Schlagwort-Archive: Grundlagen

Was ist eigentlich Gedächtnistraining? Für Menschen, die (es) wissen wollen…

Magie ist eine Frage der Perspektive: Während der Zuschauer staunt, vollführt der Zauberer seine Tricks mit Geschick und Technik. Ist Ihnen aufgefallen, dass Magie und Genie irgendwie ähnlich klingen?

Gedächtsnistraining und Mnemotechnik sind Lebensveränderer!

Den Kopf kräftig auf Trab halten, schützt vor dem geistigen Stillstand im Alter. Aber Sudoku, Kreuzworträtsel, Rateshows im Fernsehen und das 1.000-Teile-Alpenpanorama-Puzzle entsprechen weder dem Lebensstil aktiver Menschen im fortgeschrittenen Alter, noch sind sie dafür geeignet, dem Gehirn das abzuverlangen, was es braucht, um alt jung zu sein.

Veränderungen im Gehirn von alternden Menschen wurden von der Forschung lange nicht untersucht, aber seit dem Kopfstand der Alterspyramide beschäftigen sich immer mehr Neurobiologen intensiv mit dem Thema und haben mittlerweile sogar eine eingefressene Vorstellung wissenschaftlich erledigt: dass es mit den Leistungen des Hirns ab einem Alter von 20 Jahren nur noch abwärts geht! Die adulte Neurogenese – das Bilden neuer Nervenzellen im Gehirn auch im höheren Alter – ist die Entdeckung der Hirnforschung der 90er Jahre.

Und was ist daraus geworden? Gehirnjogging im Altersheim frischt sicher die grauen Zellen der grauen Generation auf. Aktives Älterwerden meint aber nicht das Lösen von Kreuzworträtseln im Gemeinschaftsraum der Residenz Marienfrieden. Ein gesunder Kopf sitzt nicht auf einem verrosteten Körper. Ein aktives Gehirn will mehr, als introvertiertes Grübeln nach dem Fluss mit sieben Buchstaben.

Demenz braucht jahrelange Vorbeugung – wenn man es genau nimmt, müssten viele Menschen bereits darauf hingewiesen werden, wenn sie das Hirn nach dem Ende ihrer Ausbildung auf die ruhige Schiene lenken. Wer seinen Kopf nicht ständig in Bewegung hält, riskiert nicht nur Alzheimer im Rentenalter, sondern obendrein ein äußerst langweiliges Leben ohne Veränderung. Die Aktion beginnt im Kopf und nirgendwo anders.

Gedächtnistraining macht wach! Die Motivation, neue Dinge zu lernen und mehr mit dem Kopf zu machen sind die wichtigsten Ziele in meinen Seminaren. Wer begreift, dass auch im hohen Alter noch gelernt werden kann, der lernt im hohen Alter und gerät damit in Bewegung. Während Gehirnjogging wie viele anderen Formen von Rätselraten zur geistigen Routine wird, bieten Gedächtnistraining und Mnemotechniken nicht nur die Motivation, sich (wieder) geistigen Herausforderungen zu stellen, sondern die Teilnehmer meiner Seminare erkennen zudem, dass ihr Kopf mehr kann, als sie es jemals gedacht haben. Ein mit Mnemotechniken ausgestatteter Rentner überflügelt beim Lernen und Merken problemlos den mittzwanziger Jurastudenten. Dabei ist die Denktechnik nicht irgendein Trick, die Lernbüffel hinterlistig hinter sich zu lassen.  Gedächtnistraining zeigt, wie der Kopf richtig benutzt wird, statt “in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle” (Wilhelm Busch).

Wie lernt der Kopf, auf Sturm zu schalten?

Lern-Anleitungen bringen seit ein paar Jahren die Bücherregale zum Platzen. Auf wenigen hundert Seiten steht geschrieben, wie der Kopf zum Schwamm für die gesammelten Werke der Weisheit wird: Nichts mehr vergessen für Anfänger, Einstein in fünf Minuten, Mnemotechniken für Hobbygärtner und alleinstehende Mathematiker. Die darin präsentierten Gedächtnistechniken klingen viel versprechend und die Verfasser der Lektüren sind nicht selten Weltmeister irgendwelcher Gedächtnisweltmeisterschaften, müssen also mit ihrem Wissen zum Merken fähig sein. Doch die Bücher landen oft dort, wo sie herkommen: im Regal, hintere Ecke oben links. In meinen Seminaren begegne ich immer wieder Menschen, die den festen Willen haben, Mnemotechniken zu erlernen und zu benutzen. Und sie besitzen nicht selten mehr als eines der Bücher, aber bekommen nicht viel mehr in ihren Kopf als vorher.

