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Anbauen im Gedächtnispalast: Zwei neue Elemente im Periodensystem als „Insel der Instabilität“

Der Gedächtnispalast aus dem Artikel Das komplette Periodensystem der Chemischen Elemente auswendig lernen kann nun um zwei weitere Elemente erweitert werden: Ununquadium und Ununhexium wurden nach einer dreijährigen Prüfung durch ein Komitee von Wissenschaftlern offiziell anerkannt und sind damit fest ins Periodensystem der Chemischen Elemente eingefügt.

Dabei handelt es sich um besonders schwere, künstlich hergestellte Elemente, die nur wenige Millisekunden existieren, bevor sie wieder zerfallen. Die beiden Elemente tragen die Ordnungsnummer 114 und 116 und befinden sich damit auf der so genannten „Insel der Instabilitäten“.

Ununquadium wird auch als EkaBlei bezeichnet. Der Name ist Griechisch und wurde aus der Ordnungsnummer abgeleitet. Diese lässt sich mit Hilfe des Majorbegriffs Theater (T, T, R = 114) merken (wenn Sie diese Technik nicht kennen: einen Artikel über das Majorsystem finden Sie hier).

Ununhexium (von lateinnisch unus „eins“ (2×) und griechisch „hexi“ „sechs“) wird auch als EkaPolonium bezeichnet. Die Ordnungsnummer in das Majorsystem übersetzt ergibt das Autodach (116 = T, D, CH).

Die Namen sind jedoch vorläufig, denn die Entdecker haben die Möglichkeit, eigene Bezeichnungen für die Elemente vorzuschlagen. Die Prüfung durch ein weiteres Komitee dürfte jedoch wieder einige Zeit dauern.

Bis dahin können Sie Ihren Gedächtnispalast in aller Ruhe erwetern. Wenn Sie – wie im Artikel über den Gedächtnispalast beschrieben – das Periodensystem in einer Burg organisiert haben, dann können Sie die beiden Elemente ebenfalls im Rittersaal unterbringen. Passende Bilder dazu werden Ihnen sicherlich einfallen!

Viel Spaß beim Merken!

Quelle: Focus online

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

Weiterführende Links:

 

Der Gedächtnispalast in der Praxis: Das komplette Periodensystem der Chemischen Elemente auswendig lernen

Ein einfacheres Beispiel über einen kleinen
Gedächtnispalast zum Ersten Weltkrieg lesen Sie hier! 

Im zweiten Teil dieser Serie möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie aus abstrakten Informationen (Faktenwissen ist besonders schwer zu lernen und zu merken), einen phantasievollen Gedächtnispalast in Ihrem Kopf machen, der sich nicht nur für mentale Spaziergänge, sondern vor allem zum leichteren Lernen einsetzen lässt. (Den ersten Teil über die Grundlagen der Konstruktion von mentalen Gedächtnispalästen finden Sie im Beitrag Gedächtnispalast: Grundlagen zum Hirn-Hochbau! Erklärung einer Spitzen-Mnemotechnik.)

Bevor wir beginnen, noch ein Hinweis: Für das Merken von Zahlen wird in diesem Beispiel das so genannte Majorsystem benutzt. Eine kleines Anleitungs-Video dazu finden Sie hier. Allerdings müssen Sie diese Merktechnik nicht beherrschen, um das folgende Beispiel zu verstehen.

Das Periodensystem der chemischen Elemente

Das Periodensystem ist aus folgenden Gründen hervorragend mit Hilfe eines Gedächtnispalastes lern- und merkbar:

  • Insgesamt 118 Elemente, die neben dem Namen und der Ordnungsnummer noch zahlreiche weitere Informationen enthalten, die gemerkt werden wollen, zum Beispiel Atomgewicht, Elektronenkonfiguration, Serie, Symbol usw.
  • Das System bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Gruppieren (vor allem die Serien – also Halogene, Edelgase, Metalle usw. – aber auch Perioden und Gruppen).
  • Das Erinnern kann höchst unterschiedlich sein (Sie wollen wissen, welche Serie welche Elemente enthält oder Sie wollen einzelne Informationen über ein Element abrufen etc.).

In diesem Beispiel wollen wir uns nur die Namen, die Ordnungszahl und die Serien konzentrieren. Üblicherweise beginnen Sie Ihren Palast mit einem groben Rohbau, in den Sie später immer mehr Details einfügen, bis Sie endlich Ihren Prachtbau errichtet haben (beachten Sie das bitte bei den Vorbereitungen). Mit drei Informationen zu beginnen ergibt in diesem Fall schon eine Menge Fakten, die aber in überschaubarer Zeit gelernt werden können. Weitere Informationen fügen Sie danach ein, wobei Sie durch jeden erneuten Durchgang durch Ihren Palast Ihr Wissen gleichzeitig weiter absichern werden.

Hier ist eine Abbildung des Periodensystems auf Wikipedia!

Wenn Sie sich ein Periodensystem anschauen, fällt sofort die farbliche Trennung der Serien auf, die jeweils zwischen sechs (Alkalimetalle, Erdalkalimetalle und Edelgase) und 40 Elemente (Übergangsmetalle) enthalten. Wie Ihnen sofort auffallen wird, sind 40 Elemente in einem Raum eine ganze Menge. Wir werden das später weiter entschärfen, dass sich am Schluss in jedem Raum rund zehn Elemente befinden werden (mit ein wenig Übung können Sie aber auch 20 und mehr Fakten in einen Raum einbauen).

Insgesamt müssen Sie sich acht Serien (und drei Elemente, die aus dem Rahmen fallen, wovon wir zwei in einen Extra-Raum packen werden und ein Element oben auf eine andere Serie „kleben“ werden, nämlich den Einzelgänger „Wasserstoff“).

