden warten und erst dann probieren, ob alles richtig sitzt.

Hier ein paar Fragen, mit denen Sie testen können, ob Sie sich richtig erinnern:

  • Wie lautet die letzte Stelle der Ausweisnummer?
  • Welche Allergien hat Herr Müller?
  • Wann wurde er geboren?
  • Welche Blutgruppe hat er?

Anstatt sich “nur” zu erinnern, sollten Sie sich Schritt für Schritt zu den jeweiligen Fakten denken: Die Ausweisnummer hat etwas mit der Küche zu tun. Also denken Sie an die Theke zwischen Küche und Restaurant. Darauf liegt ein Hemd aus Seide und ein Berg Schutt. Also ist die letzte Ziffer der Nummer eine 1. Das Tagesgericht waren Katzenhaare (von frischen Katzen) mit gemahlenen Erdnüssen. Das Geburtsdatum liegt mit Mehl bestreut irgendwo zwischen den Tischen: Sex mal zwei, also der 6 Juni. Und die Blutgruppe ist die Oma auf der Bühne (3 = AB).

Merken Sie sich mit dieser Technik zehn bis zwanzig fiktive Ausweise! Dabei geht es darum, die Technik zu beherrschen – nicht um die Menge der Fakten…

Je mehr Sie trainieren, desto leichter wird es Ihnen fallen, weitere Ausweise zu behalten. Während der Prüfung sollten Sie rasch und pragmatisch vorgehen. Vertrauen Sie Ihrem Gedächtnis, denn gut-gedachte Bilder kann sich der Kopf mühelos und fehlerfrei merken!

Klare Sprache hilft beim Lernen – ein abschreckendes Beispiel

Wenn etwas klar und verständlich erklärt wird, entsteht im Kopf ein Bild. Experten neigen ins Gegenteil. Sie drücken sich möglichst kompliziert aus, weil das wichtiger klingt (dem Lernenden aber das Leben schwer macht).
Heute habe ich ein schönes Beispiel dafür gefunden: In den Hinweisen auf einer Wasserflasche stand…
ZUR UNTERSTÜTZUNG DER HARNAUSSCHEIDUNG
Auf den ersten Gedanken hat man da keine Flasche mit Wasser in der Hand, sondern trinkt eher Medizin oder einen Zaubertrank. Aber Moment mal!? Was steht da, wenn wir es in eine Hirn-verträgliche Form übersetzen?
Wer Wasser trinkt, muss auf die Toilette gehen!
Denken Sie mal darüber nach, dass beide Aussagen das gleiche beschreiben, aber so unglaublich verschieden klingen. Und genauso begegnen Schüler, Studenten und andere Lernende jeden Tag in Fachbüchern den wildesten Formulierungen, die eigentlich nur Schafe im Fell des Wolfes sind. Wir könnten es einfacher haben und mit mehr Spaß lernen, wenn sich die Autoren solcher Bücher nur etwas mehr Mühe geben würden. Auch wenn sie dann nicht mehr so beeindruckend Expertisch klingen.

Süß nehmen es die Briten: das Gegenteil von Stress

Obwohl introvertiert, haben auch die Briten einen Begriff für die allgemeine Hektik: STRESSED (gestresst) wird das genannt. Das lustige an dieser Vokabel ist, dass sie sich in ein süßes Gegenteil verkehrt, wenn sie andersrum gelesen wird. Schauen Sie mal genau hin.
Ein weiterer Vorteil: Wer den Nachtisch mit Sahne und Kirsche einmal entdeckt hat, der erinnert sich immer wieder daran, wenn er diesem Wort begegnet. Und es klingt dann nur noch halb so gestresst!

Wie wir lernen und warum lernen gesund ist… (mit Video)

Viele Menschen schonen Ihren Kopf. Dabei schützt ein aktives Gehirn vor Demenz und Alzheimer. Das Risiko von Alterserscheinungen (Verkalken) kann bis zu 50 Prozent reduziert werden – natürlich nicht nur durch das Lösen von Kreuzworträtseln.

Das Gehirn fit zu halten, sollte kein Selbstzweck sein. Es ist sinnvoller, etwas fürs Leben zu lernen, als aus dem Leben eine Gehirnjoggings-Unterhaltungs-Show zu machen. Besser für den Segelschein lernen – und nicht wochenlang Sudokus lösen.

