Schlagwort-Archive: Grundlagen

Routen, die (eigentlich) keine Routen sind

Vom Merken mit so genannte Loci-Routen hat jeder schon einmal gehört. Meistens werden dabei Informationen an Plätzen entlang eines Spazierganges (Gassi mit dem Hund) oder einer Reiseroute (Fahrt zur Arbeit) abgelegt. Es gibt aber auch viel einfachere Routen, für die man sich nicht einmal bewegen braucht, um ganz viel im Hirn zu speichern…

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Zahlen Merken rückwärts – kreative Übung für Nummern und einen besseren Wortschatz

Das Majorsystem zum zuverlässigen Merken von Zahlen braucht etwas Übung. Ich möchte Ihnen in diesem Artikel eine einfache Methode erklären, wie Sie diese Mnemotechnik praktisch überall trainieren können.

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Die geheime Ordnung des Wissens – Wie Mnemotechniken funktionieren

Merktechniken – das klingt immer wie ein hoch komplexer und sehr spezieller Kasten voller Denk-Gerätschaften, die schwierig zu erlernen und kaum zu begreifen sind. Viele Menschen schrecken tatsächlich davor zurück. Aber eigentlich kocht auch ein gut trainiertes Hirn nur mit Wasser. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen das Grundprinzip der meisten Mnemotechniken…

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Vokabeln und Genus zusammen merken… – Eine Erweiterung der Schlüsselwort-Methode

Hier ein Leserbrief zum erweiterten Merken von Vokabeln – nämlich inklusive Genus:

Sehr geehrter Herr Bien,

ich finde ihr Buch „Vokablen lernen“ sehr hilfreich und benutze es zum Lernen von jiddischen, hebräischen und arabischen Vokabeln.

Allerdings hat sich mir, unter anderen, ein Problem aufgetan, das viele wahrscheinlich auch aus dem Französischen kennen. Wie merkt man sich am besten die Geschlechter von Substanitven (der, die, das). Dies ist vor allem im Jiddischen ein Problem, da es dem Deutschen sehr (oder auch zu) ähnlich ist. Grundsätzlich muß man für alle Substanive den Genus neu lernen. Beispiel die Nummer (Deutsch) = der numer (Jiddisch).

Wie kann man sich den Genus am besten merken? Haben Sie vielleicht dazu eine Idee?

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Wie wir lernen und warum lernen gesund ist… (mit Video)

Viele Menschen schonen Ihren Kopf. Dabei schützt ein aktives Gehirn vor Demenz und Alzheimer. Das Risiko von Alterserscheinungen (Verkalken) kann bis zu 50 Prozent reduziert werden – natürlich nicht nur durch das Lösen von Kreuzworträtseln.

Das Gehirn fit zu halten, sollte kein Selbstzweck sein. Es ist sinnvoller, etwas fürs Leben zu lernen, als aus dem Leben eine Gehirnjoggings-Unterhaltungs-Show zu machen. Besser für den Segelschein lernen – und nicht wochenlang Sudokus lösen.

Außerdem wissen viele Menschen gar nicht, wie man am besten für Schule, Uni und Beruf lernt. Lernen ist in den meisten Fällen ein Notprogramm: Hinsetzen und auf den Lehrstoff starren – vielleicht noch einen Spickzettel basteln. Im Kopf bleibt davon wenig hängen. Dabei könnte es so einfach sein…

 

Richtig zu lernen ist eine Kunst, die keiner kennt! Oder: Lernen ist Notprogramm

„Das Gehirn lernt immer, tut nichts lieber und kann sowieso nichts anderes.“ – Manfred Spitzer (Gehirnforscher).

Nur nehmen wir das nicht bewusst wahr: Wegen der neuen Baustelle einen anderen Weg zur Arbeit fahren. Die Zutaten für das Rezept aus der Kochsendung einkaufen. Im Büro ausprobieren, wie das neue Computerprogramm funktioniert bis es funktioniert. Die zahllosen Selbstverständlichkeiten, die jeden Tag von jedem Kopf abgespeichert werden – wir wissen sie alle nicht zu schätzen.