Hier sind die acht Serien:

  • Alkalimetalle
  • Erdalkalimetalle
  • Übergangsmetalle
  • Lanthanoide
  • Actinoide
  • Metalle
  • Nichtmetalle
  • Edelgase

Interessanter ist jedoch die grafische Anordnung (hier ist die Tafel abgebildet): Mit ein wenig Phantasie ähnelt das Periodensystem einer Burg! Und das ist genau die Struktur, in die wir die Elemente jetzt „einbauen“ werden.

Meine Burg ist mein Gedächtnis

Aus der ersten Serie (Alkalimetalle) ganz links werden wir einen „Raum“ machen, den wir als „Landschaft vor der Burg“ bezeichnen. Die Erdalkalimetalle werden der erste gemauerte Teil der Burg, nämlich das Torhaus. Schwieriger ist der große Block der 40 Übergangsmetalle. Dieser niedrigere Teil der Burg sieht zwar aus, wie die Burgmauer, allerdings sind 40 Elemente deutlich zu viel, um diese in einem Wall aus Steinen zu merken. Deswegen legen wir den Teil mit den  Übergangsmetallen einfach flach und machen daraus vier Gruppen (vier Reihen zu jeweils zehn Elementen):

  1. Reihe: die Burgmauer
  2. Reihe: wie im Mittelalter üblich die Ställe, Lagerräume, Schreinerei und Schmiede
  3. Reihe: der Mittelplatz der Burg inklusive Brunnen
  4. Reihe: der Schmuckgarten inklusive Zofen und Burgfräuleins

Lanthanoide und Actinoide liegen unterhalb des Mittelteils und werden zu unterirdischen Gewölben. Die erste Ebene machen wir zur Waffenkammer. Die Ebene darunter wird das Verließ und die Folterkammer (Sie haben sicher schon ein paar gute Ideen, wie Sie die Elemente quälen und Ihren Kopf beim Lernen erleichtern können).

Nun zum rechten Teil der Burg (den Hauptgebäuden): Die Metalle im Unteren Teil werden zum Ritter- oder Festsaal, der obere Teil weiter rechts zum Thronsaal und den Königsgemächern. Die Edelgase ganz rechts überragen alle anderen Serien und werden so zum höchsten Teil: dem Burgfried. Den Elementen 117 und 118 können Sie noch einen zusätzlichen Raum spendieren, wenn Sie wollen, und diese zur Geheimkammer oder Schatzkammer machen.

Den groben Plan im Kopf: Gebaute Räume absichern

Der nächste Schritt besteht darin, diese Anordnung bereits mit Merkbildern abzusichern. Bisher haben wir keine Verbindung zwischen Namen der Serien und den Teilen der Burg erzeugt. Wie lassen sich also die Teile und die Namen der Serien miteinander verbinden? Suchen Sie einfach nach passenden Eselsbrücken. Hier ein paar Vorschläge:

  • Vor der Burg / Alkalimetalle: Außerhalb der Burg ist die Landschaft „kahl“ und alles, was draußen ist, wird als „All“ (Weltraum) bezeichnet. Also sind die All-kahl(i-Metalle) der Teil vor der Burg, ganz links im Periodensystem.
  • Torhaus / Erdalkalimetalle: Ist auch nicht weiter schwer zu merken, denn das Torhaus wird durch einen Erdwall zusätzlich vor Angreifern geschützt.
  • Mittelteil (unter anderem die Burgmauer) / Übergangsmetalle: Das ist die Verbindung (oder der Übergang) zwischen Torhaus und den zentralen Gebäuden der Burg (auf der rechten Seite). So ist das auch leicht zu merken.
  • Rittersaal / Metalle: Was liegt näher, als sich die eisernen Rüstungen der Ritter vorzustellen? In diesem Teil der Burg  gibt es so jede Menge Metall, an das man sich leicht erinnern kann.
  • Königsgemächer / Nichtmetalle: Die Wände in diesem Teil der Burg waren damals mit Teppichen verziert (die nicht aus dem Metall sind). Diese Vorstellung dürfte zum Merken dieser Kombination genügen.
  • Burgfried / Edelgase: In diesen Teil der Burg fliegen die Adeligen, wenn es bei einer Belagerung brenzlig wird. Die „Edlen“ sind flüchtig wie „Gas“ – damit sollten Sie sich auch richtig an diese Kombination von Serie und Raum erinnern.

Damit haben Sie bereits den Plan der Burg im Kopf. Probieren Sie aus, wie einfach Sie sich nun an die Namen der Serien erinnern können – ohne das übliche Lernen!

Elemente als Schmuck und Zierde – Details einfügen

Nun müssen Sie die Elemente in den Räumen verteilen. Freuen Sie sich nicht zu früh, denn das ist der Hauptteil der Arbeit. Wenn Sie bisher keine Erfahrungen mit Merktechniken gemacht haben, dann können Sie sich trotzdem freuen, denn diese Art zu lernen, hat nichts damit zu tun, wie Sie bisher gelernt haben.

Da die Ordnungsnummern die Serien nicht fortlaufend nummerieren, können Sie die Elemente beliebig in den Räumen verteilen. Wenn Sie später die Elemente auch in der Reihenfolge der Ordnungsnummern erinnern wollen, empfehle ich Ihnen, zum Verbildern feste Majorbegriffe zu benutzen (schauen Sie sich dazu die Tabelle hier und hier (als  PDF) an). Sollten Sie das Majorsystem nicht kennen, können Sie trotzdem weiterlesen (bitte ignorieren Sie dann die Hinweise bzw. Merkbilder für die Ordnungsnummern).

Ich möchte Ihnen für die ersten beiden Serien (Alkalimetalle und Erdalkalimetalle) zwei unterschiedliche Verfahren vorstellen, wie Sie die Elemente in die Räume einbauen können:

  1. Alkalimetalle (6 Elemente und den Wasserstoff nehmen wir auch noch dazu): Diese Serie werden mit Hilfe einer Geschichte innerhalb der Szene „vor der Burg“ merken.
  2. Erdalkalimetalle: Diese sechs Elemente bauen wir in das „Torhaus“ mit Hilfe der Loci-Methode (jedoch nicht als Reihenfolge sondern in Form eines so genannten Römischen Raums).