Ich trage keinen Weltmeistertitel im Denken. Meine Merk-Leistungen genügen meinen Ansprüchen (die sind natürlich gigantisch astronomisch), und trotzdem erlebe ich immer wieder, wie Teilnehmer meiner Seminare mich nach ein paar Stunden Training mühelos überflügeln. Macht nichts! Denn ich habe mich darauf spezialisiert, zu erklären, wie Sie sich einfach alles merken können. Meine Trainings sind auf Menschen zugeschnitten, die merken müssen, also meistens im Beruf darauf angewiesen sind, große Mengen von Fakten schnell zu speichern und/oder lange im Kopf zu behalten, und zwar zuverlässig und fehlerfrei.

Vom Jurastudenten, über Chirurgen und Top-Manager bis zu Schauspielern ist der Bedarf nach einem zuverlässigen und leistungsfähigen Gedächtnis groß. Die Motivation ist hoch, denn beruflicher Erfolg und persönlicher Fortschritt hängen gerade in solchen Berufen vom Kopf ab.

Mnemotechniken lassen sich an einem Tag erlernen!

Der Reiz besteht jedoch darin, das Arbeitsprinzip seines Kopfes mit ein paar einfachen Regeln zu ändern und so Aufnahmefähigkeit und Kapazität über das gewohnte Maß hinaus zu steigern. Der neue Umgang mit dem Kopf bringt die Denkanlage in Schwung, aktiviert Bereiche, die bei den meisten Menschen eingerostet sind. Kurz gesagt geht es darum, mehr zu wissen, einfacher zu lernen, Spaß beim Lernen zu haben, nicht genug davon bekommen zu können. Ist Ihnen das schon mal beim Vokabeln-Büffeln passiert?

Dabei sind die Mnemotechniken zunächst nicht die große Veränderung im Denken: Es gibt eine Handvoll davon, und die meisten sind schnell erklärt. Viele haben von den Grundregeln des Mnemorierens schon gehört: Da spaziert man durch die Stadt und legt die Informationen am Denkmal, auf dem Kirchplatz und vor dem Einkaufszentrum ab. Oder: Namen werden in Bilder verwandelt. So wird Herr Hirschau zu einem mächtigen Zehn-Ender, der auf einem Bein hüpft und “Aua!” schreit, weil ihm ein schwerer Fels auf den Huf gefallen ist.

Die Gedächtniskunst besteht nicht darin, Messer und Gabel kunstvoll zu wirbeln, sondern um die Speisen, die auf der Zunge lecker schmecken. Wer interessiert sich für Messer, Gabel und Teller, wenn er ein Drei-Sterne-Menü serviert bekommt? Mnemotechniken sind der Schlüssel zu dem unendlichen, faszinierenden Wissen, das wir in uns tragen wollen, um es benutzen zu können: Fremdsprachen, Gute-Nacht-Geschichten, berufliches Fachwissen, aber auch Musikstücke, Kochen, Zehnfingertippen und Millionen anderer Dinge mehr. Selbst vor dem Hamburger Telefonbuch und dem Jura- oder Medizinstudium brauchen Sie keine Hemmungen mehr zu haben – auch nicht mit 60 Jahren.

Steigen Sie mit viel Schwung in das mentale Paradies der Mnemotechniken ein! Merken ist keine Frage des Wiederholens, der Intelligenz oder des Alters! Lernen mit Mnemotechniken ist wie ein gutes Rätsel: Wer die Lösung kennt, für den ist es mühelos die Informationen abzuspeichern und wiederzugeben, wenn sie gebraucht werden. Sudokus haben keinen praktischen Wert (oder ich habe ihn bisher nicht erkannt). Die Vokabeln für den Satz “Ich möchte gerne etwas landestypisches bei Ihnen essen” dagegen schon.