In der Schule lernt man lernen nicht

Vielleicht schenken wir deswegen dem Lernen, vor allem in der Schule, so wenig Beachtung. Es geht ja – irgendwie! Solange das meiste von selbst im Kopf hängen bleibt, kümmert uns die Fleißarbeit des Gehirns wenig. Genauso gehen wir – in den meisten Fällen – ja erst zum Arzt, wenn der Körper durch Schmerzen einen Defekt meldet.

Das Vergessen wird vergessen. Wir trainieren auch nicht den Reifenwechsel am Auto oder lesen die Sicherheitshinweise im Flugzeug. Ist der Reifen platt, warten wir auf die gelben Engel. Und bei Turbulenzen hoffen wir auf die Fähigkeiten des Piloten. In der Prüfung schielen wir auf kleingedruckte Spickzettel oder beharren im französischen Restaurant auf unserer Muttersprache, bis der Oberkellner aus Verzweiflung das Tagesmenü serviert. Es geht ja!

Hinsetzen und hoffen!

Aber wehe, wenn Vokabeln, Gesetzestexte und mathematische Formeln nicht drin bleiben. Die Reaktion ist immer die gleiche: Bewegungslos an den Schreibtisch geklebt, zwingen wir uns gnadenlos dazu, den Lernstoff über Stunden anzustarren und zu wiederholen, bis sich der Kopf mit Migräne wehrt und die Lust zum Frust geworden ist.

Bevor man lernt, sollte man das Lernen lernen!

Das ist das durchschnittliche Verständnis von Lernen! Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie richtig gemerkt, gelernt und gewusst wird. Es wird ins Schreibtisch-Anstarr-Notprogramm gewechselt, in der Hoffnung, dass durch reichlich Quälerei vielleicht doch irgendwas im Kopf hängen bleibt. Auch Eltern raten das ihren Kindern: Hinsetzen und hoffen! Das ist genau das Gegenteil von richtig gutem Lernen.

Alarmzeichen Vergessen

Noch schlimmer, wenn der Kopf nichts mehr drin behalten will – auch nicht die alltäglichen Dinge, die bisher fraglos und fehlerfrei da waren: Schlüssel verloren? Milch vergessen? Gespräch beim Chef? Ach ja, vor einer Stunde. Wann hat meine Frau Geburtstag? Wie hieß sie mit Vornamen? Bin ich überhaupt verheiratet? Wenn der Kopf nicht so funktioniert, wie wir es wollen, dann…? Dann kaufen wir ein Buch über Gedächtnistraining (oder lesen diesen Artikel).

Pauken und Büffeln sind die üblichen Namen, mit denen Lernen getauft ist. Ein Mini-Stimmungsbarometer ist die Bildsuche bei Google im Internet. Sie präsentiert beim Suchwort „Lernen“ eine düstere Ausstellung: rauchende Köpfe, böse Geister, die Schüler albtraumartig verfolgen, Bücherlawinen und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel, der mit hoch gestrecktem Zeigefinger zu öder Disziplin aufruft. Max und Moritz waren anderer Meinung: „Das ist freilich angenehmer und auch viel bequemer, als in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle.“

Lernen lernen lohnt

Wir lernen viele Dinge, indem wir (nicht) lernen. Nur das Lernen nicht. Was kryptisch und verwirrend klingt, das ist schnell erklärt und gilt bereits seit vielen Jahren als eines der Hauptthemen der Erwachsenenbildung: Emanzipation – wobei hier die Befähigung und Motivation des Menschen zum Lernen gemeint ist. Viele Fortbildungsmaßnahmen (und dazu gehört auch mein Gedächtnistraining) haben das wichtigste Ziel, Menschen zu zeigen, das sie durchaus in der Lage sind, neue Dinge – auch im hohen Alter – zu lernen und damit ihr Leben zu verändern. Und viele Menschen erkennen: Sie haben nie gelernt, Wissen systematisch in ihrem Kopf zu speichern.

Zweites Ziel ist, ihnen echte Werkzeuge zum Lernen mit auf den Weg zu geben, dass sie eben nicht mehr einfach drauf los und einfach so büffeln, pauken und auswendig lernen, bis die Fakten drin sind (aber kein weiß, wie lange sie es bleiben).