Vor der Burg: Die Geschichte der Alkalimetalle

Diesen Teil der Elemente packen wir in eine handliche Geschichte. Erinnern Sie sich? Diese Szene spielt vor der prächtigen Burg, die Sie nun errichten werden. Vor der Burg ist es allerdings so kahl wie im All, deswegen lagern hier die Alkalimetalle (bitte beachten Sie unterschiedliche Schreibweise mit einem L und ohne H).

Welche Elemente wollen wir uns merken:

  • Wasserstoff (1) – nicht Teil dieser Gruppe, aber wir fügen es als Bild über die Gruppe der Alkalimetalle ein.
  • Lithium (3)
  • Natrium (11)
  • Kalium (19)
  • Rubinium (37)
  • Caesium (55)
  • Francium (87)

Bevor wir mit der Geschichte beginnen, schauen Sie im Geiste einmal nach oben und sehen Sie über der Szene, die wir gleich aufbauen werden eine fliegende „Tee“-Tasse, denn Wasser ist der Stoff, aus dem Tee gemacht wird (und damit fliegen auch fliegende Teetassen). Damit haben Sie das Element „Wasserstoff“ mit der Ordnungsnummer 1 („Tee“ als Majorbegriff für 1) zuverlässig über dieser Serie gemerkt.

Und was geht am Boden vor sich?

Der große „Caesar“ (Cäsium) überlegt, ob er die Burg erobern soll. Dabei lutscht er nachdenklich an einem „Lolli“ (Ordnungszahl 55) und singt ein „Lied“ (Lithium) von seiner „Oma“ (3), um die „Franken“ (Francium) in der „Wiege“ (87) in den Schlaf zu singen. Dabei zerquetscht er eine „Natter“ (Natrium) unter der Wiege, bis sie tot (11) ist. „Karl“ (Kalium) – der König der Burg – zückt seine „Tube“ (19) und bietet Caesar einen „Rubin“ (Rubinium) in der Größe einer „Mücke“ (37), damit er die Burg nicht einnimmt (und endlich aufhört zu singen).

Wie entsteht so eine Geschichte? Es ist nicht so, dass so eine Geschichte spontan sofort im Kopf ist. Ich experimentiere zuerst ein wenig mit den Elementen, übersetzte die Ordnungszahlen in die Majorbegriffe und suche nach einer geeigneten Reihenfolge (eine Reihe von Ereignissen, die in eine Geschichte passen). Je öfter Sie solche Informationen verbildern, desto leichter wird es Ihnen fallen. In der Regel macht dieses „konstruieren“ von Informationen mehr Spaß als das übliche Lernen (und  geht auch schneller).

Kann man sich eine Geschichte besser merken als die nackten Fakten? Ja, auch wenn viele Leute zuerst skeptisch sind. Unser Gehirn liebt Geschichten (wir hören und sehen diese unser Leben lang). Und die blumigen, mit den Details verzierten Fakten sind für den Kopf viel leichter zu behalten. Eins müssen Sie jedoch beachten: Stellen Sie sich die Geschichte so lebendig wie möglich vor. Es nützt nichts, die Zeilen einfach nur herunter zu lesen. Am allerbesten: Machen Sie Ihre eigene Geschichte, die bleibt noch länger im Kopf.

Das Torhaus: Was merkt man sich hinter dem Erdwall?

In diesem „Raum“ wollen wir uns nun die Erdalkalimetalle merken – erinnern Sie sich an den Erwall und damit an den Namen der Serie und das Torhaus? Wenn ja, dann lesen Sie jetzt einfach weiter. Folgende Elemente und Ihre Ordnungsnummern wollen gemerkt werden:

  • Beryllium (Ordnungsnummer 4)
  • Magnesium (12)
  • Kalzium (20)
  • Strontium (38)
  • Barium (56)
  • Radium (88)

Um diese mit der Merktechnik der Römischen Räume zu merken, müssen Sie zunächst markante und auffällige Dinge definieren, die üblicherweise in einem Torhaus zu finden sind. Hier ein paar Vorschläge:

  • Zugbrücke
  • Pferdewagen, der über die Brücke rumpelt
  • Wassergraben
  • Tor und Fallgitter
  • Wachen
  • Wachturm (über dem Tor)

Auch hier gilt: Falls Ihnen Dinge eher in den Sinn kommen, als die von mir genannten Punkte, dann sofort austauschen. Das ist Ihre Burg und Sie müssen sich später an die Punkte erinnern. Und in diesem Fall sollten Sie tatsächlich Punkte nehmen, die Ihnen zuerst beim Gedanken an ein mittelalterliches Torhaus in den Sinn kommen – nehmen Sie keine Rücksicht auf die Elemente, sonst finden Sie vielleicht einen Punkt, der gut zu einem Element passt, aber vielleicht fällt der Ihnen später nicht mehr ein, weil er nicht auffällig genug war.

Und jetzt gehen Sie Punkte kurz im Kopf durch und prüfen Sie, ob Sie sich alle gut merken können, und dann verbinden Sie diese mit den Elementen (wählen Sie für jeden Punkt ein Element, das aus Ihrer Sicht gut passt). Hier meine Vorschläge:

  • Vom Wachturm aus hat man eine tolle Sicht auf ein „raues“ (Majorsystem 4) „Bergidyll“ (Beryllium).
  • Das Tor ist „magnetisch“ (Magnesium) und zusätzlich ist der Durchgang mit einer Tonne (12) versperrt.
  • Auf die Zugbrücke wird eine „Kelle voll Salz“ (Kalzium) gestreut, damit niemand auf die „Nase“ (20) fällt.
  • Der Wassergraben ist ein reißender „Strom“ (Strontium), der nach „Muff“ (38) riecht.
  • Der Wagen hat „Barren“ (Barium) geladen und der Kutscher hat eine freche „Lache“ (56).
  • Die Wachen hören „Radio“ (Radium) und stampfen mit ihren „Waffen“ (88) im Takt der Musik.