Es geht darum, den richtigen Schlüssel zu den Fakten zu finden, herum zu experimentieren, neue Wege zu denken. Das macht nicht nur schlau, sondern auch kreativ und hält den Geist konsequent fit und damit jung. Neues zu lernen schützt den Geist vor Altersdemenz, Alzheimer und dem allgemeinen Verkalken vor der Flimmerkiste.

Was oder wieviel Sie merken wollen, spielt keine Rolle. Das “Wie?” ist die entscheidende Frage.

 

Komplizierte Zahlen mit Hilfe des Majorsystems einprägen – Leserbrief

Hier noch ein Leserbrief (eigentlich eine Leser-E-Mail) zum Thema „Zahlen einprägen mit Hilfe des Majorsystems„. Diesmal ein Thema für fortgeschrittene Anwender, die sich spezielle Zahlen einprägen müssen:

Die Merktechniken bezüglich der Zahlen sind hervorragend in der Praxis umsetzbar, so dass schnell eine Matrix über zu erlernenden Stoff im Gedächtnis ist. Ich bin erstaunt, wie einfach und ohne hohen Energieaufwand derartige Leistungen im Gehirn schlummern. Allerdings stehe ich vor einem Problem, bei dem Sie mir vielleicht weiterhelfen könnten. Ich muss Zahlen mit Kommazeichen erlernen. 

  • 0,15
  • 0,0015
  • 5,53
  • 4,89
  • usw.

Mit welcher Lerntechnik kann ich Zahlen mit Komma einfach auswendig lernen. Das Problem bei mir sind die Nullen und die Kommazeichen. Wie setze ich diese Zeichen (null und Komme) bildhaft um?

Und hier die Antwort:

Hallo Frau B,

Ihre Frage möchte ich zunächst etwas vage beantworten: Sie sollten sich eine Technik überlegen, mit der Sie Nullen und Kommas in die Ziffernfolgen am besten einfügen können.
Vermutlich merken Sie Zahlen bereits mit dem Majorsystem. So sollten Sie auch Nullen entsprechend übersetzen (0 = See / 00 = Sosse / 000 = Sozius)
Das Merken von Zahlen hinter dem Komma kann zum Beispiel über die – ebenfalls im Buch erwähnte – Attribution geschehen: Die letzen beiden Ziffern (wie bei Preisen) werden immer in einen zweistelligen Begriff verwandelt, der im Bild entsprechend „markiert“ wird (bei 3,12 Euro stelle ich mir eine „Oma“ mit einem winzigen (Attribut für den Cent-Betrag) „Hund“ vor. Bei Preisen mache ich es mir noch einfacher, indem ich Preise, die auf 99 Cent enden, immer um das gleiche Bild ergänze (das nichts mit der 99 oder mit 99 Cent zu tun hat).
Bei längeren Zahlenfolgen oder verschiedener Anzahl von Stellen hinter dem Komma, sollten Sie in Ihr Merkbild einfach an die entsprechende Stelle ein Bild einfügen, das für ein Komma stehen kann: Die oben erwähnte 0,0015 kann man sich merken, indem man sich einen „See“ vorstellt, der mit einer knallroten Schranke abgesperrt ist (Hinweis auf das Komma), weil er gerade mit „Sosse“ aufgefüllt wird, die aus dem „Tal“ hinunterfliesst. Dabei können Sie auch mit unterschiedlichen Bildern als Merkhilfe arbeiten (so wird es durch dauernde Wiederholung nicht langweilig und mühevoll für den Kopf).
Ich hoffe, die schnelle Antwort hilft Ihnen weiter.
Ulrich Bien
 

Leserbrief: Komplexe Themen mit Hilfe von Mnemotechniken lernen?!

Hier ein Leserbrief über das Potenzial von Mnemotechniken: 

Hallo,

ich würde gern wissen, ob es auch möglich ist sich mittels Mnemotechniken komplexere Informationen zu merken? Ich habe den Eindruck, dass sich diese Techniken lediglich zum Auswendiglernen von Fakten eignen. Oder gibt es mittlerweile in dieser Hinsicht Weiterentwicklungen?

Vielen Dank!