Merktechniken unterstützen beides: Sie zeigen auf leicht erlernbare Art und Weise, dass jeder Kopf in der Lage ist, mühelos gigantische Menschen von Informationen aufzunehmen und zuverlässig abzuspeichern. Das macht Spaß, weil es eine konkrete Hilfe ist und weil es auf die Stärken des Kopfes zugeschnitten ist.

 

 

Praktische Beispiele zum Thema Gedächtnistraining – und: Antworten gibt’s!

Täglich bekomme ich Leserbriefe! Vor ein paar Tagen hat eine Leserin eine spannende E-Mail geschrieben – aber leider keine richtige E-Mail-Adresse angegeben. Wir freuen uns über Fragen und schreiben garantiert eine Antwort – wenn im Moment auch mit einiger Verzögerung! Nur eine Bitte: Wenn Sie eine Antwort wollen, dann tragen Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein, sonst können wir nicht zurück schreiben.

Die E-Mail-Adressen werden von uns nicht zu Werbezwecken genutzt oder an Dritte weiter gegeben!

Und hier noch die Antwort zur Frage von Frau K. (ich hoffe, das sie es liest):

Hallo K.,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir versuchen, unseren Blog (und die Bücher) so praxisorientiert wie möglich zu gestalten. Einsteiger in Sachen Merktechniken müssen natürlich erst die Grundlagen erlernen, um sich anschließend komplexen Themen widmen zu können (oder auch vielschichtige Merktechniken wie den Gedächtnispalast einzusetzen). Fortgeschrittene Anwender wissen häufig, wie Sie auch komplexe Themen lernen können…
Sollten Sie unter „praktisch“ umfangreiche Themen (ein ganzes Studium) verstehen, lässt sich das sicher nicht in einen einzelnen Blogtext verpacken. In meinen Büchern finden Sie am Ende immer auch Erklärungen, wie sich so etwas meistern lässt. Aber auch auf dem Blog sind immer wieder Beschreibungen dazu zu finden, z.B. dieser Leserbrief über das Lernen für’s Chemiestudium.
Schauen Sie auch ins Wiki unter Zielgruppen – auch dort gibt es Praxisbeispiele von Studierenden. Vollständig und umfassend werden diese Erklärungen aber nie sein (das ist letztendlich eine Frage, wie Sie Ihr Lernen organisieren und keine Frage von Merktechniken, die Sie dabei unterstützen und begleiten).
Sollten Sie unter „praktisch“ andere Fakten meinen, dann würde ich mich über Beispiele freuen…!
Und: Empfehlen Sie Ihrem Mitstudenten doch meinen Blog!
Ganz viele Grüße,
Ulrich Bien
 

Alles merken! Wie hätten Sie es denn gerne?

Mühelos Lernen will jeder. Aber nur wenige Menschen machen sich Gedanken darüber, wie die übernatürliche Form der Wissensaufnahme stattfinden soll. Stellen Sie sich folgende Frage:

Wie wäre es, wenn Sie sich alles merken könnten?

Denken Sie in Ruhe darüber nach. Bitte keine Mikrochips, die am Hinterkopf unter die Haut geschoben werden und keine übersinnlichen Erleuchtungen, die Ihnen in Sekunden alle Sprachen der Welt einhauchen. Häufig ist die Vorstellung vom genialen Kopf von ein paar bekannten Geschichten geprägt:

  • Der Film „Rain Man“ und Dustin Hoffman in der Rolle von Raymond Babbitt, der in wenigen Stunden ein Telefonbuch auswendig gelernt hat.
  • Der Kopf als Videorekorder: Menschen können sich unter Hypnose an viele Details bestimmter Ereignisse erinnern, aber nicht, wenn der Lateinlehrer nach den Vokabeln von gestern fragt oder im Supermarkt gegrübelt wird, ob im Kühlschrank noch Butter liegt.
  • Das beliebte fotografische Gedächtnis: Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der so etwas kann: Buchseite anschauen und dann später vor dem geistigen Auge ablesen.
  • Schließlich die Genialität von Albert Einstein, Johann Wolfgang von Goethe und Sir Isaac Newton, die wenige Male unter Millionen Geburten zuschlägt, danach aber nicht mehr zu erreichen ist.