Hier gilt das gleiche wie oben: Richtig lebendig vorstellen, dann braucht man die einzelnen Bilder gar nicht zu lernen. Sie fallen einem einfach wieder ein, wenn man durch die Merkpunkte geht, die man sich für das Torhaus ausgedacht hat.

Damit sind Sie erfolgreich im „Anders-Denken“ angekommen. Und weil die Burg Ihr ganz persönlicher Merkpalast werden soll, machen Sie mit den anderen Serien einfach alleine weiter. Sie werden sehen, wie einfach es ist, die 118 Elemente zu merken.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und vor allem viel Spaß dabei!

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

Weiterführende Informationen

Hier noch ein paar Links zu weiterführenden Informationen rund um die Konstruktion von Gedächtnispalästen:

 

Gedächtnispalast: Grundlagen zum Hirn-Hochbau! Erklärung einer Spitzen-Mnemotechnik

Ein einfacheres Beispiel über einen kleinen
Gedächtnispalast zum Ersten Weltkrieg lesen Sie hier! 

Die bekannteste Beschreibung eines Gedächtnispalastes stammt nicht von einem griechischen Philosophen (also den Erfindern der Mnemotechniken), sondern von dem amerikanischen Autor Thomas Harris, der seine legendäre Romanfigur Hannibal Lecter in einen Gedächtnispalast abtauchen lässt, um die Adresse von Agent Clarice Starling in seinem inneren Archiv zu finden. Um an die Postanschrift heran zu kommen – anstatt sich wie normale Menschen einfach zu erinnern – marschiert Lecter langsam und ausführlich durch seinen ausgedachten Palast. Die mehrseitige, pompöse Beschreibung von einem riesigen Gebäude mit Seitenflügeln und zahllosen Räumen scheint übertrieben, und trotzdem bleibt beim Leser ein gewisser Reiz dessen hängen, was Harris in seinem Roman beschreibt.

Kann man sich so tatsächlich alles merken? Ja, man kann! Und der erste bekannte Fall von geistigem Hauseigentum geht auf den  Jesuitenpriester Matteo Ricci zurück, der im 16. Jahrhundert den Gedächtnispalast bereits durch sein fundamentales Wissen über die antiken Mnemotechniker errichten konnte (Riccis Vorgehen beruhte vor allem auf den Ideen von Simonides von Keos, der sich Reden merken konnte, indem er die aufeinander folgenden Elemente im Geiste entlang einer Straße ablegte).

Golden Gate im Quadrat

Um so richtig zu untertreiben: Ein Gedächtnispalast ist eigentlich nichts anderes als eine enorme Eselsbrücke, in die massenhaft viele, unterschiedliche Fakten eingebaut werden. Außerdem ist so ein Mentalbau kein einheitliches Gesamtkunstwerk, sondern – wie im richtigen Leben auch – folgen Plan und Umsetzung den Informationen, die darin eingebaut werden (die Form folgt der Funktion).

Ein Gedächtnispalast ist Wissen, dass in vorstellbare Dinge umgewandelt und in einer fiktiven Struktur organisiert ist.

So organisierte Informationen lassen sich leichter merken und einfacher wieder abrufen, als herkömmlich gemerkte Informationen (denn in den meisten Fällen wissen wir gar nicht, wie und warum wir etwas im Kopf behalten).

Ein anderer Grund, sich für den geistigen Hausbau zu entscheiden: Diese Art, Informationen im Kopf zu speichern, ist völlig untypisch für die Arbeitsweise des Gehirns. Während unser Kopf Wissen eigentlich unmerklich und unbewusst organisiert, wird man durch das Benutzen eines Gedächtnispalasts zum Herrn über die eigenen Gehirnwindungen. Sie bestimmen, wie Informationen in ihren Kopf eingebaut werden. Sie haben quasi die Kontrolle – und damit gleichzeitig mehr Erfolg beim Lernen.

Aus der Perspektive der Mnemotechniken ist ein Gedächtnispalast keine eigenständige Technik, sondern lediglich eine Weiterentwicklung der Loci- oder Routenmethode, bei denen Informationen an Orten abgelegt werden, zu denen man später im Geiste zurückkehrt, um sich zu erinnern. Nur eben nicht in einer definierten Reihenfolge wie bei einer Route, sondern in einer offenen Konstruktion aus Räumen und Plätzen, wobei auf jedem Merkpunkt bzw. in jedem Raum oder in jeder Szene eine Vielzahl von Informationen abgelegt ist, statt wie bei einer Route jeweils nur eine oder wenige Fakten pro „Ort“.

Viele Gedächtnismeister (wie zum Beispiel Dominic O’Brien und Ulrich Voigt) nutzen ähnliche, abgewandelte Verfahren. Dabei ist anzumerken, dass die meisten in Büchern beschriebenen Techniken für Wettbewerbe in Gedächtnismeisterschaften  gemacht und damit meistens auf das Abspeichern von abstrakten Informationen in einer definierten Reihenfolge ausgerichtet sind. Und wenn Sie mit dieser Technik einige Zeit gearbeitet haben, werden auch Sie Ihre individuelle Bau-Strategie entwickeln.

