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Richtig zu lernen ist eine Kunst, die keiner kennt! Oder: Lernen ist Notprogramm

„Das Gehirn lernt immer, tut nichts lieber und kann sowieso nichts anderes.“ – Manfred Spitzer (Gehirnforscher).

Nur nehmen wir das nicht bewusst wahr: Wegen der neuen Baustelle einen anderen Weg zur Arbeit fahren. Die Zutaten für das Rezept aus der Kochsendung einkaufen. Im Büro ausprobieren, wie das neue Computerprogramm funktioniert bis es funktioniert. Die zahllosen Selbstverständlichkeiten, die jeden Tag von jedem Kopf abgespeichert werden – wir wissen sie alle nicht zu schätzen.

In der Schule lernt man lernen nicht

Vielleicht schenken wir deswegen dem Lernen, vor allem in der Schule, so wenig Beachtung. Es geht ja – irgendwie! Solange das meiste von selbst im Kopf hängen bleibt, kümmert uns die Fleißarbeit des Gehirns wenig. Genauso gehen wir – in den meisten Fällen – ja erst zum Arzt, wenn der Körper durch Schmerzen einen Defekt meldet.

Das Vergessen wird vergessen. Wir trainieren auch nicht den Reifenwechsel am Auto oder lesen die Sicherheitshinweise im Flugzeug. Ist der Reifen platt, warten wir auf die gelben Engel. Und bei Turbulenzen hoffen wir auf die Fähigkeiten des Piloten. In der Prüfung schielen wir auf kleingedruckte Spickzettel oder beharren im französischen Restaurant auf unserer Muttersprache, bis der Oberkellner aus Verzweiflung das Tagesmenü serviert. Es geht ja!

Hinsetzen und hoffen!

Aber wehe, wenn Vokabeln, Gesetzestexte und mathematische Formeln nicht drin bleiben. Die Reaktion ist immer die gleiche: Bewegungslos an den Schreibtisch geklebt, zwingen wir uns gnadenlos dazu, den Lernstoff über Stunden anzustarren und zu wiederholen, bis sich der Kopf mit Migräne wehrt und die Lust zum Frust geworden ist.

Bevor man lernt, sollte man das Lernen lernen!

Das ist das durchschnittliche Verständnis von Lernen! Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie richtig gemerkt, gelernt und gewusst wird. Es wird ins Schreibtisch-Anstarr-Notprogramm gewechselt, in der Hoffnung, dass durch reichlich Quälerei vielleicht doch irgendwas im Kopf hängen bleibt. Auch Eltern raten das ihren Kindern: Hinsetzen und hoffen! Das ist genau das Gegenteil von richtig gutem Lernen.

Alarmzeichen Vergessen

Noch schlimmer, wenn der Kopf nichts mehr drin behalten will – auch nicht die alltäglichen Dinge, die bisher fraglos und fehlerfrei da waren: Schlüssel verloren? Milch vergessen? Gespräch beim Chef? Ach ja, vor einer Stunde. Wann hat meine Frau Geburtstag? Wie hieß sie mit Vornamen? Bin ich überhaupt verheiratet? Wenn der Kopf nicht so funktioniert, wie wir es wollen, dann…? Dann kaufen wir ein Buch über Gedächtnistraining (oder lesen diesen Artikel).

Pauken und Büffeln sind die üblichen Namen, mit denen Lernen getauft ist. Ein Mini-Stimmungsbarometer ist die Bildsuche bei Google im Internet. Sie präsentiert beim Suchwort „Lernen“ eine düstere Ausstellung: rauchende Köpfe, böse Geister, die Schüler albtraumartig verfolgen, Bücherlawinen und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel, der mit hoch gestrecktem Zeigefinger zu öder Disziplin aufruft. Max und Moritz waren anderer Meinung: „Das ist freilich angenehmer und auch viel bequemer, als in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle.“

Lernen lernen lohnt

Wir lernen viele Dinge, indem wir (nicht) lernen. Nur das Lernen nicht. Was kryptisch und verwirrend klingt, das ist schnell erklärt und gilt bereits seit vielen Jahren als eines der Hauptthemen der Erwachsenenbildung: Emanzipation – wobei hier die Befähigung und Motivation des Menschen zum Lernen gemeint ist. Viele Fortbildungsmaßnahmen (und dazu gehört auch mein Gedächtnistraining) haben das wichtigste Ziel, Menschen zu zeigen, das sie durchaus in der Lage sind, neue Dinge – auch im hohen Alter – zu lernen und damit ihr Leben zu verändern. Und viele Menschen erkennen: Sie haben nie gelernt, Wissen systematisch in ihrem Kopf zu speichern.