Außerdem wissen viele Menschen gar nicht, wie man am besten für Schule, Uni und Beruf lernt. Lernen ist in den meisten Fällen ein Notprogramm: Hinsetzen und auf den Lehrstoff starren – vielleicht noch einen Spickzettel basteln. Im Kopf bleibt davon wenig hängen. Dabei könnte es so einfach sein…

Das größte Problem der Schule: Lehrer lehren lernen nicht

„Schüler sind Zwangsabnehmer“, schreibt das Zitat aus der Sendung Scheibenwischer die Schule ab. Das Problem ist länger bekannt: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Dieser Satz vom römischen Gelehrten Seneca ist (leider) falsch übersetzt: „Nicht für das Leben lernen wir, sondern für die Schule“ (Non vitae, sed scholae discimus). Vermutlich war Senecas Ausspruch trotzdem so gemeint, wie wir ihn heute verstehen.

Politiker sind durch die PISA-Studie (und vor allem durch kritische Berichte der Medien) aufgeschreckt und fürchten mehr um Wählerstimmen als um die Bildung nachwachsender Generationen. Sie schicken Lehrer hordenweise zu Fortbildungen und führen in panischer Rekordgeschwindigkeit das Zentralabitur ein. Aber Schule ist immer noch Schule. Der bittere Geschmack bleibt, denn statt die Methoden zu betrachten, mit denen Schüler (immer noch nicht) arbeiten, wird schlicht die Menge gemessen, die ihnen zu verdauen vorgesetzt wird.

Mnemotechnik würde Schule müheloser machen

Es ginge anders: Mit Merktechniken würde die Schule leichter und müheloser werden. Das tägliche Lernen ließe sich verkürzen. Oder es würde sich mehr Wissen mit weniger Anstrengung im Kopf anhäufen. Außerdem fehlen beim Lernen mit Merktechniken negative Etiketten, die am stinkigen Pauken kleben. Lernen kann Spaß machen! Dafür muss doch eine Lücke im Stundenplan zu finden sein?  Das ist vergleichbar mit jemanden, der versucht, aus einem Fels mit der Hand eine Figur zu meißeln und gar nicht auf die Idee kommt, sich ein Werkzeug zuzulegen.

Voller (Lehr-)Plan, nichts dahinter

Stattdessen leiden Schüler unter 50 und mehr Arbeitsstunden pro Woche. Lehrer schütten ihre Schützlinge konsequent mit abschreckend langweiligem Lernstoff zu (damit sie keine Zeit haben, auf dumme Gedanken zu kommen). Die letzten Zentimeter von Schulbuchseite zum Gehirn müssen die Schüler alleine schaffen. Sie bleiben häufig ratlos auf dem Hosenboden sitzen, wenn sie Namen von Einzellern, Länder und Hauptstädte auf entfernten Kontinenten und das gefürchtete Latein lernen sollen. Wenn es darum geht, wie gelernt wird, hängt der pädagogische Wissensstand an Methoden fest wie der scheinbar hoch-modernen Lernkartei. Aber die ist eine Erfindung aus den 70er Jahren. Schlimmer noch, denn das Prinzip der alten Schachtel ist Büffeln per Dauerwiederholung – nur geschickt verpackt in einen bunten Karteikasten für teure 14,99 Euro. Moderneren Rat kann der Lehrapparat oft nicht erteilen. Aber wer hört schon auf Lehrer?

Kunterbunter Schaukampf: Mit Technik gegen die Unwissenheit vorgehen

Warum wird das Lernen in der Schule nicht gelehrt? Angeblich sind die Lehrpläne planlos überfüllt. Lehrern fehle die Zeit. Stattdessen wird das Problem mit Geld statt mit Methode gelöst: In Klassenräumen werden Tafeln gegen Videobeamer ausgetauscht, jedem Schüler sein Laptop spendiert und der Schulhof um ein pädagogisch wertvolles Diskussionsforum erweitert. Das sieht gut aus! Mehr nicht!