Mit (Bau)Stil – alles nur eine Frage der Technik

Zum Bau eines Merkpalasts werden ein paar einfache, grundlegende Merktechniken eingesetzt, um Fakten in gehirn-gerechte Raumdekorationen zu verwandeln und in verschiedene Abschnitte des Palasts zu integrieren – das sind quasi Ziegel und Mörtel, die später zu einem komplexen Gebäude zusammengesetzt werden:

  • Verbildern: Die Mutter aller Merktechniken. Dabei werden abstrakte Fakten in anschauliche Fakten verwandelt. Wann war die Französische Revolution? Die leicht vorstellbare Antwort: Als ein Aristokrat sieben, acht oder sogar neun revolutionierenden Bauern gegenüberstand (1789). Und nun platzieren Sie die Gruppe einfach in einem französischen Straßencafe – schon haben Sie einen Mini-Palast aufgebaut (eine Szene oder Mini-Geschichte an einem definierten Merk-Ort).
  • Verorten: Wie oben bereits gezeigt, legen oder stellen wir die Fakten an einem Platz ab (der bei einem Gedächtnispalast nicht wirklich existieren muss). Durch Verbinden von verbilderten Informationen und einem geeigneten Platz dafür entsteht ein „Ort der Erinnerung“. Dabei wird eine Stärke unseres Gehirns genutzt, nämlich dass wir uns sehr gut räumlich orientieren können (weil unsere gesamte Welt in einem riesigen, dreidimensionalen Raum geordnet ist – in dem wir genau wissen, wo die Socken und wo die Schuhe liegen).

Prinzipiell kann auch jede andere Merktechnik innerhalb eines Gedächtnispalastes benutzt werden: Zum Beispiel die Geschichtenmethode (für eine Gruppe von Fakten) oder auch Loci-Routen (zum Merken einer Reihenfolge). Eine Kombination zahlreicher Technik sorgt auch hier wieder für Abwechslung und erleichtert damit das Lernen und Merken.

Aber vor allem nutzt diese komplexe Merktechnik zwei Eigenarten des Gehirns auf hervorragende Art und Weise: Kreativitätund Phantasie. Es macht dem Hirn – entgegen der Vorstellung vieler Menschen – nichts aus, mehr zu merken, als nötig! Denn das Gehirn kann mit vielen Verzierungen und Details mehr anfangen, als mit knochenharten Fakten. Probieren Sie, was Sie leichter im Kopf behalten können: Eine zehnstellige Zahl oder eine Geschichte, die mehrere Seiten lang ist…

Warum im Geiste Steine schichten?

Mit Technik ist aber noch lange kein Palast fix und fertig aufgebaut. Wissen in einem ausgedachten Gebäude zu organisieren und abzulegen, das ist für viele Menschen vor allem eine völlig neue Art zu denken, weil Informationen nicht einfach „nur so“ im Kopf hängen bleiben, sondern sorgfältig geplant in eine Struktur eingefügt sind (über deren Form Sie entscheiden).

Neben den oben bereits erwähnten Vorteilen bietet sich ein Gedächtnispalast auch hervorragend zur Entspannung an (Dr. Lecter macht in dem oben erwähnten Buch seinen geistigen Spaziergang während eines langweiligen Flugs). Sie sind damit in der Lage, in Ihre imaginäre Bibliothek einzutreten und darin zu verweilen. Wenn Sie an der Kasse im Supermarkt warten oder im Bus sitzen, können Sie Ihr Wissen im Geiste betrachten und hindurch spazieren, wie durch eine Kunstausstellung, ein Museum, eine Bibliothek. Ein Spaziergang durch diese prachtvollen Szenen, in denen man auf sein eigenes Wissen schaut, hebt obendrein die Laune im Vergleich zum Absitzen einer langweiligen Fahrt in einer schäbigen U-Bahn.

Ohne Plan kein Palast

Ein guter Palast braucht sorgfältige Vorbereitung – anders als das gewohnte Drauf-Los-Lernen. Dieses Vorgehen ist für viele Menschen allerdings ungewohnt. Gerade beim Gedächtnispalst gilt: Erst denken, dann lernen. Wenn Sie diese Merktechnik aktiv einsetzen, wird Ihnen bald auffallen, dass Sie mehr planen, gestalten und Informationen in interessante Bilder verwandeln werden, als im klassischen Sinne zu lernen!

Wie wird ein Gedächtnispalast konstruiert? Zunächst einmal brauchen Sie Informationen, die Sie in eine ausgedachte Szene einbauen wollen. Wie am Beispiel der Französischen Revolution oben gezeigt, müssen Sie nicht mit dem Telefonbuch von Hamburg beginnen, um ein paar Konstruktionen in Ihren Kopf zu stellen. Es ist jedoch schwer, einen pauschalen Rat zu geben, in welche Bauart Sie die Fakten fließen lassen sollten. Grundsätzlich gilt: Analysieren Sie zunächst sorgfältig die Struktur des Lernstoffes. Telefonnummern und Adressen brauchen andere Räume als Kochrezepte oder der Inhalt eines Fachbuchs. Folgende Fragen sollten Sie stellen, während Sie Ihre ersten Pläne machen:

  • Wie viel Informationen muss ich mir merken? Vor allem: Ist die Menge begrenzt (Länder der Erde) oder kommen später weitere Informationen hinzu (Adressen)?
  • Wie ist der Stoff strukturiert? Reihenfolgen, Raster und Wiederholungen wie bei technischen Daten usw.
  • In welcher Art und Weise sollen die Fakten wieder abgerufen (erinnert) werden? Besonders wichtig zum Beispiel bei Vokabeln; weniger wichtig bei Telefonnummern.

Am besten geeignet für einen Gedächtnispalast sind Fakten, die vielschichtig sind und sich zu Gruppen zusammenfassen lassen. Im nächsten Artikel werde ich Ihnen zeigen, wie Sie das Periodensystem der chemischen Elemente in einen Palast verwandeln.

Wenn Sie einzelne Merkpakete definiert haben (es können auch Über- und Untergruppen sein, die entweder zu neuen Räumen gedacht oder zu Einrichtungsgegenständen werden), dann legen Sie fest, welche Form die einzelne Information bekommen soll. Um beim Beispiel der Elemente zu bleiben: Sie können die Serien (Edelmetalle, Alkalimetalle etc.) zum Beispiel in „Häusern“ organisieren, oder auch in „Räumen“ eines einzigen Hauses. Die einzelnen Elemente werden kann als Räume oder eine Ebene tiefer als Einrichtungsgegenstände verbildert (im folgenden Artikel ist das gesamte Periodensystem eine Burg und die Serien die einzelnen Teile davon, wie zum Bespiel Torhaus, Burghof und Kerker).