Zweites Ziel ist, ihnen echte Werkzeuge zum Lernen mit auf den Weg zu geben, dass sie eben nicht mehr einfach drauf los und einfach so büffeln, pauken und auswendig lernen, bis die Fakten drin sind (aber kein weiß, wie lange sie es bleiben).

Merktechniken unterstützen beides: Sie zeigen auf leicht erlernbare Art und Weise, dass jeder Kopf in der Lage ist, mühelos gigantische Menschen von Informationen aufzunehmen und zuverlässig abzuspeichern. Das macht Spaß, weil es eine konkrete Hilfe ist und weil es auf die Stärken des Kopfes zugeschnitten ist.

 

 

Alles merken! Wie hätten Sie es denn gerne?

Mühelos Lernen will jeder. Aber nur wenige Menschen machen sich Gedanken darüber, wie die übernatürliche Form der Wissensaufnahme stattfinden soll. Stellen Sie sich folgende Frage:

Wie wäre es, wenn Sie sich alles merken könnten?

Denken Sie in Ruhe darüber nach. Bitte keine Mikrochips, die am Hinterkopf unter die Haut geschoben werden und keine übersinnlichen Erleuchtungen, die Ihnen in Sekunden alle Sprachen der Welt einhauchen. Häufig ist die Vorstellung vom genialen Kopf von ein paar bekannten Geschichten geprägt:

  • Der Film „Rain Man“ und Dustin Hoffman in der Rolle von Raymond Babbitt, der in wenigen Stunden ein Telefonbuch auswendig gelernt hat.
  • Der Kopf als Videorekorder: Menschen können sich unter Hypnose an viele Details bestimmter Ereignisse erinnern, aber nicht, wenn der Lateinlehrer nach den Vokabeln von gestern fragt oder im Supermarkt gegrübelt wird, ob im Kühlschrank noch Butter liegt.
  • Das beliebte fotografische Gedächtnis: Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der so etwas kann: Buchseite anschauen und dann später vor dem geistigen Auge ablesen.
  • Schließlich die Genialität von Albert Einstein, Johann Wolfgang von Goethe und Sir Isaac Newton, die wenige Male unter Millionen Geburten zuschlägt, danach aber nicht mehr zu erreichen ist.

Damit stecken wir halshoch in drei wild diskutierten Phänomenen irgendwo zwischen Hirnforschung und Hollywood:

Erstens „Rain Man“: Inselbegabungen (auch Savant-Syndrom) sind außergewöhnliche Leistungen von geistig behinderten Menschen (Autisten). Wenn Sie eine schwere kognitive Einschränkung haben und Ihr Intelligenzquotient weit unter 70 Punkten liegt, dann kann es sein, dass Sie sich das Telefonbuch irgendeiner amerikanischen Kleinstadt an einem Abend bis zum Buchstaben G einprägen und ganz Rom aus dem Kopf zeichnen können (schauen Sie sich dazu Stephen Wiltshire im Internet an, Englisch). Vorbild von „Rain Man“ ist der geistig schwer behinderte Kim Peek, der 12.000 Bücher wortwörtlich im Hirn hat. Peek lernte mit 16 Monaten lesen und hatte im Alter von vier Jahren acht Lexikon-Bände wortwörtlich im Kopf. Mit Hilfe von Merktechniken schaffen Sie innerhalb von ein paar Stunden vielleicht nur den Buchstaben „A“ im Telefonbuch von Norderney, können sich dafür aber selbst die Schnürsenkel zubinden.