Vielleicht ist es gerade die Schwäche von Merktechniken, dass sie nicht bunt und leuchtend in den Klassenräumen herumstehen und dass sie keine Unmengen von Geld verschlingen. Was unter Anwendern von Mnemotechnik schon lange bekannt ist, in das hat die Schule noch keinen einzigen Gedanken investiert:

Wenn Sie das Telefonbuch von Hamburg auswendig lernen wollen, werden Sie das mit konventionellem Lernen vermutlich gar nicht schaffen, oder es wird extrem frustrierend sein oder Sie werden verdammt lange dafür brauchen. Mit Hilfe von Mnemotechniken wird so etwas überhaupt denkbar. Und: Je mehr Sie sich merken wollen, desto besser muss die von Ihnen benutzte Technik sein. Der Merkmeister kennt die Grenzen des Gehirns und er arbeitet bei so einer Aufgabe an seiner Technik – ähnliches gilt übrigens auch für Hochleistungssportler. Während die Biologie Grenzen hat, schafft das gezielte Training und die richtige Technik den Raum für neue Rekorde.

Der Lehrer denkt kaum über den ersten Schritt nach und erklärt den Schülern am Anfang nicht einmal, wie er zu lernen hat. Schade!

Wollen Sie sich wirklich alles merken? Werfen Sie mal einen Blick auf den “Memory-Man”…

Brad Williams leidet an einer seltenen Krankheit: Hyperthymesie haben nur drei Menschen auf der Welt – und auf den ersten Blick scheint es keine Krankheit zu sein, unter der Brad, Jill Price und Rick Baron leiden, denn sie können sich an alles erinnern, was sie jemals in ihrem Leben gesehen und gehört haben – und zwar an jede noch so kleine Kleinigkeit!

Es gibt sie also wirklich, die totale Erinnerung: Allerdings ist unser Gehirn nicht gemacht für diese Form des Merkens und Erinnerns. Jill Price ist in psychologischer Behandlung, weil sie jedes schlechte Erlebnis, jeden Verlust eines geliebten Menschen in jedem Moment ihres Lebens, ständig vor Augen hat. Diesen Zustand beschreibt sie in ihrem Buch: Die Frau, die nichts vergessen kann.

Trotzdem ist es faszinierend zu sehen, an welche Dinge sich Brad Williams erinnern kann (deswegen wird er auch als menschliches Google bezeichnet).

Schauen Sie sich das Video „Memory Man“ Brad Williams bei Jimmy Kimmel (Englisch) an:

Leider – oder zum Glück – können wir uns nicht aussuchen, ob wir von Genialität oder auch Hyperthymesie befallen sind!

Sehenswert sind auch die Videos von der Website: www.unforgettabledoc.com (noch einmal Brad in Action).

Kopf-Kapazität: Wie viel kann sich das Gehirn merken?

Machen Sie mit beiden Händen eine Faust und drücken Sie die Handwurzeln und Finger gegeneinander: Die Form aus beiden Händen ist etwa so groß, wie das Ding in Ihrem Schädel.

Wer schon einmal einem echten Gehirn begegnet ist, wird bestätigen, dass die grau-gelbe Masse extrem langweilig und trist aussieht. Wenn nicht und wenn Sie mutig sind:  Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor hat bei der Rede auf der TED Konferenz ein Hirn in der Hand – zum Ansehen im Internet unter folgendem Link: http://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_s_powerful_stroke_of_insight.html (Vortrag in englischer Sprache).

Dieses handliche Ding hat es in sich: Während der Schwangerschaft entstehen im Kopf eines Babys rund eine Viertelmillion Nervenzellen (Neuronen) – und zwar pro Minute! Ein ausgewachsenes Gehirn besteht aus 100.000.000.000 (100 Milliarden) Nervenzellen. Das entspricht der Anzahl von Sternen in unserer Milchstraße. Zusammen geknotet würde eine Gehirnzellen-Kette problemlos bis zum Mond und wieder zurück reichen. Hirnforscher diskutieren, ob die Zahl der Hirnzellen nicht sogar um ein paar Nullen länger ist.