Sie haben die Qual der Wahl, wie die Struktur des Wissens in Ihrem Kopf aussehen soll, aber es bietet sich auf jeden Fall an, zuerst ein wenig herumzuexperimentieren, welche Skalierung geeignet ist (vielleicht fällt es Ihnen zu schwer, ein Element mit all seinen Daten zu einem Möbelstück zu machen und Sie tun sich leichter, wenn Sie pro Element einen Raum anlegen).

Allerdings sollten Sie es mit dem Strukturieren auch nicht übertreiben. Denken Sie immer daran: Es muss nicht ein einzelner,  perfekter Palast sein, in dem Sie Ihr Wissen ablegen. Es muss nicht alles Phantasie sein, was Sie zusammen bauen. Packen Sie die Französische Revolution in das Straßencafé (das komplette Merkbild finden Sie hier und weitere Daten hier), die Industrialisierung in eine Zugfahrt von Fürth nach Nürnberg (ein Beispiel dafür finden Sie hier) und die chemischen Elemente in eine ausgedachte, mittelalterliche Burg (hier geht’s zum Praxisbeispiel) oder in eine Raumstation, einen botanischen Garten oder was auch immer Sie denken wollen.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Spaß beim Merken!

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

Weiterführende Informationen

Hier noch ein paar Links zu weiterführenden Informationen rund um die Konstruktion von Gedächtnispalästen. Auch in meinem Buch „Einfach. Alles. Merken.“ finden Sie ein Kapitel über dieses Thema.

 

Gastbeitrag: Das Periodensystem der Chemischen Elemente mit Routen und Gedächtnispalast merken

Die ausführliche Beschreibung von Pierre haben wir auf Piratesparty gefunden. Eine seltene und tolle Gelegenheit, einmal ganz tief in den Kopf eines Memotechnikers zu schauen. Eine Erfahrung, die selten so detailliert erklärt und geteilt wird! Viel Spaß beim Lesen!

Einstieg

Initiiert durch den grandiosen Vorschlag eines Professors einer Universität in Berlin nahm ich mir vor das Periodensystem mit seinen 111 Elementen auswendig zu lernen.

Meine erste Idee war, die Routentechnik dafür zu verwenden. Diese Technik wird erfolgreich von allen möglichen Gedächtniskünstlern weltweit angewandt, um erstaunliche Gedächtnisleistungen zu erzielen und sie war mir bekannt, weil ich selbst schon in einigen Klausuren damit gearbeitet hatte und auch sonst darüber informiert war. Bei der Methode wird der zu erlernende Content mit gut einprägsamen Routenpunkten verknüpft und ist durch geistiges abklappern der Route dann im Nachhinein wieder abrufbar.

Als erstes informierte ich mich erneut über die Routentechnik und fand einen Artikel auf einer wunderbaren Website¹ die ich im  weiteren Verlauf des Projekts noch öfter zu Gesicht bekam, auch wenn dieses anfangs verflixte Trainingsprogramm sich nicht im Browser starten ließ und mich damit schwer aufregte.

Außerdem recherchierte ich über die Methode bei Wikipedia und fand sie schließlich unter dem Namen Loci-Methode.

Allgemein

Um diese Technik zu beherrschen, wird nur sehr wenig Aufwand benötigt. Wer sich ohne Hilfstechniken eine Abfolge von Dingen zu merken versucht, scheitert schnell; mit Hilfe der Loci-Technik werden die Lerninhalte geordnet „encodiert“. In der Loci-Technik wird für jeden Begriff ein eigener Platz reserviert, quasi Variablen geschaffen, die mit verschiedenen Inhalten belegt werden können. Diese Variablen liegen in einer übergeordneten, fixen Struktur, so dass es möglich wird, bei der Wiedergabe die genaue Reihenfolge einzuhalten.

Diese fixe Struktur kann ein wohlbekannter Weg sein, aber auch ein Raum. Es muss im zweiten Falle nicht unbedingt ein realer Raum sein. Man kann sich selbst seinen eigenen Raum schaffen, dies muss jedoch in größtmöglicher Detailgenauigkeit geschehen. Bei beiden Varianten ist es notwendig, ganz eindeutige Plätze auszuwählen, wo später die zu merkenden Dinge „abgelegt“ werden können. Zusätzlich kann man diesen Plätzen noch Nummern zuweisen.

Anschließend kann man auf die geistig vorbereiteten Plätze das zu Merkende in Form lebendiger Bilder ablegen. Traditionell wird an einem Ort/Platz nur ein Begriff/Bild abgelegt.

Einige moderne Lehrer halten es für besonders günstig, wenn man mehrere Dinge zuerst zu einem Assoziationsbild verknüpft und dann gedanklich ablegt. So werde „Platz gespart“ und man erinnere sich obendrein noch leichter.

Man kann den Weg oder das Zimmer immer wieder benutzen, quasi neu „beschreiben“, wenn das alte Wissen vergessen wurde. Ohne Wiederholung werden die Bilder im Kopf immer schwammiger, bis sie irgendwann ganz vergessen werden.

Mögliche Plätze

  • Wohnung, Häuser
  • Öffentliche Plätze
  • Straßen
  • Museen
  • Eigener Körper

Im Mittelalter waren gerade in den Predigerorden Kirchen beliebt.

Neurologische Ursachen

Diese Methode funktioniert deshalb gut, weil das menschliche Gehirn Daten gut ortsabhängig einspeichern kann und assoziativ funktioniert. Die Idee geht auf die alten Griechen zurück (möglicherweise entstand sie noch früher). Die Wissenschaftler mussten damals viel mehr auswendig lernen, da Bücher als Handschriften teuer und selten waren. Die Methode wird auch von heutigen Gedächtnissportlern benutzt.