Zweitens: Das Hirn funktioniert tatsächlich als Videorekorder. Ray Bradbury schreibt davon in seinem Roman „Fahrenheit 451″: Jedes Buch, das wir in unserem Leben gelesen haben, tragen wir in uns. Allerdings können wir auf viele wichtige und unwichtige Erlebnisse nicht bewusst zugreifen. Es ist leider unmöglich, auf diesem Erinnerungsband beliebig hin und her zu spulen. Kaum auszusprechen ist das hyperthymestische Syndrom, bei dem Menschen sich an alles erinnern, was sie jemals erlebt haben. An jedes hart gekochte Ei zum Frühstück, jeden verpassten Bus und jeden Regentag. Schauen Sie sich Brad Williams an (Englisch). Seien Sie nicht neidisch, dass Sie das nicht auch können. Jill Price hat den gleichen Hirndefekt und schreibt in ihrem Buch „The Woman Who Can’t Forget“ („Die Frau, die nicht vergessen kann“) von den Qualen, die diese Gabe beschert.

Seit sie 14 Jahre alt ist, kann sie sich an alles in ihrem Leben erinnern. Alle schlechten Nachrichten, jeden Schreck und jedes böse Wort trägt sie jeden Augenblick ihres Lebens mit sich herum. Ohne die Hilfe von Psychologen würde sie davon erdrückt werden.

Drittens: Wenn bei der nächsten Party ein Gast von einem Freund erzählt, der jemanden kennt, der ein fotografisches Gedächtnis hat, können Sie gelassen erwidern: Hat er nicht! Denn das Ablichten von Buchseiten mit den Augen gibt es nicht (genauer gesagt gibt es bisher keinen bestätigten Fall, der in einem seriösen Experiment diese Fähigkeit bewiesen hätte). In der neueren amerikanischen Lernpsychologie taucht das fotografische Gedächtnis neuerdings wieder auf. Allerdings in anderer Form: Das Arbeitsgedächtnis ist durchaus in der Lage, Gesehenes als Bild abzuspeichern (machen Sie dazu dieses Experiment auf YouTube).

Echte visuelle Eindrücke bleiben nur Sekundenbruchteile erhalten und müssen dann schleunigst vom Gehirn verarbeitet werden, um nicht vergessen zu sein. Das Gehör kann Wahrgenommenes sogar für mehrere Sekunden behalten. Wenn wir nicht genau hingehört haben, können wir uns einen Moment an das Gesagte zurück erinnern.

Und zuletzt die Hoffnung auf das Genie in uns. Schulversager sind eigentlich hochbegabt. Einstein war zuerst technischer Experte 3. Klasse im Patentamt. Aber er war keine Niete in der Schule, wie allgemein angenommen wird – was angeblich jeder Nobelpreisträger und Self-Made-Milliardär gewesen sein soll (solche Geschichten machen gut in Biographien). Der Intelligenzquotient (IQ) ist in den 90er Jahren austauschbar geworden, um den weniger Schlauen neue Hoffnung zu machen: Emotionale Intelligenz (EQ) als die bessere Art der Weisheit. Heute haben wir die Wahl, auf neun Arten intelligent zu sein (eine Erfindung des Harvard-Professors Howard Gardner). Da ist für jeden etwas dabei! Zur Not bleiben Talentshows im Fernsehen, wo der Rest die Chance hat, schlicht ausgeflippt berühmt zu werden.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie keins dieser Phänomene erwischt haben. Ihr Gehirn merkt, ohne dass Sie es merken: Die Melodie des neuen Hits im Radio können Sie nach 2 Minuten 35 Sekunden fehlerfrei mitsingen. Den Namen Ihres neuen Kollegen Herrn Willi Warzennase? Lernen unnötig! Die PIN für die neue Kreditkarte lautet „6789″ – genauso schnell abgespeichert wie den Witz, den Sie in der Kantine mit halbem Ohr vom Nebentisch gefischt haben.

Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wie es wäre, wenn Sie sich einfach alles merken können? Falls Sie sich nicht entscheiden konnten, hier ein Vorschlag:

Einmal lernen. Nie mehr vergessen.