Und hier die Antwort:

Hallo E.,

prinzipiell können mit Hilfe von Merktechniken alles lernen. Die Basistechniken fokussieren zunächst auf das Verarbeiten von Einzelinformationen. Fortgeschrittene Verfahren ermöglich durchaus das Merken komplexer Themen (und das weitaus effektiver als mit herkömmlichen Lernverfahren).
So können Sie zum Beispiel mit Hilfe der Routenmethode tausende Fakten in Reihenfolge merken (und die gleiche Technik zum Beispiel benutzen, um sich den Text für ein Drehbuch, eine Rede oder den Inhalt eines Buchs einzuprägen). Eine Abwandlung sind die so genannten Römischen Räume, in denen sich ebenfalls sehr viele Fakten ablegen lassen – allerdings ist hier keine Reihenfolge nötig. Beide Techniken mit ein paar kleineren Erweiterungen ergeben schließlich einen Gedächtnispalast – eher eine Art zu denken als eine Merktechnik, mit dessen Hilfe prinzipiell das komplette Wissen organisiert und leichter gemerkt werden kann.
Ich hoffe, damit Ihre Frage zu beantworten!
 

Leserbrief: Gedächtnistraining für Fortgeschrittene

Hallo Herr Bien,

ich habe mich durch einige Bücher gearbeitet und im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht, mir die verschiedenen Techniken anzueignen.

Nun würde ich gerne etwas ‚professioneller‘ weiterarbeiten. Was würden Sie mir empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen,

D. S.

Und hier die Antwort:

Hallo Herr S.,

meine Erfahrung ist, dass intensive Nutzer von Merktechniken im Laufe der Zeit einen eigenen Denkstil entwickeln (und damit automatisch die Techniken weiter vertiefen).

Vor allem ist der Einsatz von Merktechniken jedoch davon abhängig, was und wie viel Sie sich merken müssen / wollen. Mit jeder neuen Herausforderung entwickeln Sie sich weiter. Die meisten Menschen brauchen für alltägliche Probleme zum Beispiel nicht gleich einen Gedächtnispalast anzulegen. Dafür müssen Sie schon eine harte Nuss zum Merken haben – dann greifen aber viele wie von selbst zu dieser Technik.

Sie sollten ohne fremde Hilfe schon ganz gut weiterkommen. Auch die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Anwendern von Merktechniken würde ich empfehlen. Da findet man eine Menge gute Ideen (auch im Internet, zum Beispiel bei Brainboard).

Seminare vermitteln eher Grundlagen – es gibt in Deutschland so gut wie keine Aufbaukurse für erfahrene Denktechniker. Lediglich Top-Manager in den USA und Japan, die absolute Höchstleistungen von sich abverlangen, lassen sich in Einzeltrainings schulen.

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter. Und sollten Sie spezielle Fragen haben: Einfach melden!

Ganz viele Grüße,

Ulrich Bien

Weiterführende Links: Brainboardhttp://www.brainboard.eu

 

Die wichtigsten und häufigsten Vokabeln auf Englisch, Französisch, Spanisch und Chinesisch – Leserbrief

Hier ein Leserbrief zum Thema „Sprachen lernen“:

Woher bekomme ich die Liste, in der die 90% der Vokabeln in Englisch aufgeführt sind, welche Sie in Ihrem Buch erwähnen?

Gibt es so etwas auch für Französisch oder andere Sprachen?

Mit freundlichen Grüßen

S.F.

Und hier die Antwort:

Hallo Herr F.,

die Uni Leipzig hat für Englisch und Französisch ausführliche Listen zum Download unter folgendem Link:  http://wortschatz.uni-leipzig.de/html/wliste.html
Eine qualitative Auflistung wichtiger Wörter im Spanischen hat die TU Darmstadt veröffentlicht: http://www.kom.tu-darmstadt.de/eurocom/ressources/spanisch/sp/miniportrait.htm
Eine sehr gute Liste für Chinesisch finden Sie hier:  http://www.zein.se/patrick/3000char.html
Sollten Sie weitere gute Listen finden: Schreiben Sie mir!
Viele Grüße,
Ulrich Bien
 

Abstrakte Muster (verändertes Schachbrett) merken – Leserbrief

Hier ein Leserbrief, in dem es um das Einprägen eines abstrakten Musters geht:

Guten Tag.

Ich bin auf der Suche nach einer Merktechnik für die folgende Aufgabe: auf einem 4×4 Schach-Brett werden bestimmte weiße Felder zu zusätzlichen schwarzen Feldern, so dass ein Muster auf dem Brett entsteht.