Geschichte

Auch Redner in der Antike nutzten diese Technik, um ihre Reden auswendig zu lernen. Cicero schritt dabei gedanklich die Umgebung des Forums in Rom ab. Er beschreibt die Methode in seinem Werk “De oratore”.

Angeblicher Erfinder ist Simonides von Keos. Er lebte um 500 v. Chr. und war ein bekannter Poet und Redner. Er hatte wohl noch nichts mit späteren Konzeptionen eines Gedächtnispalastes zu tun. In der Antike war die ihm legendär zugeschriebene Loci-Methode so verbreitet, dass man einfach nur von “der Methode” sprach. Der Sage nach ist Simonides auf die Idee für die Loci-Methode gekommen, als er bei einer Feier des Skopas dessen Haus kurzzeitig verließ und während seiner Abwesenheit das Haus einstürzte. Niemand überlebte, eine Zuordnung der zermalmten Körper war äußerlich nicht mehr möglich. Simonides musste, als einziger Überlebender, die unkenntlich Gemachten identifizieren. Dabei visualisierte er die Szenerie vor dem Einsturz, um sich des jeweiligen Aufenthalts der Personen zu vergegenwärtigen, und erkannte in seinem Erfolg, dass es dem Mensch leicht fällt, in eine räumliche Verknüpfung eingefügte Informationen geordnet wiederzugeben.

Quelle: Wikipedia – freie Enzyklopädie des Wissens

Der Plan

Außerdem las ich noch von dem sogenannten Gedächtnispalast, einem geistigen Konstrukt, das im Prinzip nichts anderes als eine Ansammlung von fiktiven Loci ist, die verschiedenste Routen darstellen können.

Ich wollte genau das. Ich wollte einen Raum schaffen indem ich das Periodensystem unterbringen konnte, am besten so, dass ich es nie wieder vergessen würde. Noch besser wäre es, wenn dieses Periodensystem-Haus oder der Perdiodensystem-Raum teil eines Komplexes wäre, indem noch tausend andere Dinge gespeichert werden könnten. Ein Gedächtnispalast der Superlative.HAHA.

Das sind Gedanken die Motivation ankündigen. Jetzt nur nicht entmutigen lassen und erste Erfolge erzielen.

Nun die erste Frage: Wie sollte der Raum aussehen? Sollte es schlicht ein Zimmer sein, oder wäre es besser ein eigenes Gebäude mit vielen Zimmern nur für das Periodensystem anzulegen? Ist es sinnvoller eine Route mit 111 Punkten zu erstellen oder ist es sinnvoller das ganze in Teilstrecken zu zerlegen?

Ich entschloss mich zuerst den inneren Aufbau meines Opfers besser zu verstehen. Ich nahm mir das Periodensystem vor.

Das Periodensystem

Das Periodensystem ist sowohl in die Perioden 1 bis 7, als auch in die Hauptgruppen 1 bis 8 unterteilt. Außerdem gibt es die Gruppen der Alkalimetalle, der Erdalkalimetalle, der Metalle, Nichtmetalle, Halogene sowie der Übergangsmetalle in denen die zwei Gruppen Lanthanoide und Actinoide strukturell inbergiffen sind.

Was nun charakteristisch für die einzelnen Gruppen war und was mit zunehmender oder abnehmender Periode oder Hauptgruppe genau ablief, war mir mittlerweile wieder einigermaßen schleierhaft geworden und würde Gegenstand späteren Lernens sein.

Aber die aufgezählten strukturellen Unterteilungen boten schon einige Möglichkeiten zur Einrichtung des PSE-Gebäudes – denn das sollte es, da war ich mir sicher, werden: Ein Gebäude.

Abbildung 1: erste Skizze nach Strukturanalyse des PSE

Die Routen

Nachdem ich nun eine grobe Vorstellung des Gebäudes hatte musste ich die Wege durch dieses Gebäude entweder detailliert  ausarbeiten damit ich sie mir merken konnte, oder mit realen Routen belegen. Beispielsweise hat der Flur der Alkalimetalle mit dem H2-Pförtner und dem Fahrstuhl am Ende8 Stationen und ich konnte diese Stationen leicht mit einem Gang durch meine alte Wohnung belegen. So kam es dass das Pförtnerhaus in einem schönen Garten mit Wiese stand, im Eingangsbereich bei Lithium und der giftigen alten Sekretärin Beryllium ein Ka(r)min gleich neben der Eintrittsglastür stand, welchen Lithium auch immer fleißig befeuerte, worüber sich die blöde Beryllium ständig aufregte, weil sie Karminrot hasste! Man ging dann weiter zu Magnesium und Natrium, deren Büros einen Warteraum mit Klavier hatten, dessen Tasten aus Magnesiumtabletten und Salzbestanden, weswegen man wenn man seine Finger nach dem spielen ableckte, entweder einen salzigen oder einen zitronigen Geschmack hatte. Dann kam man zu den Büros von Kalium und Calcium deren Boden mit knarrenden Holzdielen ausgelegt war, zwischen die Dielen lief die ganze Zeit Kaliumpermanganatlösung und man dachte ‘Was für eine Schweinerei! Das bekommen die nie wieder sauber!’ An Calciums Tür klebte ein Poster von einem Skelett, Erinnerung an einen Knochenaufbaukurs den es in der 10ten Klasse gewonnen hatte. Das Skelett steppte auf dem Holzdielen, dass die Permanganatlösung nur so spritzte. Man kam dann weiter zu Rubidium und Strontium die eine Wäscherei mit einer derbe schaukelnden und rüttelnden Waschmaschine hatten, was ziemlich gefährlich war, weil Rubidium immer gleich explodierte wenn es etwas von dem rumspritzenden Wasser abbekam. Allgemein mochte niemand die Wäscherei, vor allem Calcium der Knochenfreak nich, weil Strontiums Zwillingsbruder 90Sr ständig allen radioaktiv die Fresse wegfetzte und Knochen und Zähne brüchig machte! HAHA wir er da lacht. Man musste echt ständig zwischen diesen beiden Irren durch um weiterzukommen und sprang dann deckungssuchend zwischen radioaktiven laserstrahlen und den explodierenden Rubidiumfragmenten durch die Wäscherei mit den wackelnden Waschmaschinen.. eieiei.. Danach kam der Leseraum von Cäsium und Barium in dem es nach frisch gedruckten Büchern roch und eine Cäsium-Uhr vor sich hin tickte. Barium ist ein Fettklops der auf die Atombombe im nächsten Raum aufpasst. Der nächste Raum ist ein Kinderzimmer in dem Francium(Franz) und der kleine dicke Radium(Hans?!) (der Sohn von Madam Curie) auf einer Atombombe sitzen und mit Lego spielen. Danach kommt der Fahrstuhl mit dem 1,80 großen Kanarienvogelwärter.