Klingt zu gut, um tatsächlich zu funktionieren? Sie werden erleben, dass Lernen genau so sein kann. Sie können sich mit dieser Vorstellung anfreunden…

 

Wie funktioniert das Gehirn? Zwischen den Ohren: So tickt der Kopf

„Gehirn: Ein Organ mit dem wir denken, dass wir denken.“
(Ambrose Gwinnett Bierce, amerikanischer Journalist und Schriftsteller)

Das menschliche Gehirn ist ein unscheinbarer und missachteter Zeitgenosse: Während andere Organe wie Mandeln, Magen und Blinddarm gelegentlich durch Schmerzen oder andere Symptome ihre Anwesenheit in unserem Körper kundtun, hat die Evolution unserem wichtigsten Organ keine Möglichkeit gegeben, etwas zu empfinden: Kopfschmerzen quälen nur Hirnhaut, Schädeldecke und Blutgefäße des Schädels. Die Hirnmasse selbst ist frei von solchen Gefühlen wie ein Stück Holz(kopf).

Modebewusste Menschen investieren deutlich höhere Summe in den makellosen Zustand von Frisur und Gesicht als in Erhalt und Weiterentwicklung ihrer Denkanlage. Jeder Finger- und Fußnagel bekommt mehr Aufmerksamkeit als das Gehirn.

Der Kopf ist ein Indianerherz

Dabei ist das bescheidene Hirn nicht nur Indianerherz, sondern auch Kommandant und Schwerstarbeiter. Es koordiniert unseren gesamten Körper und sorgt dafür, dass wir atmen und das Herz schlägt. Es lässt uns stehen und laufen. Das Halten des Gleichgewichts und die damit verbundene ständige Steuerung der Muskulatur ist eine biologische Meisterleistung. Der Kopf regelt alle Bewegungen, ermöglicht die Kommunikation mit anderen Menschen und vieles mehr. Nichts geht ohne Hirn – auch wenn wir uns nicht immer so verhalten.

Neben dem Steuern lebenswichtiger Körperfunktionen, die weitgehend automatisch ablaufen (wir vergessen in der Regel nicht zu atmen), ist der Kopf auch Sortier- und Auswertungszentrum von allem, das von außen auf uns eindringt: Aus Milliarden Eindrücken, die das ganze Leben pausenlos von den Sinnesorganen übermittelt werden, filtert das Gehirn große Teile unserer Persönlichkeit heraus – das ist die These des Neurowissenschaftlers Michael Merzenich (der von seinen Kollegen „Brain Guy“, übersetzt Hirn-Freund genannt wird). Er bezeichnet diese eigentlich nicht zu bewältigende Menge von Wahrnehmungen als „Noise“ (Lärm), der bereits im Mutterbauch auf das Kind eindrückt. Ungefiltert würde davon jedes Wesen in den Wahnsinn getrieben werden. Aber von diesem Lärm bleibt nur das hängen, was wir (beziehungsweise unser Gehirn) für wichtig halten.

Wie unser Kopf in der Lage ist, auf einer Party aus einem Mix von Stimmen genau eine Stimme herauszuhören, so gelangen bestimmte Wahrnehmungen wie ein feiner Rinnsaal aus Informationen in unser Bewusstsein (wie dieser Text) und ein anderer Teil in unser Unterbewusstsein. Ohne dass es Ihnen vermutlich gerade bewusst ist: Ihr Kopf weiß genau, in was für einer Umgebung Sie sich befinden. Über unsere Haut nimmt das Gehirn die Temperatur der Luft und die Stellen am Körper wahr, mit denen Sie einen Stuhl oder einen Sessel berühren. Die Fingerspitzen haben Kontakt mit dem Umschlag des Buchs, unsere Augen beobachten alles, was um die Buchseiten herum passiert. Sogar das Ohr sorgt für Orientierung: Nur über das Hören registriert der Kopf, in was für einem Raum wir uns befinden! Wenn etwas nicht stimmt (zum Beispiel die Temperatur zu niedrig ist), reagiert der Kopf mit Körpersignalen (Gänsehaut und Frieren). Alles um uns herum wird dauernd registriert und analysiert. Wir nehmen es nur nicht bewusst wahr.

(Hirn)Strom des Lebens

So formt das Gehirn ein Leben lang eine ganz eigene Vorstellung und Erinnerung von der Welt, die es umgibt. Das macht einen wesentlichen Teil unserer Persönlichkeit und unseres Wissens aus. Auf beides können wir gezielt zugreifen – bewusst auf Erinnerungen und Fähigkeiten und unbewusst auf die vielen Eigenarten unseres Charakters.