Beziehungsgeschichten

Das Gehirn wird aber erst zum Denk-Spitzensportler durch die guten Beziehungen der Zellen untereinander: Durchschnittlich ist jede Nervenzelle mit eintausend anderen Nervenzellen über so genannte Synapsen verbunden, auf denen – einfach ausgedrückt – unsere Gedanken durch das Hirn transportiert werden. Damit ist jedes Neuron über vier Verbindungen mit jeder anderen Zelle im Kontakt. Insgesamt sind das unvorstellbare 100.000.000.000.000 (100 Billionen) Verbindungen. Zum Vergleich: Studien zufolge sind alle Menschen über sechs andere Menschen miteinander bekannt. Das Hirn kennt sich besser, als wir uns untereinander!

Die Anzahl von Ideen und Gedanken, die dieses Netz konstruieren kann, ist so groß, dass es für die Zahl keinen Namen mehr gibt. Der britische Erfinder des Gedächtnissports Tony Buzan hat errechnet, dass die Anzahl von Wegen durch das Gehirn eine Zahl ist, an deren Anfang eine eins steht und danach 10.500.000 Kilometer (10,5 Millionen Kilometer) Nullen folgen – und zwar in der Schriftgröße des Texts in diesem Buch.

Dieses Denkwerk braucht Kraftstoff: Obwohl das Hirn nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es ein Fünftel des Sauerstoffs und mehr als ein Viertel der Energie, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Das ist viel im Vergleich zu anderen Organen. Technisch gesehen entspricht das dem Verbrauch einer 20-Watt-Glühbirne. Heizlüfter verbrauchen 100 Mal mehr, können sich aber nicht einmal selbst die Schnürsenkel zubinden.

Was ist eigentlich Gedächtnistraining? Für Menschen, die (es) wissen wollen…

Magie ist eine Frage der Perspektive: Während der Zuschauer staunt, vollführt der Zauberer seine Tricks mit Geschick und Technik. Ist Ihnen aufgefallen, dass Magie und Genie irgendwie ähnlich klingen?

Gedächtsnistraining und Mnemotechnik sind Lebensveränderer!

Den Kopf kräftig auf Trab halten, schützt vor dem geistigen Stillstand im Alter. Aber Sudoku, Kreuzworträtsel, Rateshows im Fernsehen und das 1.000-Teile-Alpenpanorama-Puzzle entsprechen weder dem Lebensstil aktiver Menschen im fortgeschrittenen Alter, noch sind sie dafür geeignet, dem Gehirn das abzuverlangen, was es braucht, um alt jung zu sein.

Veränderungen im Gehirn von alternden Menschen wurden von der Forschung lange nicht untersucht, aber seit dem Kopfstand der Alterspyramide beschäftigen sich immer mehr Neurobiologen intensiv mit dem Thema und haben mittlerweile sogar eine eingefressene Vorstellung wissenschaftlich erledigt: dass es mit den Leistungen des Hirns ab einem Alter von 20 Jahren nur noch abwärts geht! Die adulte Neurogenese – das Bilden neuer Nervenzellen im Gehirn auch im höheren Alter – ist die Entdeckung der Hirnforschung der 90er Jahre.

Und was ist daraus geworden? Gehirnjogging im Altersheim frischt sicher die grauen Zellen der grauen Generation auf. Aktives Älterwerden meint aber nicht das Lösen von Kreuzworträtseln im Gemeinschaftsraum der Residenz Marienfrieden. Ein gesunder Kopf sitzt nicht auf einem verrosteten Körper. Ein aktives Gehirn will mehr, als introvertiertes Grübeln nach dem Fluss mit sieben Buchstaben.

Demenz braucht jahrelange Vorbeugung – wenn man es genau nimmt, müssten viele Menschen bereits darauf hingewiesen werden, wenn sie das Hirn nach dem Ende ihrer Ausbildung auf die ruhige Schiene lenken. Wer seinen Kopf nicht ständig in Bewegung hält, riskiert nicht nur Alzheimer im Rentenalter, sondern obendrein ein äußerst langweiliges Leben ohne Veränderung. Die Aktion beginnt im Kopf und nirgendwo anders.