1 Wasserstoff Garten, Pförtner
2 Lithium Beryllium Kaminfeuer, giftige Sekretärin
3 Natrium Magnesium Klavier aus Salz und Tabletten
4 Kalium Calcium Holzdielen, steppendes Skelett und auslaufende Lösung
5 Rubidium Strontium Die wackelnden Waschmaschinen, Atomarestrahlung, explodierendes Rubidium
6 Cäsium Barium Leseraum, tickende Cäsium-Uhr und dicker Barium
7 Francium Radium Kinderzimmer, Atombombe Hans(Radium?) & Franz(ium)
8 Fahrstuhl Kanarienvogel

Anhand des letzten Punktes hab ich dann die Verknüpfung zur nächsten Route gelegt in dem ich einfach eine andere Wohnung die mir wohl bekannt war und die einen Kanarienvogel am einen Ende enthielt nutzte. Sie belegte die ersten 10 Elemente in der Halle der Übergangsmetalle und sah folgendermaßen aus:

1 Scandium Kanarienvogel, mitten drin im Skandal-Büro!
2 Titanium Ein Titan schläft im Bettchen und schnarcht
3 Vanadium Vandalen im Fernsehen werfen Steine
4 Chromium Autowerkstatt draußen vor der Tür, mit gut verchromten Felgen!
5 Mangan Kleine Manganknollen die sich in den Ritzen vom Sofa verkrümeln
6 Eisen Ich stolper über einen schweren Eisenlampenschirm
7 Cobalt Auf der Fensterbank sitzt ein kichernder Kobolt
8 Nickel Die Hundehütte ist voll gestopft mit allergieauslösenden Nickel-Ohrringen
9 Kupfer Im Regal steht eine Bibel mit verkupferten Metallseiten, an denen man sich die Finger schneidet und blutet. Blut auf Kupfer schmeckt komisch.
10 Zink Die Tür ist eine Zink-Opfer-Anode an einem riesigen Schiff!

Und so weiter. Nacheinander belegte ich alle Elemente der Halle der Übergangsmetalle mit meinen Routen, bzw. die Routen mit den Elementen. Bis ich die 40 Elemente locker runter rasseln konnte. Der Trick ist dabei, sich die verknüpfenden Gedanken so realistisch wie möglich auszumalen, also mit vielen Sinnen. Es nützt nichts, sich einfach Kombinationen zu denken, man muss diese auch ausmalen, facettenreich und kreativ bis komplett wahnsinnig gestalten. Gut im Gedächtnis bleiben neben den Orten vor allem Angst/Schmerz/Gefahr, Erotik, Übertreibungen sowie Geräusche oder Gerüche. Man muss sehen was bei einem selbst am besten im Gedächtnis bleibt. Bei mir sind es Vorstellungen von Bewegungsabläufen, wie beispielsweise in der Rubidium-Strontium-Wäscherei oder bei dem Eisenlampenschirm.

Immer wenn mir ein Element nichts sagte, ich also keine wirkliche Vorstellung von ihm hatte, recherchierte ich seine Eigenschaften und Anekdoten und Geschichten. Sehr geholfen hat mir dabei eine Sammlung von Videos der University of Nottingham², die zu JEDEM Element ein Youtube-Video online haben, in dem Professoren darüber reden und Experimente seine Eigenschaften verdeutlichen. Ein Heidenspaß und sehr interessant.

Nach der vierten 10er-Reihe der Übergangsmetalle stellte ich fest, dass es wirklich am sinnvollsten ist sich eine Tabelle zu machen. Die erste Spalte enthält die Schlagworte der Route (z.B. Tisch, Spüle, Hundehütte..) die zweite Spalte die zu merkenden Begriffe (z.B Lantan, Hafnium, Tantal…) und in der dritten Spalte assoziert man frei und versucht möglichst viele Sinne anzusprechen (z.B. der Chinese Lan-Tan grüßt und legt Metallschwämme auf dem Boden aus über die ich barfuß gehe, in der Spüle sitzt ein Kiffer, Taranteln klettern aus der Hundehütte und krabbeln auf mich zu).

Geht man dann mit den Tabellen die Route ein-, zweimal im Kopf durch, hat man meistens schon alles im Kopf.

Nach einer Woche gemächlichen Lernens hatte ich das Periodensystem im Kopf, es ist jedoch auch viel schneller möglich, wenn ich systematisch gleich Tabellen aufgestellt hätte und dann alles durchgegangen wäre, hätte ich es sicherlich an einem Tag geschafft.

Als nächstes überlege ich nun mit Hilfe anderer Mnemo-Techniken große Zahlenreihen auswendig zu lernen.

Dieser Artikel wurde verfasst von pierre

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‘Mnemo-Techniken und das Auswendiglernen des chemischen Periodensystems mit seinen 111 Elementen’ und alle seine Bestandteile stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz.

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

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