Wir sollten unserem Kopf ein wenig mehr Beachtung schenken, auch wenn sich das Hirn still im Hintergrund hält, macht es uns zu dem, was wir sind und was wir wissen.

 

Kopf-Kapazität: Wie viel kann sich das Gehirn merken?

Machen Sie mit beiden Händen eine Faust und drücken Sie die Handwurzeln und Finger gegeneinander: Die Form aus beiden Händen ist etwa so groß, wie das Ding in Ihrem Schädel.

Wer schon einmal einem echten Gehirn begegnet ist, wird bestätigen, dass die grau-gelbe Masse extrem langweilig und trist aussieht. Wenn nicht und wenn Sie mutig sind:  Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor hat bei der Rede auf der TED Konferenz ein Hirn in der Hand – zum Ansehen im Internet unter folgendem Link: http://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_s_powerful_stroke_of_insight.html (Vortrag in englischer Sprache).

Dieses handliche Ding hat es in sich: Während der Schwangerschaft entstehen im Kopf eines Babys rund eine Viertelmillion Nervenzellen (Neuronen) – und zwar pro Minute! Ein ausgewachsenes Gehirn besteht aus 100.000.000.000 (100 Milliarden) Nervenzellen. Das entspricht der Anzahl von Sternen in unserer Milchstraße. Zusammen geknotet würde eine Gehirnzellen-Kette problemlos bis zum Mond und wieder zurück reichen. Hirnforscher diskutieren, ob die Zahl der Hirnzellen nicht sogar um ein paar Nullen länger ist.

Beziehungsgeschichten

Das Gehirn wird aber erst zum Denk-Spitzensportler durch die guten Beziehungen der Zellen untereinander: Durchschnittlich ist jede Nervenzelle mit eintausend anderen Nervenzellen über so genannte Synapsen verbunden, auf denen – einfach ausgedrückt – unsere Gedanken durch das Hirn transportiert werden. Damit ist jedes Neuron über vier Verbindungen mit jeder anderen Zelle im Kontakt. Insgesamt sind das unvorstellbare 100.000.000.000.000 (100 Billionen) Verbindungen. Zum Vergleich: Studien zufolge sind alle Menschen über sechs andere Menschen miteinander bekannt. Das Hirn kennt sich besser, als wir uns untereinander!

Die Anzahl von Ideen und Gedanken, die dieses Netz konstruieren kann, ist so groß, dass es für die Zahl keinen Namen mehr gibt. Der britische Erfinder des Gedächtnissports Tony Buzan hat errechnet, dass die Anzahl von Wegen durch das Gehirn eine Zahl ist, an deren Anfang eine eins steht und danach 10.500.000 Kilometer (10,5 Millionen Kilometer) Nullen folgen – und zwar in der Schriftgröße des Texts in diesem Buch.

Dieses Denkwerk braucht Kraftstoff: Obwohl das Hirn nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es ein Fünftel des Sauerstoffs und mehr als ein Viertel der Energie, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Das ist viel im Vergleich zu anderen Organen. Technisch gesehen entspricht das dem Verbrauch einer 20-Watt-Glühbirne. Heizlüfter verbrauchen 100 Mal mehr, können sich aber nicht einmal selbst die Schnürsenkel zubinden.

 

Was ist eigentlich Gedächtnistraining? Für Menschen, die (es) wissen wollen…

Magie ist eine Frage der Perspektive: Während der Zuschauer staunt, vollführt der Zauberer seine Tricks mit Geschick und Technik. Ist Ihnen aufgefallen, dass Magie und Genie irgendwie ähnlich klingen?

Gedächtsnistraining und Mnemotechnik sind Lebensveränderer!

Den Kopf kräftig auf Trab halten, schützt vor dem geistigen Stillstand im Alter. Aber Sudoku, Kreuzworträtsel, Rateshows im Fernsehen und das 1.000-Teile-Alpenpanorama-Puzzle entsprechen weder dem Lebensstil aktiver Menschen im fortgeschrittenen Alter, noch sind sie dafür geeignet, dem Gehirn das abzuverlangen, was es braucht, um alt jung zu sein.