Damit stecken wir halshoch in drei wild diskutierten Phänomenen irgendwo zwischen Hirnforschung und Hollywood:

Erstens „Rain Man“: Inselbegabungen (auch Savant-Syndrom) sind außergewöhnliche Leistungen von geistig behinderten Menschen (Autisten). Wenn Sie eine schwere kognitive Einschränkung haben und Ihr Intelligenzquotient weit unter 70 Punkten liegt, dann kann es sein, dass Sie sich das Telefonbuch irgendeiner amerikanischen Kleinstadt an einem Abend bis zum Buchstaben G einprägen und ganz Rom aus dem Kopf zeichnen können (schauen Sie sich dazu Stephen Wiltshire im Internet an, Englisch). Vorbild von „Rain Man“ ist der geistig schwer behinderte Kim Peek, der 12.000 Bücher wortwörtlich im Hirn hat. Peek lernte mit 16 Monaten lesen und hatte im Alter von vier Jahren acht Lexikon-Bände wortwörtlich im Kopf. Mit Hilfe von Merktechniken schaffen Sie innerhalb von ein paar Stunden vielleicht nur den Buchstaben „A“ im Telefonbuch von Norderney, können sich dafür aber selbst die Schnürsenkel zubinden.

Zweitens: Das Hirn funktioniert tatsächlich als Videorekorder. Ray Bradbury schreibt davon in seinem Roman „Fahrenheit 451″: Jedes Buch, das wir in unserem Leben gelesen haben, tragen wir in uns. Allerdings können wir auf viele wichtige und unwichtige Erlebnisse nicht bewusst zugreifen. Es ist leider unmöglich, auf diesem Erinnerungsband beliebig hin und her zu spulen. Kaum auszusprechen ist das hyperthymestische Syndrom, bei dem Menschen sich an alles erinnern, was sie jemals erlebt haben. An jedes hart gekochte Ei zum Frühstück, jeden verpassten Bus und jeden Regentag. Schauen Sie sich Brad Williams an (Englisch). Seien Sie nicht neidisch, dass Sie das nicht auch können. Jill Price hat den gleichen Hirndefekt und schreibt in ihrem Buch „The Woman Who Can’t Forget“ („Die Frau, die nicht vergessen kann“) von den Qualen, die diese Gabe beschert.

Seit sie 14 Jahre alt ist, kann sie sich an alles in ihrem Leben erinnern. Alle schlechten Nachrichten, jeden Schreck und jedes böse Wort trägt sie jeden Augenblick ihres Lebens mit sich herum. Ohne die Hilfe von Psychologen würde sie davon erdrückt werden.

Drittens: Wenn bei der nächsten Party ein Gast von einem Freund erzählt, der jemanden kennt, der ein fotografisches Gedächtnis hat, können Sie gelassen erwidern: Hat er nicht! Denn das Ablichten von Buchseiten mit den Augen gibt es nicht (genauer gesagt gibt es bisher keinen bestätigten Fall, der in einem seriösen Experiment diese Fähigkeit bewiesen hätte). In der neueren amerikanischen Lernpsychologie taucht das fotografische Gedächtnis neuerdings wieder auf. Allerdings in anderer Form: Das Arbeitsgedächtnis ist durchaus in der Lage, Gesehenes als Bild abzuspeichern (machen Sie dazu dieses Experiment auf YouTube).

Echte visuelle Eindrücke bleiben nur Sekundenbruchteile erhalten und müssen dann schleunigst vom Gehirn verarbeitet werden, um nicht vergessen zu sein. Das Gehör kann Wahrgenommenes sogar für mehrere Sekunden behalten. Wenn wir nicht genau hingehört haben, können wir uns einen Moment an das Gesagte zurück erinnern.