Dieses soll man sich merken.Wie könnte man so etwas bewältigen?

Wie können z. B. Schach-Profis „blind“ gegen ihre Herausforderer spielen? Wie machen die das?

Mit freundlichen Grüßen,

A.K.

Und hier die Antworten dazu:

Hallo Herr K.,

Sie beschreiben zwei verschiedene Dinge. Es gibt Studien darüber, dass Schachspieler sich die Stellung von Figuren nicht anhand der Position merken, sondern über den Spielverlauf. Jede Stellung ist das Ergebnis von einer Reihe von Zügen. So können erfahrene Spieler auch recht mühelos blind spielen.
Das zweite Thema lässt sich unterschiedlich lösen: Sie können versuchen, in den 16 Feldern nach Mustern zu suchen oder das Feld auf einer Route mit 16 Punkten merken (schwarze Felder = negative Bilder/Szenen und weiße Felder stellen positive Bilder dar).
Merktechnisch die schönste Methode ist der Weg über Binarzahlen (schwarz ist 1 und weiß die 0) und das Merken der Zahlen mit Hilfe des Majorsystems (s. Majorsystem zum Merken von Zahlen).
Hier ein Beispiel:
W S W S
S S S W
S W W S
W W S W
Daraus ergeben sich dann folgende Zahlen: 10, 8, 9 und 4. Nach dem Majorsystem haben Sie folgende Begriffe: Tasse, Schi, Opa und Reh. Daraus bauen Sie ein Bild oder eine Szene, die sich gut merken lässt:
In einer Tasse Tee stehen die Schi, die Opa da raus zieht und sofort nach dem Losfahren ein Reh rammt!
Mit dem Schachbrett hat das nicht mehr viel zu tun, aber dafür lässt sich das Bild besser merken, als ein paar schwarze und weiße Felder.
Viel Erfolg beim Merken und viele Grüße,
Ulrich Bien
 

Welches Buch für welchen Zweck? Literatur über Gedächtnistraining

Hier die Frage eines Lesers, welches meiner Bücher über Gedächtnistraining für welchen Zweck das beste ist:

Sehr geehrter Herr Bien,

ich bin gerade auf Sie und Ihre Bücher gestoßen und wollte gerne wissen wo die Unterschiede zwischen „Einfach. Alles. Merken.“ und „Trainiere. Dein. Gedächtnis.“ liegen?

Viele Grüße,

MB

Und hier die Antwort:

Hallo Herr B,

Einfach. Alles. Merken.“ ist das umfangreiche Buch über Merktechniken und deren Anwendung von allen Basistechniken bis hin zum so genannten Gedächtnispalast. „Trainiere. Dein. Gedächtnis.“ ist vollständig praxisorientiert – geht aber nicht ganz so weit in die Details und enthält weniger Hintergrundinformationen über das Gehirn und die Entstehung von Merktechniken, dafür mit viel mehr Beispielen aus dem Alltag und der Allgemeinbildung.
   
Viele Grüße,
Ulrich Bien
 

Der große Merktest: Wie gut ist Ihr Gedächtnis?

Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie Ihren Kopf arbeiten: In diesem großen Video-Merktest wird Ihr Gehirn in zehn Kategorien und mit über 80 Fragen auf die Probe gestellt. Das einzige, was Sie brauchen, ist ein wacher Kopf, ein wenig Zeit sowie Stift und ein Blatt Papier.

Folgende Wissens- und Denk-Gebiete werden getestet:

  • Vokabeln
  • Gesichter
  • Termine
  • Bilder
  • Listen (Einkaufszettel)
  • Räumliche Vorstellung (Regale und Orientierungssinn)
  • Telefonnummern
  • Fakten & Zahlen
  • Flaggen

Und schon kann es losgehen! Schauen Sie sich das Video unten an und machen Sie den großen Gedächtnistest!

[vimeo clip_id=“14723254″ height=“300″ width=“400″]

Und? Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis? Wenn nicht oder wenn Sie glauben, noch mehr und noch besser merken zu können, dann schauen Sie sich auf dieser Seite um. Hier ist für jeden Kopf etwas dabei…

Und hier noch die Links zum gleichen Video auf YouTube (aufgrund der Länge in vier Abschnitte aufgeteilt):

 

Gedächtnispalast: Grundlagen zum Hirn-Hochbau! Erklärung einer Spitzen-Mnemotechnik

Ein einfacheres Beispiel über einen kleinen
Gedächtnispalast zum Ersten Weltkrieg lesen Sie hier! 