Gedächtnistraining macht wach! Die Motivation, neue Dinge zu lernen und mehr mit dem Kopf zu machen sind die wichtigsten Ziele in meinen Seminaren. Wer begreift, dass auch im hohen Alter noch gelernt werden kann, der lernt im hohen Alter und gerät damit in Bewegung. Während Gehirnjogging wie viele anderen Formen von Rätselraten zur geistigen Routine wird, bieten Gedächtnistraining und Mnemotechniken nicht nur die Motivation, sich (wieder) geistigen Herausforderungen zu stellen, sondern die Teilnehmer meiner Seminare erkennen zudem, dass ihr Kopf mehr kann, als sie es jemals gedacht haben. Ein mit Mnemotechniken ausgestatteter Rentner überflügelt beim Lernen und Merken problemlos den mittzwanziger Jurastudenten. Dabei ist die Denktechnik nicht irgendein Trick, die Lernbüffel hinterlistig hinter sich zu lassen.  Gedächtnistraining zeigt, wie der Kopf richtig benutzt wird, statt “in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle” (Wilhelm Busch).

Wie lernt der Kopf, auf Sturm zu schalten?

Lern-Anleitungen bringen seit ein paar Jahren die Bücherregale zum Platzen. Auf wenigen hundert Seiten steht geschrieben, wie der Kopf zum Schwamm für die gesammelten Werke der Weisheit wird: Nichts mehr vergessen für Anfänger, Einstein in fünf Minuten, Mnemotechniken für Hobbygärtner und alleinstehende Mathematiker. Die darin präsentierten Gedächtnistechniken klingen viel versprechend und die Verfasser der Lektüren sind nicht selten Weltmeister irgendwelcher Gedächtnisweltmeisterschaften, müssen also mit ihrem Wissen zum Merken fähig sein. Doch die Bücher landen oft dort, wo sie herkommen: im Regal, hintere Ecke oben links. In meinen Seminaren begegne ich immer wieder Menschen, die den festen Willen haben, Mnemotechniken zu erlernen und zu benutzen. Und sie besitzen nicht selten mehr als eines der Bücher, aber bekommen nicht viel mehr in ihren Kopf als vorher.

Ich trage keinen Weltmeistertitel im Denken. Meine Merk-Leistungen genügen meinen Ansprüchen (die sind natürlich gigantisch astronomisch), und trotzdem erlebe ich immer wieder, wie Teilnehmer meiner Seminare mich nach ein paar Stunden Training mühelos überflügeln. Macht nichts! Denn ich habe mich darauf spezialisiert, zu erklären, wie Sie sich einfach alles merken können. Meine Trainings sind auf Menschen zugeschnitten, die merken müssen, also meistens im Beruf darauf angewiesen sind, große Mengen von Fakten schnell zu speichern und/oder lange im Kopf zu behalten, und zwar zuverlässig und fehlerfrei.

Vom Jurastudenten, über Chirurgen und Top-Manager bis zu Schauspielern ist der Bedarf nach einem zuverlässigen und leistungsfähigen Gedächtnis groß. Die Motivation ist hoch, denn beruflicher Erfolg und persönlicher Fortschritt hängen gerade in solchen Berufen vom Kopf ab.

Mnemotechniken lassen sich an einem Tag erlernen!

Der Reiz besteht jedoch darin, das Arbeitsprinzip seines Kopfes mit ein paar einfachen Regeln zu ändern und so Aufnahmefähigkeit und Kapazität über das gewohnte Maß hinaus zu steigern. Der neue Umgang mit dem Kopf bringt die Denkanlage in Schwung, aktiviert Bereiche, die bei den meisten Menschen eingerostet sind. Kurz gesagt geht es darum, mehr zu wissen, einfacher zu lernen, Spaß beim Lernen zu haben, nicht genug davon bekommen zu können. Ist Ihnen das schon mal beim Vokabeln-Büffeln passiert?

Dabei sind die Mnemotechniken zunächst nicht die große Veränderung im Denken: Es gibt eine Handvoll davon, und die meisten sind schnell erklärt. Viele haben von den Grundregeln des Mnemorierens schon gehört: Da spaziert man durch die Stadt und legt die Informationen am Denkmal, auf dem Kirchplatz und vor dem Einkaufszentrum ab. Oder: Namen werden in Bilder verwandelt. So wird Herr Hirschau zu einem mächtigen Zehn-Ender, der auf einem Bein hüpft und “Aua!” schreit, weil ihm ein schwerer Fels auf den Huf gefallen ist.