Und zuletzt die Hoffnung auf das Genie in uns. Schulversager sind eigentlich hochbegabt. Einstein war zuerst technischer Experte 3. Klasse im Patentamt. Aber er war keine Niete in der Schule, wie allgemein angenommen wird – was angeblich jeder Nobelpreisträger und Self-Made-Milliardär gewesen sein soll (solche Geschichten machen gut in Biographien). Der Intelligenzquotient (IQ) ist in den 90er Jahren austauschbar geworden, um den weniger Schlauen neue Hoffnung zu machen: Emotionale Intelligenz (EQ) als die bessere Art der Weisheit. Heute haben wir die Wahl, auf neun Arten intelligent zu sein (eine Erfindung des Harvard-Professors Howard Gardner). Da ist für jeden etwas dabei! Zur Not bleiben Talentshows im Fernsehen, wo der Rest die Chance hat, schlicht ausgeflippt berühmt zu werden.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie keins dieser Phänomene erwischt haben. Ihr Gehirn merkt, ohne dass Sie es merken: Die Melodie des neuen Hits im Radio können Sie nach 2 Minuten 35 Sekunden fehlerfrei mitsingen. Den Namen Ihres neuen Kollegen Herrn Willi Warzennase? Lernen unnötig! Die PIN für die neue Kreditkarte lautet „6789″ – genauso schnell abgespeichert wie den Witz, den Sie in der Kantine mit halbem Ohr vom Nebentisch gefischt haben.

Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wie es wäre, wenn Sie sich einfach alles merken können? Falls Sie sich nicht entscheiden konnten, hier ein Vorschlag:

Einmal lernen. Nie mehr vergessen.

Klingt zu gut, um tatsächlich zu funktionieren? Sie werden erleben, dass Lernen genau so sein kann. Sie können sich mit dieser Vorstellung anfreunden…

 

Kopf-Kapazität: Wie viel kann sich das Gehirn merken?

Machen Sie mit beiden Händen eine Faust und drücken Sie die Handwurzeln und Finger gegeneinander: Die Form aus beiden Händen ist etwa so groß, wie das Ding in Ihrem Schädel.

Wer schon einmal einem echten Gehirn begegnet ist, wird bestätigen, dass die grau-gelbe Masse extrem langweilig und trist aussieht. Wenn nicht und wenn Sie mutig sind:  Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor hat bei der Rede auf der TED Konferenz ein Hirn in der Hand – zum Ansehen im Internet unter folgendem Link: http://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_s_powerful_stroke_of_insight.html (Vortrag in englischer Sprache).

Dieses handliche Ding hat es in sich: Während der Schwangerschaft entstehen im Kopf eines Babys rund eine Viertelmillion Nervenzellen (Neuronen) – und zwar pro Minute! Ein ausgewachsenes Gehirn besteht aus 100.000.000.000 (100 Milliarden) Nervenzellen. Das entspricht der Anzahl von Sternen in unserer Milchstraße. Zusammen geknotet würde eine Gehirnzellen-Kette problemlos bis zum Mond und wieder zurück reichen. Hirnforscher diskutieren, ob die Zahl der Hirnzellen nicht sogar um ein paar Nullen länger ist.

Beziehungsgeschichten

Das Gehirn wird aber erst zum Denk-Spitzensportler durch die guten Beziehungen der Zellen untereinander: Durchschnittlich ist jede Nervenzelle mit eintausend anderen Nervenzellen über so genannte Synapsen verbunden, auf denen – einfach ausgedrückt – unsere Gedanken durch das Hirn transportiert werden. Damit ist jedes Neuron über vier Verbindungen mit jeder anderen Zelle im Kontakt. Insgesamt sind das unvorstellbare 100.000.000.000.000 (100 Billionen) Verbindungen. Zum Vergleich: Studien zufolge sind alle Menschen über sechs andere Menschen miteinander bekannt. Das Hirn kennt sich besser, als wir uns untereinander!

Die Anzahl von Ideen und Gedanken, die dieses Netz konstruieren kann, ist so groß, dass es für die Zahl keinen Namen mehr gibt. Der britische Erfinder des Gedächtnissports Tony Buzan hat errechnet, dass die Anzahl von Wegen durch das Gehirn eine Zahl ist, an deren Anfang eine eins steht und danach 10.500.000 Kilometer (10,5 Millionen Kilometer) Nullen folgen – und zwar in der Schriftgröße des Texts in diesem Buch.

Dieses Denkwerk braucht Kraftstoff: Obwohl das Hirn nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es ein Fünftel des Sauerstoffs und mehr als ein Viertel der Energie, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Das ist viel im Vergleich zu anderen Organen. Technisch gesehen entspricht das dem Verbrauch einer 20-Watt-Glühbirne. Heizlüfter verbrauchen 100 Mal mehr, können sich aber nicht einmal selbst die Schnürsenkel zubinden.