Veränderungen im Gehirn von alternden Menschen wurden von der Forschung lange nicht untersucht, aber seit dem Kopfstand der Alterspyramide beschäftigen sich immer mehr Neurobiologen intensiv mit dem Thema und haben mittlerweile sogar eine eingefressene Vorstellung wissenschaftlich erledigt: dass es mit den Leistungen des Hirns ab einem Alter von 20 Jahren nur noch abwärts geht! Die adulte Neurogenese – das Bilden neuer Nervenzellen im Gehirn auch im höheren Alter – ist die Entdeckung der Hirnforschung der 90er Jahre.

Und was ist daraus geworden? Gehirnjogging im Altersheim frischt sicher die grauen Zellen der grauen Generation auf. Aktives Älterwerden meint aber nicht das Lösen von Kreuzworträtseln im Gemeinschaftsraum der Residenz Marienfrieden. Ein gesunder Kopf sitzt nicht auf einem verrosteten Körper. Ein aktives Gehirn will mehr, als introvertiertes Grübeln nach dem Fluss mit sieben Buchstaben.

Demenz braucht jahrelange Vorbeugung – wenn man es genau nimmt, müssten viele Menschen bereits darauf hingewiesen werden, wenn sie das Hirn nach dem Ende ihrer Ausbildung auf die ruhige Schiene lenken. Wer seinen Kopf nicht ständig in Bewegung hält, riskiert nicht nur Alzheimer im Rentenalter, sondern obendrein ein äußerst langweiliges Leben ohne Veränderung. Die Aktion beginnt im Kopf und nirgendwo anders.

Gedächtnistraining macht wach! Die Motivation, neue Dinge zu lernen und mehr mit dem Kopf zu machen sind die wichtigsten Ziele in meinen Seminaren. Wer begreift, dass auch im hohen Alter noch gelernt werden kann, der lernt im hohen Alter und gerät damit in Bewegung. Während Gehirnjogging wie viele anderen Formen von Rätselraten zur geistigen Routine wird, bieten Gedächtnistraining und Mnemotechniken nicht nur die Motivation, sich (wieder) geistigen Herausforderungen zu stellen, sondern die Teilnehmer meiner Seminare erkennen zudem, dass ihr Kopf mehr kann, als sie es jemals gedacht haben. Ein mit Mnemotechniken ausgestatteter Rentner überflügelt beim Lernen und Merken problemlos den mittzwanziger Jurastudenten. Dabei ist die Denktechnik nicht irgendein Trick, die Lernbüffel hinterlistig hinter sich zu lassen.  Gedächtnistraining zeigt, wie der Kopf richtig benutzt wird, statt “in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle” (Wilhelm Busch).

Wie lernt der Kopf, auf Sturm zu schalten?

Lern-Anleitungen bringen seit ein paar Jahren die Bücherregale zum Platzen. Auf wenigen hundert Seiten steht geschrieben, wie der Kopf zum Schwamm für die gesammelten Werke der Weisheit wird: Nichts mehr vergessen für Anfänger, Einstein in fünf Minuten, Mnemotechniken für Hobbygärtner und alleinstehende Mathematiker. Die darin präsentierten Gedächtnistechniken klingen viel versprechend und die Verfasser der Lektüren sind nicht selten Weltmeister irgendwelcher Gedächtnisweltmeisterschaften, müssen also mit ihrem Wissen zum Merken fähig sein. Doch die Bücher landen oft dort, wo sie herkommen: im Regal, hintere Ecke oben links. In meinen Seminaren begegne ich immer wieder Menschen, die den festen Willen haben, Mnemotechniken zu erlernen und zu benutzen. Und sie besitzen nicht selten mehr als eines der Bücher, aber bekommen nicht viel mehr in ihren Kopf als vorher.

Ich trage keinen Weltmeistertitel im Denken. Meine Merk-Leistungen genügen meinen Ansprüchen (die sind natürlich gigantisch astronomisch), und trotzdem erlebe ich immer wieder, wie Teilnehmer meiner Seminare mich nach ein paar Stunden Training mühelos überflügeln. Macht nichts! Denn ich habe mich darauf spezialisiert, zu erklären, wie Sie sich einfach alles merken können. Meine Trainings sind auf Menschen zugeschnitten, die merken müssen, also meistens im Beruf darauf angewiesen sind, große Mengen von Fakten schnell zu speichern und/oder lange im Kopf zu behalten, und zwar zuverlässig und fehlerfrei.