Die bekannteste Beschreibung eines Gedächtnispalastes stammt nicht von einem griechischen Philosophen (also den Erfindern der Mnemotechniken), sondern von dem amerikanischen Autor Thomas Harris, der seine legendäre Romanfigur Hannibal Lecter in einen Gedächtnispalast abtauchen lässt, um die Adresse von Agent Clarice Starling in seinem inneren Archiv zu finden. Um an die Postanschrift heran zu kommen – anstatt sich wie normale Menschen einfach zu erinnern – marschiert Lecter langsam und ausführlich durch seinen ausgedachten Palast. Die mehrseitige, pompöse Beschreibung von einem riesigen Gebäude mit Seitenflügeln und zahllosen Räumen scheint übertrieben, und trotzdem bleibt beim Leser ein gewisser Reiz dessen hängen, was Harris in seinem Roman beschreibt.

Kann man sich so tatsächlich alles merken? Ja, man kann! Und der erste bekannte Fall von geistigem Hauseigentum geht auf den  Jesuitenpriester Matteo Ricci zurück, der im 16. Jahrhundert den Gedächtnispalast bereits durch sein fundamentales Wissen über die antiken Mnemotechniker errichten konnte (Riccis Vorgehen beruhte vor allem auf den Ideen von Simonides von Keos, der sich Reden merken konnte, indem er die aufeinander folgenden Elemente im Geiste entlang einer Straße ablegte).

Golden Gate im Quadrat

Um so richtig zu untertreiben: Ein Gedächtnispalast ist eigentlich nichts anderes als eine enorme Eselsbrücke, in die massenhaft viele, unterschiedliche Fakten eingebaut werden. Außerdem ist so ein Mentalbau kein einheitliches Gesamtkunstwerk, sondern – wie im richtigen Leben auch – folgen Plan und Umsetzung den Informationen, die darin eingebaut werden (die Form folgt der Funktion).

Ein Gedächtnispalast ist Wissen, dass in vorstellbare Dinge umgewandelt und in einer fiktiven Struktur organisiert ist.

So organisierte Informationen lassen sich leichter merken und einfacher wieder abrufen, als herkömmlich gemerkte Informationen (denn in den meisten Fällen wissen wir gar nicht, wie und warum wir etwas im Kopf behalten).

Ein anderer Grund, sich für den geistigen Hausbau zu entscheiden: Diese Art, Informationen im Kopf zu speichern, ist völlig untypisch für die Arbeitsweise des Gehirns. Während unser Kopf Wissen eigentlich unmerklich und unbewusst organisiert, wird man durch das Benutzen eines Gedächtnispalasts zum Herrn über die eigenen Gehirnwindungen. Sie bestimmen, wie Informationen in ihren Kopf eingebaut werden. Sie haben quasi die Kontrolle – und damit gleichzeitig mehr Erfolg beim Lernen.

Aus der Perspektive der Mnemotechniken ist ein Gedächtnispalast keine eigenständige Technik, sondern lediglich eine Weiterentwicklung der Loci- oder Routenmethode, bei denen Informationen an Orten abgelegt werden, zu denen man später im Geiste zurückkehrt, um sich zu erinnern. Nur eben nicht in einer definierten Reihenfolge wie bei einer Route, sondern in einer offenen Konstruktion aus Räumen und Plätzen, wobei auf jedem Merkpunkt bzw. in jedem Raum oder in jeder Szene eine Vielzahl von Informationen abgelegt ist, statt wie bei einer Route jeweils nur eine oder wenige Fakten pro „Ort“.

Viele Gedächtnismeister (wie zum Beispiel Dominic O’Brien und Ulrich Voigt) nutzen ähnliche, abgewandelte Verfahren. Dabei ist anzumerken, dass die meisten in Büchern beschriebenen Techniken für Wettbewerbe in Gedächtnismeisterschaften  gemacht und damit meistens auf das Abspeichern von abstrakten Informationen in einer definierten Reihenfolge ausgerichtet sind. Und wenn Sie mit dieser Technik einige Zeit gearbeitet haben, werden auch Sie Ihre individuelle Bau-Strategie entwickeln.