Die Gedächtniskunst besteht nicht darin, Messer und Gabel kunstvoll zu wirbeln, sondern um die Speisen, die auf der Zunge lecker schmecken. Wer interessiert sich für Messer, Gabel und Teller, wenn er ein Drei-Sterne-Menü serviert bekommt? Mnemotechniken sind der Schlüssel zu dem unendlichen, faszinierenden Wissen, das wir in uns tragen wollen, um es benutzen zu können: Fremdsprachen, Gute-Nacht-Geschichten, berufliches Fachwissen, aber auch Musikstücke, Kochen, Zehnfingertippen und Millionen anderer Dinge mehr. Selbst vor dem Hamburger Telefonbuch und dem Jura- oder Medizinstudium brauchen Sie keine Hemmungen mehr zu haben – auch nicht mit 60 Jahren.

Steigen Sie mit viel Schwung in das mentale Paradies der Mnemotechniken ein! Merken ist keine Frage des Wiederholens, der Intelligenz oder des Alters! Lernen mit Mnemotechniken ist wie ein gutes Rätsel: Wer die Lösung kennt, für den ist es mühelos die Informationen abzuspeichern und wiederzugeben, wenn sie gebraucht werden. Sudokus haben keinen praktischen Wert (oder ich habe ihn bisher nicht erkannt). Die Vokabeln für den Satz “Ich möchte gerne etwas landestypisches bei Ihnen essen” dagegen schon.

Es geht darum, den richtigen Schlüssel zu den Fakten zu finden, herum zu experimentieren, neue Wege zu denken. Das macht nicht nur schlau, sondern auch kreativ und hält den Geist konsequent fit und damit jung. Neues zu lernen schützt den Geist vor Altersdemenz, Alzheimer und dem allgemeinen Verkalken vor der Flimmerkiste.

Was oder wieviel Sie merken wollen, spielt keine Rolle. Das “Wie?” ist die entscheidende Frage.

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Ulrich Bien

Das Majorsystem spielerisch erlernen und Zahlen einfacher behalten – TIPP

Das so genannte Majorsystem ist eine der genialsten Merktechniken überhaupt! Dabei werden Ziffern in Buchstaben verwandelt, aus denen anschließend Wörter gebildet werden. So können auch längere Zahlenfolgen einfach in Form von Bildern behalten werden. Beschreibungen, wie das System genau funktioniert, finden Sie hier in diesem Blog.

Immer wieder werde ich gefragt, wie die Teilnehmer in den Gedächtnistrainings diese Technik erlernen. Das von mir entwickelte Würfelspiel “Zahlen merken – Wortschatz stärken” ist eine Möglichkeit, das Majorsystem spielerisch zu lernen – ganz für sich alleine, oder auch gemeinsam in der Familie und zusammen mit Freunden.

Mit diesem Würfelspiel erlernen Sie mit wenig Mühe und viel Spaß das Majorsystem und seine Anwendung, so dass Sie beim Lernen Zahlen und Ziffern leicht in gut merkbare Bilder verwandeln können. Probieren Sie es aus! Sie werden begeistert sein, mit wie wenig Aufwand auch Ihr Gehirn sich selbst längere Zahlen einprägen und für immer behalten kann.

Personen: 1 bis 6 Spieler
Alter: Ab 8 Jahren
Dauer: 10 Minuten (pro Runde) und länger

Hinweis für Eltern: Gerade Mütter und Väter fragen immer wieder, wie Kindern das Majorsystem am besten beigebracht werden kann. Das Majorsystem eignet sich für Kinder, wenn sie sicher mit Schrift und Sprache umgehen können. Bevor ein Kind keinen routinierten Zugriff auf den eigenen Wortschatz hat, sollten Sie mit dieser Merktechnik nicht beginnen. Damit ist das System geeignet für Kinder ab 8 Jahren.

Toller Nebeneffekt: Wie der Titel bereits verrät steigert das Majorsystem nicht nur die Merkfähigkeit von Zahlen, sondern stärkt vor allem Kinder im Umgang mit dem eigenen Wortschatz. Ein ideals Spiel, um zusätzlich Kreativität und Vorstellungskraft junger Menschen zu fördern.

Quelle: tausendschlau Verlag / Amazon