Vom Jurastudenten, über Chirurgen und Top-Manager bis zu Schauspielern ist der Bedarf nach einem zuverlässigen und leistungsfähigen Gedächtnis groß. Die Motivation ist hoch, denn beruflicher Erfolg und persönlicher Fortschritt hängen gerade in solchen Berufen vom Kopf ab.

Mnemotechniken lassen sich an einem Tag erlernen!

Der Reiz besteht jedoch darin, das Arbeitsprinzip seines Kopfes mit ein paar einfachen Regeln zu ändern und so Aufnahmefähigkeit und Kapazität über das gewohnte Maß hinaus zu steigern. Der neue Umgang mit dem Kopf bringt die Denkanlage in Schwung, aktiviert Bereiche, die bei den meisten Menschen eingerostet sind. Kurz gesagt geht es darum, mehr zu wissen, einfacher zu lernen, Spaß beim Lernen zu haben, nicht genug davon bekommen zu können. Ist Ihnen das schon mal beim Vokabeln-Büffeln passiert?

Dabei sind die Mnemotechniken zunächst nicht die große Veränderung im Denken: Es gibt eine Handvoll davon, und die meisten sind schnell erklärt. Viele haben von den Grundregeln des Mnemorierens schon gehört: Da spaziert man durch die Stadt und legt die Informationen am Denkmal, auf dem Kirchplatz und vor dem Einkaufszentrum ab. Oder: Namen werden in Bilder verwandelt. So wird Herr Hirschau zu einem mächtigen Zehn-Ender, der auf einem Bein hüpft und “Aua!” schreit, weil ihm ein schwerer Fels auf den Huf gefallen ist.

Die Gedächtniskunst besteht nicht darin, Messer und Gabel kunstvoll zu wirbeln, sondern um die Speisen, die auf der Zunge lecker schmecken. Wer interessiert sich für Messer, Gabel und Teller, wenn er ein Drei-Sterne-Menü serviert bekommt? Mnemotechniken sind der Schlüssel zu dem unendlichen, faszinierenden Wissen, das wir in uns tragen wollen, um es benutzen zu können: Fremdsprachen, Gute-Nacht-Geschichten, berufliches Fachwissen, aber auch Musikstücke, Kochen, Zehnfingertippen und Millionen anderer Dinge mehr. Selbst vor dem Hamburger Telefonbuch und dem Jura- oder Medizinstudium brauchen Sie keine Hemmungen mehr zu haben – auch nicht mit 60 Jahren.

Steigen Sie mit viel Schwung in das mentale Paradies der Mnemotechniken ein! Merken ist keine Frage des Wiederholens, der Intelligenz oder des Alters! Lernen mit Mnemotechniken ist wie ein gutes Rätsel: Wer die Lösung kennt, für den ist es mühelos die Informationen abzuspeichern und wiederzugeben, wenn sie gebraucht werden. Sudokus haben keinen praktischen Wert (oder ich habe ihn bisher nicht erkannt). Die Vokabeln für den Satz “Ich möchte gerne etwas landestypisches bei Ihnen essen” dagegen schon.

Es geht darum, den richtigen Schlüssel zu den Fakten zu finden, herum zu experimentieren, neue Wege zu denken. Das macht nicht nur schlau, sondern auch kreativ und hält den Geist konsequent fit und damit jung. Neues zu lernen schützt den Geist vor Altersdemenz, Alzheimer und dem allgemeinen Verkalken vor der Flimmerkiste.

Was oder wieviel Sie merken wollen, spielt keine Rolle. Das “Wie?” ist die entscheidende Frage.

 

Wie denk ich denn…? – Gastartikel bei Fort Vinci

Es ist ein kreativer, experimentierfreudiger und vor allem lesenswerter Blog: Fort Vinci ist eine Mischung aus Denken, Inspiration, manchmal ein Selbstversuch („Danke, Krise!„) und vor allem sehr viel über Lernen und Merken. Deswegen freut es mich sehr, dass Blogger Sven mich um einen Gastartikel gebeten hat, in dem ich versuche zu beschreiben, was im Kopf von jemandem vor sich geht, der mit Mnemotechniken routiniert umgeht.