Mit (Bau)Stil – alles nur eine Frage der Technik

Zum Bau eines Merkpalasts werden ein paar einfache, grundlegende Merktechniken eingesetzt, um Fakten in gehirn-gerechte Raumdekorationen zu verwandeln und in verschiedene Abschnitte des Palasts zu integrieren – das sind quasi Ziegel und Mörtel, die später zu einem komplexen Gebäude zusammengesetzt werden:

  • Verbildern: Die Mutter aller Merktechniken. Dabei werden abstrakte Fakten in anschauliche Fakten verwandelt. Wann war die Französische Revolution? Die leicht vorstellbare Antwort: Als ein Aristokrat sieben, acht oder sogar neun revolutionierenden Bauern gegenüberstand (1789). Und nun platzieren Sie die Gruppe einfach in einem französischen Straßencafe – schon haben Sie einen Mini-Palast aufgebaut (eine Szene oder Mini-Geschichte an einem definierten Merk-Ort).
  • Verorten: Wie oben bereits gezeigt, legen oder stellen wir die Fakten an einem Platz ab (der bei einem Gedächtnispalast nicht wirklich existieren muss). Durch Verbinden von verbilderten Informationen und einem geeigneten Platz dafür entsteht ein „Ort der Erinnerung“. Dabei wird eine Stärke unseres Gehirns genutzt, nämlich dass wir uns sehr gut räumlich orientieren können (weil unsere gesamte Welt in einem riesigen, dreidimensionalen Raum geordnet ist – in dem wir genau wissen, wo die Socken und wo die Schuhe liegen).

Prinzipiell kann auch jede andere Merktechnik innerhalb eines Gedächtnispalastes benutzt werden: Zum Beispiel die Geschichtenmethode (für eine Gruppe von Fakten) oder auch Loci-Routen (zum Merken einer Reihenfolge). Eine Kombination zahlreicher Technik sorgt auch hier wieder für Abwechslung und erleichtert damit das Lernen und Merken.

Aber vor allem nutzt diese komplexe Merktechnik zwei Eigenarten des Gehirns auf hervorragende Art und Weise: Kreativitätund Phantasie. Es macht dem Hirn – entgegen der Vorstellung vieler Menschen – nichts aus, mehr zu merken, als nötig! Denn das Gehirn kann mit vielen Verzierungen und Details mehr anfangen, als mit knochenharten Fakten. Probieren Sie, was Sie leichter im Kopf behalten können: Eine zehnstellige Zahl oder eine Geschichte, die mehrere Seiten lang ist…

Warum im Geiste Steine schichten?

Mit Technik ist aber noch lange kein Palast fix und fertig aufgebaut. Wissen in einem ausgedachten Gebäude zu organisieren und abzulegen, das ist für viele Menschen vor allem eine völlig neue Art zu denken, weil Informationen nicht einfach „nur so“ im Kopf hängen bleiben, sondern sorgfältig geplant in eine Struktur eingefügt sind (über deren Form Sie entscheiden).

Neben den oben bereits erwähnten Vorteilen bietet sich ein Gedächtnispalast auch hervorragend zur Entspannung an (Dr. Lecter macht in dem oben erwähnten Buch seinen geistigen Spaziergang während eines langweiligen Flugs). Sie sind damit in der Lage, in Ihre imaginäre Bibliothek einzutreten und darin zu verweilen. Wenn Sie an der Kasse im Supermarkt warten oder im Bus sitzen, können Sie Ihr Wissen im Geiste betrachten und hindurch spazieren, wie durch eine Kunstausstellung, ein Museum, eine Bibliothek. Ein Spaziergang durch diese prachtvollen Szenen, in denen man auf sein eigenes Wissen schaut, hebt obendrein die Laune im Vergleich zum Absitzen einer langweiligen Fahrt in einer schäbigen U-Bahn.

Ohne Plan kein Palast

Ein guter Palast braucht sorgfältige Vorbereitung – anders als das gewohnte Drauf-Los-Lernen. Dieses Vorgehen ist für viele Menschen allerdings ungewohnt. Gerade beim Gedächtnispalst gilt: Erst denken, dann lernen. Wenn Sie diese Merktechnik aktiv einsetzen, wird Ihnen bald auffallen, dass Sie mehr planen, gestalten und Informationen in interessante Bilder verwandeln werden, als im klassischen Sinne zu lernen!

Wie wird ein Gedächtnispalast konstruiert? Zunächst einmal brauchen Sie Informationen, die Sie in eine ausgedachte Szene einbauen wollen. Wie am Beispiel der Französischen Revolution oben gezeigt, müssen Sie nicht mit dem Telefonbuch von Hamburg beginnen, um ein paar Konstruktionen in Ihren Kopf zu stellen. Es ist jedoch schwer, einen pauschalen Rat zu geben, in welche Bauart Sie die Fakten fließen lassen sollten. Grundsätzlich gilt: Analysieren Sie zunächst sorgfältig die Struktur des Lernstoffes. Telefonnummern und Adressen brauchen andere Räume als Kochrezepte oder der Inhalt eines Fachbuchs. Folgende Fragen sollten Sie stellen, während Sie Ihre ersten Pläne machen:

  • Wie viel Informationen muss ich mir merken? Vor allem: Ist die Menge begrenzt (Länder der Erde) oder kommen später weitere Informationen hinzu (Adressen)?
  • Wie ist der Stoff strukturiert? Reihenfolgen, Raster und Wiederholungen wie bei technischen Daten usw.
  • In welcher Art und Weise sollen die Fakten wieder abgerufen (erinnert) werden? Besonders wichtig zum Beispiel bei Vokabeln; weniger wichtig bei Telefonnummern.

Am besten geeignet für einen Gedächtnispalast sind Fakten, die vielschichtig sind und sich zu Gruppen zusammenfassen lassen. Im nächsten Artikel werde ich Ihnen zeigen, wie Sie das Periodensystem der chemischen Elemente in einen Palast verwandeln.

Wenn Sie einzelne Merkpakete definiert haben (es können auch Über- und Untergruppen sein, die entweder zu neuen Räumen gedacht oder zu Einrichtungsgegenständen werden), dann legen Sie fest, welche Form die einzelne Information bekommen soll. Um beim Beispiel der Elemente zu bleiben: Sie können die Serien (Edelmetalle, Alkalimetalle etc.) zum Beispiel in „Häusern“ organisieren, oder auch in „Räumen“ eines einzigen Hauses. Die einzelnen Elemente werden kann als Räume oder eine Ebene tiefer als Einrichtungsgegenstände verbildert (im folgenden Artikel ist das gesamte Periodensystem eine Burg und die Serien die einzelnen Teile davon, wie zum Bespiel Torhaus, Burghof und Kerker).

Sie haben die Qual der Wahl, wie die Struktur des Wissens in Ihrem Kopf aussehen soll, aber es bietet sich auf jeden Fall an, zuerst ein wenig herumzuexperimentieren, welche Skalierung geeignet ist (vielleicht fällt es Ihnen zu schwer, ein Element mit all seinen Daten zu einem Möbelstück zu machen und Sie tun sich leichter, wenn Sie pro Element einen Raum anlegen).

Allerdings sollten Sie es mit dem Strukturieren auch nicht übertreiben. Denken Sie immer daran: Es muss nicht ein einzelner,  perfekter Palast sein, in dem Sie Ihr Wissen ablegen. Es muss nicht alles Phantasie sein, was Sie zusammen bauen. Packen Sie die Französische Revolution in das Straßencafé (das komplette Merkbild finden Sie hier und weitere Daten hier), die Industrialisierung in eine Zugfahrt von Fürth nach Nürnberg (ein Beispiel dafür finden Sie hier) und die chemischen Elemente in eine ausgedachte, mittelalterliche Burg (hier geht’s zum Praxisbeispiel) oder in eine Raumstation, einen botanischen Garten oder was auch immer Sie denken wollen.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Spaß beim Merken!

Dieser Artikel ist Teil des Blog-Books "Der Gedächtnispalast - Gipfel der Mnemotechniken". Wenn Sie mehr lesen wollen, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an.

Weiterführende Informationen

Hier noch ein paar Links zu weiterführenden Informationen rund um die Konstruktion von Gedächtnispalästen. Auch in meinem Buch „Einfach. Alles. Merken.“ finden Sie ein Kapitel über dieses Thema.