„Ich kann mir keine Zahl merken! Keine Telefonnummer (nicht einmal die meiner Frau), keine Postleitzahl, keine PIN. In welchem Haus wohne ich? Da hat der Einsatz von Merktechniken auch nicht geholfen. Genau genommen ist das Gegenteil passiert: Ich denke Zahlen nicht schlicht als Zahlen – also in abstrakter und extrem Hirn-unfreundlicher Form…“ Lesen Sie weiter unter: Im Kopf eines Gedächtnistrainers: Ulrich Bien packt aus!

Quele: Fort Vinci (lesen und weitersagen)

 

Frisch gestrichen: Gehirn-Glühen im neuen Designer-Kleid

Mein Buch „Gehirn-Glühen – Die besten Tipps & Übungen für ein geniales Gedächtnis“ hat ein neues Cover-Design bekommen. Der deutsch-amerikanische Grafiker Herman Zeichen hat dem Werk ein poppiges Farbenspiel verpasst, nachdem das ursprüngliche Design zahlreiche Leser zu sehr an ein Schulbuch oder universitäre Standardwerke erinnert hat. Dabei hat der Inhalt rein gar nichts mit dem öden Lernen an diesen Anstalten zu tun.

Das Gedächtnistraining in diesem Buch ist in viele kleinere Kapitel aufgeteilt, so dass das Buch nicht von vorne nach hinten durchgearbeitet werden muss, sondern auch – ganz nach persönlichen Lern-Interessen – quer gelesen werden kann.

Und wer nicht lesen will, für den gibt es das komplette Gedächtnistraining auch zum Anschauen auf DVD. Das aber immer noch im (zum Blog passenden) pink.

Quelle: tausendschlau Verlag / amazon.de

 

Gehirn-Glühen – ein komplettes Gedächtnistraining als Film auf DVD

Ein komplettes Gedächtnistraining mit jeder Menge Merktechniken als Film auf DVD. Einfach mehr Fakten im Kopf behalten und nie wieder etwas vergessen!

httpvh://www.youtube.com/watch?v=kN3B-opnZlM

Der Gedächtnistrainer Ulrich Bien erklärt Ihnen in diesem Video, wie Sie mühelos Vokabeln, Namen und Gesichter, Daten, Fakten und Zahlen im Kopf behalten und sich präzise daran erinnern können. Ein komplettes Gedächtnistraining als Film auf DVD mit über 100 Minuten geballter Tipps und Tricks für ein geniales Gedächtnis.

Gehirn-Glühen – Das geniale Gedächtnistraining auf DVD

 

Leserbrief: Gedächtnistraining für Fortgeschrittene

Hallo Herr Bien,

ich habe mich durch einige Bücher gearbeitet und im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht, mir die verschiedenen Techniken anzueignen.

Nun würde ich gerne etwas ‚professioneller‘ weiterarbeiten. Was würden Sie mir empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen,

D. S.

Und hier die Antwort:

Hallo Herr S.,

meine Erfahrung ist, dass intensive Nutzer von Merktechniken im Laufe der Zeit einen eigenen Denkstil entwickeln (und damit automatisch die Techniken weiter vertiefen).

Vor allem ist der Einsatz von Merktechniken jedoch davon abhängig, was und wie viel Sie sich merken müssen / wollen. Mit jeder neuen Herausforderung entwickeln Sie sich weiter. Die meisten Menschen brauchen für alltägliche Probleme zum Beispiel nicht gleich einen Gedächtnispalast anzulegen. Dafür müssen Sie schon eine harte Nuss zum Merken haben – dann greifen aber viele wie von selbst zu dieser Technik.

Sie sollten ohne fremde Hilfe schon ganz gut weiterkommen. Auch die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Anwendern von Merktechniken würde ich empfehlen. Da findet man eine Menge gute Ideen (auch im Internet, zum Beispiel bei Brainboard).

Seminare vermitteln eher Grundlagen – es gibt in Deutschland so gut wie keine Aufbaukurse für erfahrene Denktechniker. Lediglich Top-Manager in den USA und Japan, die absolute Höchstleistungen von sich abverlangen, lassen sich in Einzeltrainings schulen.

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter. Und sollten Sie spezielle Fragen haben: Einfach melden!

Ganz viele Grüße,

Ulrich Bien

Weiterführende Links: Brainboardhttp://www.brainboard.eu